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Andreas Rhomberg

Past Grandeur | Fotografie


 Galerie Straihammer
  und Seidenschwann

 30.05. - 13.07.2019

 

Eröffnung: am Mittwoch, dem 29. Mai 2019, 19-21 Uhr
Zur Ausstellung: Hartwig Knack


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Botteleria, 2014-2018, HDR Technik, 80 x 120 cm

Bilder von Ruinen repräsentieren zumeist die nüchterne Wirklichkeit von Konflikten, Naturkatastrophen und Werkschließungen.

Doch wie wir Ruinen wahrnehmen ist gar nicht so objektiv und unbeeinflusst. Vielmehr hat die literarische oder visuelle Repräsentation der Ruine eine lange Tradition. Auf die Ruinenlust - von der die europäische Malerei und Literatur seit dem 18 Jahrhundert gepackt wurde und ihrem Höhepunkt in der Romantik - folgen von Virilio bis Marchand & Meffre viele kulturelle Resonanzen auf moderne Ruinen, die sich nicht mehr so einfach in eine ästhetische oder nostalgische Annehmlichkeit verwandeln lassen. 

Die meisten Menschen werden von Ruinen und verlassenen Gebäuden wie baulichen Strukturen auf viszeraler und emotionaler Ebene bewegt. Nicht umsonst haben die Pyramiden, die Katakomben von Paris und Angkor Wat so viele Besucher. Von einzelnen Steinen oder Bauten zu ganzen Städten - Verlassenschaften sind konservierte Momentaufnahmen der Vergangenheit. Zudem inspirieren diese verwaisten Objekte die Vorstellungskraft in einer Art und Weise, die über die aussagekräftige Repräsentation von Geschichte oder nüchterne Dokumentation hinausgeht. 

Die Arbeiten von Andreas Rhomberg zeigen Leerstände und Verlassenschaften aus dem europäischen Raum. Es finden sich Bilder von Industrieruinen und Palazzi in verschiedenen Verfallszuständen, vereinsamten ehemals öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Hotels ebenso wie Details aus dem Anschein nach gerade eben noch bewohnten Schlafzimmern oder einer vor Jahrzehnten ausgebrannten Diskothek. Viele Fotos zeigen einen feinen Sinn für Intimität, die vergessenen Interieurs mit den Spuren der früheren Besitzer oder die floralen Elemente einer rutschenden Zimmerdecke, andere wieder inszenieren Industrieruinen als kühle Schauplätze futuristischer Szenarien. Einige Arbeiten wirken sorgfältig komponiert und weisen ein Gefühl für narrative und dramatische Spannung auf. Komposition, Licht und processing verwandeln alte Fabriken und verfallene Interieurs in Bühnen physikalischer Erzählungen. 

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Legno teatro, 2014-2018, HDR Technik, 80 x 120 cm

Diese Sujets zu finden und zu fotografieren, das heißt nicht nur Reisen sondern auch Abenteuer eines urbanen Archäologen auf der Suche nach und an unseen places. Die Arbeiten stehen im Rahmen von Archtitekturfotografie und urban exploring und sind in diesem Sinne nicht als direkter Versuch der Rückeroberung von urbanen Räumen zu verstehen. Dennoch ist das Aufspüren, Auskundschaften und Fotografieren von abandonments auch eine Redefinierung der Bedeutung von öffentlichem Raum. Studie, Konservierung und Inszenierung von Verfall visualisieren ehemalige gesellschaftliche landmarks und Symbole aber auch deren Veränderung.

In Zeiten wo die rasante Geschwindigkeit der nicht nur städtebaulichen Entwicklungen noch mehr zunimmt, sind diese Bilder ein gelungener Versuch, das Bewusstsein für soziale Realität in künstlerische Form zu gießen. Andreas Rhomberg ist in diesem Sinne auch ein sozialdokumentarischer Fotograf. Denn seine Bilder erzählen auch viel von ex und hopp, vom Leben im Kapitalismus, von Verschwendung und Vernachlässigung - all den so unmittelbaren Prinzipien unserer Gesellschaft ob nun mit oder ohne Krise. Und so können diese Bilder auch als eine exzellente, kunstvolle Kapitalismuskritik verstanden werden.

(Text: Andrea Strasser)

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Roundabout, 2014, HDR Technik, 80 x 120 cm

Biografie

Andreas Rhomberg, geboren 1977 in Dornbirn

lebt und arbeitet in Wien als Grafiker, Fotograf und DJ. 

Ausbildung an der Höheren Grafischen Bundes-, Lehr- und Versuchsanstalt

in Wien, Arbeit als Grafik Designer bis zum Art Director in mehreren internationalen Werbeagenturen.