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Christian Eisenberger

Sehn Sie Tief 9975 - 15432 - 32718

Galerie Krinzinger
 05.11. - 23.12.2020

Soft Opening : 5. November 2020, ab 12-21 Uhr

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Christian Eisenberger, Ohne Titel, 2020

SEHN SIE TIEF 9975–15432–32718 ist Christian Eisenbergers bislang umfangreichste Einzelausstellung in der Galerie Krinzinger. Eisenberger bespielt erstmalig alle Räume der Galerie Krinzinger und setzt seine Malerei in Zusammenhang mit LandArt Fotografien, Skulpturen und situativen Installationen. sehn sie tief- sensitiv, laut Duden; leicht reizbar, überempfindlich, feinnervig. Das trifft wohl auf einige, wenn nicht gar auf die meisten Menschen (Tiere,Pflanzen, Organismen,...) zu und nicht nur auf KünstlerInnen oder der Beschreibung ihrer Kunstwerke.

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Christian Eisenberger, Ohne Titel (Alu), 2020, Aluminium, 69,5 x 38 x 32 cm

Jedenfalls ist das Gefühl bei der Suche nach einer künstlerischen Ausdrucksweise sehr wichtig, es beginnt mit einem kleinen Trieb und wächst sich allmählich zu einem reifen Stamm aus. Doch weiß man am Anfang nie, wie stark eine jeweils begonnene Sache am Ende wird. Das Einladungskarten-Motiv ist der Paradoxie geschuldet, der Jäger wird zum Gejagten, das Schnitzel schießt zurück, etc... auch ist das Schwarze der Zielscheibe vergleichbar mit der „erweiterten“ Kunst-„Kritik“-Pupille.
Es sieht so aus als ob, also es ist was es ist...

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Christian Eisenberger, Untitled (Max und Moritz), 2020, Acryl auf Leinwand, 150 x 200 cm

9975-15432-32718 Die Menschen werden vermehrt mit Zahlen in jeglichen Gebieten vermessen. Insofern wäre es vermessen, es nicht auch im Titel zu zeigen. Die erste Zahl bemisst die Anzahl der Pappfiguren. Die zweite ist die Anzahl der Lebenstage des Künstlers zu Beginn der Ausstellung am 5. November. Die dritte sind Skizzen und Zeichnungen jeglicher Art in der Größe von A4, die in Stahlgerüsten eingeschweißt sind. Und dadurch nur am Rand als Sediment ersichtlich.

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Christian Eisenberger, Untitled (Dyptichon), 2020. Acryl auf Leinwand, 200 x 300 cm

Zu sehen ist erstmals die Gegenüberstellung zweier komplett unterschiedlicher Bildgestaltungsmethoden. Die eine ist eine zeitlich sehr aufwändige Technik bei der die unzähligen Farbschichten immer Trocknungspausen benötigen und so die Bilder oft monatelang, wenn nicht gar längere Pausen dazwischen kommen, auch Jahre benötigen bis zur Vollendung. Diese piktographisch erscheinenden Malereien setzten sich aus Fragmenten zusammen, die bei anderen Bildprozessen entstanden oder übriggeblieben sind. Seit ca. 2014 entstehen diese „flachen“ Bilder wo sich kein Pinselstrich zeigt. Das mag wohl auch einer Verweigerungshaltung der Typologien der Traditionen sein.

Die figurativen Silikonbilder hatten eine Pause von über 10 Jahren, durch einen Atelierwechsel versickerte diese Serie. Doch heuer im Sommer kam ich wieder auf diese abrupt beendete Silikon-Bildnisse, quasi ein Return. Und auch nach Jahren der Konzentration auf eine Sache war es wieder ein Bruch und Neubeginn oder eine Fortsetzung einer unvollendeten Bilderentstehung. Bei diesen Bildern fungiert das Sanitärsilikon als Damm, der die Farbfelder in Richtungen und Räumen begrenzen sowie lenken soll. Doch meist scheitert dieses Vorhaben und es kommt zur Farbüberschwemmung, meist im Mittelfeld des Bildes. Kolorierung vs. Linie.

