Walter Angerer-Niketa, Franz Blaas, Wilhelm Drach, Judith P. Fischer, Roland Goeschl, Ingeborg G. Pluhar, Andrea Pernegr, Robert Staudinger, Emil Toman
Charaktere zeigt keine Portraits im herkömmlichen Sinn, sondern Interpretationen von Individualität.
Der Bildhauer Walter Angerer-Niketa skizziert seine Charaktermotive, indem er sie reduziert, abstrahiert und, auf ein Minimum verdichtet, dekonstruiert. Es sind Studien, ein Geflecht aus dynamischen Linien, die sich im Papierformat aufzulösen scheinen.

Walter Angerer-Niketa: Kopfmetamorphosen 3, 1968, Kohle auf Papier,
60 x 42 cm gerahmt in 71,1 x 53,6 cm
Franz Blaas symbolisiert mit wenigen Strichen Charaktere, ja Stimmungen. Die spontanen Kompositionen vermitteln einerseits eine puristische Ursprünglichkeit und andererseits das Flair einer feudalen Feierlichkeit.

Franz Blaas: Die Heitere, 2023, Pastell auf Papier, 41 x 31 cm gerahmt
Die Arbeit von Wilhelm Drach ist ein meditativer Dialog mit der Leinwand, in dem er seine Visionen aus Farben, Flächen und markanten Pinsellinien zu Landschaften, Figuren oder Charaktere komponiert. Vom Realen ausgehend findet er seine, ihm eigene, expressive Abstraktion.

Wilhelm Drach: Wutkopf, 2010, Acryl auf Leinwand, 90 x 65 cm
Die Werke der „Familienaufstellung“ von Judith P. Fischer sollen zur Reflexion über die eigene Herkunft, familiäre Beziehungen und Konflikte anregen. Familie ist schön, kann aber auch schwierig, aufregend und komplex sein.

Judith P. Fischer: Family constellation, 2026, Mixed Media, Grafit, 60 x 38 x 17 cm
Roland Goeschl ist mit einem einzigen Werk in dieser Ausstellung vertreten. Dieses Werk nannte er „Selbstportrait ohne Haut“ und ist ein Geflecht aus Elektrodrähten. Es gehört damit zu einer Periode, in der sich Roland Goeschl mit der umfassenden Vernetzung bzw. Transparenz der Welt beschäftigte.

Roland Goeschl: Selbstportrait ohne Haut, 2009, kunststoffisolierte Kupferdrähte, 52 x 23 x 12 cm;
Holzsockel 5,5 x 20 x 14,4 cm
Das Werk von Ingeborg G. Pluhar überrascht mit facettenreichen Reflexionen einer Massenkultur. Inspirationsquellen für ihre Werkzyklen bilden immer das nahe Umfeld, wie etwa André Heller, der damalige Partner ihrer Schwester. Durch Zerschneiden und Neu-Zusammensetzen hinterfragt sie den Zeitgeist und entwickelt eine unverwechselbare, von feministischen Fragestellungen geprägte Bildsprache der 1970er-Jahre.

Ingeborg G. Pluhar: André Heller, 1974, Foto-Collage, 38,7 x 25,8 cm
Die Charakterlandschaften von Andrea Pernegr ergeben sich aus dem Bedürfnis, ihre erdachten Personen ganzheitlich und zugleich metaphorisch niederschreiben zu wollen. Deshalb sind ihre Gesichtslandschaften Erzählungen von Menschen in ihrem Alltag, mit dem Andrea Pernegr sie lustvoll verschmilzt.

Andrea Pernegr: Serie "Imago", 2021, Mischtechnik auf Papier, 42 x 29,5 cm
Robert Staudinger ist Grenzgänger zwischen digitaler Fotografie und fotorealistischer Malerei. Seine Surfaces, Portraits von Models, sind penible Überarbeitungen gewaltiger Vergrößerungen, in denen er Zentimeter um Zentimeter, Pore um Pore, Haar um Haar bearbeitet, sodass Lippen wie Gebirge, Iriden wie Ozeane von den Großformaten strahlen.

Robert Staudinger: Surface 15, 2010, Fotografie, Pigmentprint hinter Acrylglas,
160 x 110 cm, Auflage 5 + 1 EA
In seinen Charakterbildern abstrahiert Emil Toman expressiv wild zunächst ihm nahesehende Personen. In der Folge formuliert er mit wilden Pinselschwüngen fiktive Gesichtslandschaften, die immer mehr zu Schriftzeichen mutieren, um Markanzen noch einmal zu überhöhen. In einer späteren Serie reduziert er seine Charaktere auf logoartige Symbole.

Emil Toman: Ohne Titel, um 1984, Mischtechnik auf Papier, 90 x 62,5 cm
Ausstellungsansichten
Fotos: Stefan Seelig, courtesy zs art galerie



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