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Achim Freyer

Integrazione

 Galerie Ulrike Hrobsky
 01.10. - 07.11.2020

Eröffnung: Mittwoch 30. September 2020, 17.00 – 21.00
Gespräch zwischen Achim Freyer, Ulrike Jakob und Publikum: 18.30 | 19.00


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Komposition 420, 10teilig, 2020, Acryl-LW, 136x170 cm

Nach schwierigen Anfängen in der ehemaligen DDR, Flucht 1972 in die BRD (mit Familiennachholung unter schwierigsten Verhältnissen 1978) wird Achim Freyer heute in den Medien als "Gesamtkunstwerker par excellence" bewundert und gefeiert.

Doch trotz all seiner oft betörenden Theateraufführungen, seiner unzähligen phantasievollen Kostüme und Dekorationen, spielt parallel zu dieser mannigfaltigen Theatertätigkeit für Achim Freyer, gerade das Malen eine besondere Rolle. Es stellt ein gegenseitiges Durchdringen, Wechselspiel zwischen Theaterwelt und der Welt auf der Fläche und umgekehrt dar. Die Inspiration dazu kommt dabei aus für uns überraschendem Winkel, wie er sich auch unlängst in einem Gespräch mit Ulrike Jakob äußerte:

„Ein jeder Malvorgang ist eine Überraschung, ich male nicht was ich weiß, sondern ich male was ich finde".

So entstehen auch beinahe täglich Skizzen und das skizzenhafte, das scheinbar unfertige stellt auch ein wesentliches Merkmal seiner abgeschlossenen Bilder dar.

In diesen Skizzen überwindet er dabei oft spielerisch die berühmte Angst des Malers vor der Leere, vor der weißen Fläche auf der Leinwand, welche ihn bei reinen Malprozesse wiederum wie in einen Spiegel sehen lässt und wo sich für ihn „die weiße Fläche in ein Selbst verwandelt“. In den Arbeitswegen der nun vorgestellten, neuen Bildserie der „Integrazione“ steigert er dieses Phänomen bewusst, um seine Angst noch größer zu machen und es beginnt seine Malerei auf dieser Kombination, dieser Malfläche.

So führt er viele weiße Flächen in verschiedenen Formaten wie skulptural zu einer Figur zusammen und erst wenn diese weiße Kombination stabil ist, ein Rückgrat hat, also eine Art Gestalt ist, kann der eigentliche Malvorgang beginnen.

Es entsteht das Bild:

hinterfragen, zweifeln, wollen, hinterhältig oder hinter der Fläche entdecken. Die Leinwand wird aufgebrochen, zerbrochen in Teile, so wie unsere Welt ständig im Wandel ist, Störung, Aufbau, Zerstörung, Ordnung, Zerstörung, Aufbau, mit diesen desolaten Teilen, die teilweise selbständig wurden, vergeblich neu zu komponieren wie mit einer Religion, einem politischen Statement, einer philosophischen Überlegung oder einem seelischen Konstrukt, bringen diese verschiedenen Felder wieder in Kombinationen, in Neuordnung zusammen.

Es vergehen oft Tage mit Versuchen des Drehens der Flächen, sie mit anderen zu kontaktieren, bis dass alle gestischen und malerischen Prozesse zerrissen, unterbrochen sind und dadurch unglaubliche Räume erzeugt werden; zumeist eine unerwartete Entdeckung!

Dass permanent jeder Schritt Bild ist, und Bild meint nicht Abbild von irgendetwas, sondern das Bild, das Gebildete, das Bildnerische an sich. In diesem - Das Eine Bild malen – steckt für Achim Freyer die Sehnsucht aller Maler; der Rhythmus, der Atem, die Farbe, die seelische Strahlung, der Klang und damit daas Selbst. Nichts egozentrisches ist dieses sich Selbstfinden. Achim Freyer findet darin den Anderen, der sich vor und im Bild befindet; sozial und lebenswichtig – denn ohne Kunst kann er, können wir seiner Ansicht nach, nicht sein; Kunst als unser Erkenntnisforum, unsere Erkenntnisebene, wird in Form eines provozierten Zufalls zum neuen integrierenden Ergebnis und Thema.

Jeder Malvorgang stellt also, w.o.b.e. eine Überraschung dar. Ein Selbstbildnis ist Weltbild, ein Seinsporträt der Welt. Er konstatiert weiters:

„Unsere Städte - gleich, die gleichen Firmen, das gleiche kulturelle Geschehen, reicher in sich, früher hatten sie einen zentralen unverwechselbaren Kern. Mit dem neuen Reichtum, dem heutigen Dasein wieder zu einem Kern zu finden, ist Anliegen der „Integrazione“.

Fremdes nicht abstoßen, Danken; denn Fremdes ist Neues und wird sein. In dieser Übereinkunft haben wir die Chance in Ehrfurcht und Respekt zu überleben.