Der Mensch schläft meist auf Matratzen, und die Farbe auf Leinwänden. Bei den Federkernbildern ist es umgekehrt, dort ist die Farbe gebunden am Schlafgerät. Gute Nacht. Die Leinwand entfällt, die Matratze hängt, die Farbe auch.

Die Collagen entstanden aus Fotografien alter mitteleuropäischer Kirchen und Kathedralen, die vervielfältigt wurden. Mit diesen Aneinanderfügungen verschiedenster Macht und Glaubensarchitekturen wird ein absolutes außerirdisches Gebilde geformt. Diese Gebilde wachsen vom Zentrum nach außen, neben ihnen gibt es die gegenteiligen Collagen, die vom Zentrum ins Innere wachsen und dort die Silhouette eines Menschen bilden. Quasi die Architektur, die den Menschen formt, dieser ist aber nicht da. Sieh Quarantäne (...)

Die Fotoserie aus der Natur mit noch nie gezeigten Kopfspiegelungen und das Zapfenschachbrett mit tausenden Zapfen im Wald. Der hell-dunkel Effekt entsteht einfach nur mit der Legerichtung der einzelnen Zapfen. Der Zauber fällt aus. Der nächste Zug kommt bestimmt, kann aber die Lebensdauer vom Schachbrett übertrumpfen.

Die Objekte und Installationen werden bis zur letzten Minute spontan und überraschend gehalten, weil sonst wär’s ja Konzept-Kunst.
(Christian Eisenberger)

Immer wieder verhandelt Christian Eisenberger in seinen Arbeiten durchaus gesellschaftsrelevante Themenkomplexe, wie ‚Mensch und Natur’ oder ‚Leben und Tod’. Aber auch Mechanismen des Kunstmarktes und dessen Umgang mit Künstlerinnen und Werken sind genuiner Bestandteil seiner Reflexion. (...) Die mitschwingende Ernsthaftigkeit in Eisenbergers Werk wird allerdings nicht selten mit Humor und einer mitunter lapidaren Bildsprache unterwandert, wenn der Künstler. (...)Seine Arbeiten kennzeichnen der Eindruck des Dahingeworfenen, des Schnoddrigen, Rohen, in ihm steckt die Energie des Schnellen und Spontanen, aber auch eine gewisse Fragilität und Prozesshaftigkeit. (Aus dem Ausstellungstext, Christian Eisenberger, COLA BIER ENTE HERR TEE 9975 – 15413 – 32682, Kunsthalle Giessen, 2020 von Dr. Nadia Ismail, Direktorin, Kunsthalle Giessen)

Christian Eisenberger. kennt die Kunstspiele der Moderne und bedient sich letztlich auch aus ihrem Werkzeugkasten – von Pollok, Goldsworthy bis prozessualer Malerei und Bad Painting. Multimedial und interdisziplinär arbeitend, die Grenzen zwischen Street Art, Land Art, einem erweitertem Begriff von Malerei /Skulptur, von autonomer und gesellschaftsbezogener Kunst usw. verwischend, reagiert er instinktiv auf das Ende der Moderne und nutzt konsequent die neuen Freiräume der Postmoderne „wo eben noch keine Normen wirken“. (Zitat Eisenberger) Nur, diese, die Normen der Moderne, sind ganz offiziell schon lange nicht mehr gültig. Sie sind aber immer noch die wichtigsten Bezugs- und Orientierungspunkt heutiger Kunstübung – ob als Reibbäume, Antipoden oder nostalgische Erinnerung. Auch für Christian Eisenberger!

Eisenbergers Unterschied zum Mainstream: Neben exzessiv gelebter Multimedialität und Interdisziplinarität, letztlich doch Charakteristika der Postmoderne, vor allem „Starkstrom statt Gleichstrom“ (des Künstlers eigener Anspruch an Kunst) - im Sinne von Spontanität, Intensität, durchaus auch Quantität = Qualität!! (Edelbert Köb, Kurator, Wien)

*1978 in Semriach, Steiermark
Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl):

COLA BIER ENTE HERR TEE 9975/15143/32682, Kunsthalle Gießen, Gießen, Deutschland, 2020, TABERNAKEL Expanded, Bildraum Bodensee, Bregenz, 2020, Guernica Ikone des Friedens, Hofburg Innsbruck, Innsbruck, 2018, Ausstellen des Ausstellens, Staatliche Kunsthalle Baden Baden, 2018, Art Berlin, Solostand, Martinez, 2018, Kunst 4.0 oder das Überleben der Malerei, Vienna Art Week 2017, Wien, 2017, Eröffnungsausstellung Dommuseum Wien, Wien, 2017, Karl Karner & Christian Eisenberger, Baba Wanga, Grenzkunst-Halle Jennersdorf, Jennersdorf 2016, Works on Paper and Wood, HilgerBROTKunsthalle, Wien, 2016, Prière De Toucher, Der Tastsinn der Kunst, Museum Tinguely, Basel, 2016; Mumok, Wien, 2015; Berlin- Klyndyke: 1. Berlin-Edition, Salon Dahlmann, Berlin, 2015; Destination Wien, Kunsthalle Wien, 2015; instant edition. Editionen/Multiples, Leopold Museum, Wien, 2015; Karl Karner & Christian Eisenberger, Baba Wanga, Grenzkunst-Halle Jennersdorf, 2016; André Butzer/Christian Eisenberger, Künstlerhaus Graz , 2014; Der Menschheit Würde..., MUSA, Wien, 2014; Essen in der Kunst, Forum Frohner, Krems, 2013; Der nackte Mann, Lentos, Linz, 2012; urexazerbationtelomereliktakuterusmetabolis, Kunsthalle Krems, 2008; MP_art: MP_pro_02_SCHAM_A“, Neue Galerie Graz, 2008; „GOLD – Armut war gestern“, Forum Stadtpark, 2007;

Ausstellungen in der Galerie Krinzinger:

LAUT-LEISE, Galerie Krinzinger Pop Up in der Himmelpfortgasse, 2019, 122017 Dunkle Materie Kalte Gerüchte 9975/14129/30817, Galerie Krinzinger Showroom, 2017, AIR 2016, Krinzinger Projekte (Gruppe), 2017, DIE BERGE SCHMIEDEN SOLANGE SIE EISEN ESSEN 9975/13822/27937, Galerie Krinzinger Showroom, 2016, Schlafzimmer, Krinzinger Projekte @ Parallel 2015, Amöbe, Krinzinger Projekte, 2015, HIMMEL WEISHEIT WALD 9975/13107/27917, Galerie Krinzinger Parterre, 2014, AIR SRI LANKA, Krinzinger Projekte (Gruppe), 2013;

Residencies / Workshops: Kuberton, Croatia, Galerie Krinzinger, 2016; Ahungalla, Sri Lanka, Galerie Krinzinger / one world foundation, 2013; Participation in the symposium with Rirkrit Tiravanija, Venice, Italy., 2004; "Stone age", participation in the workshop with Jimmie Durham, Norway (K), 2003 Auszeichnungen (Auswahl): Hilde Goldschmidt Preis, 2016; New position Award, Art Cologne, 2009; Viennafair award – best booth winner, 2008; Awards of country styria, austria for contemporary fine arts, 2006 Film: Eisenberger – Kunst muss schön sein sagte die Fliege zum Frosch, Regie: Hercli Bundi, 2019

Ausstellungsgespräch Christian Eisenberger mit Ursula Maria Probst

https://www.youtube.com/watch?v=xSY6wICSrsY