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Erik Schmidt

Blue Zone

Galerie Krinzinger
 09.09. - 15.10.2026

Eröffnung: 8. September 2026, 19 Uhr
Zur Eröffnung spricht: Philipp Lange, Kurator und Kunstwissenschaftler

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Erik Schmidt, Untitled, 2026, oil on fine art print on canvas, 130 x 230 cm

Seerosen wachsen als langlebige, weit verzweigte Rhizome unter Wasser und tragen lediglich ihre Blüten und Schwimmblätter auf der Wasseroberfläche. Dieser Logik von Sichtbarkeit und Verborgenheit eines umfangreichen Netzwerks folgt die Ausstellung Blue Zone, die den neuesten Werkkomplex von Erik Schmidt in den Räumlichkeiten der Galerie Krinzinger präsentiert. Ausgangspunkt ist seine 2025 entstandene Videoarbeit Rough Trade. Darin tritt der Künstler selbst als Protagonist auf, um an ausgewählte Orte zurückzukehren, die einst als Schauplätze seiner früheren Filme dienten oder ihnen ähneln. Die mit dem Smartphone aufgenommene Reise in die Vergangenheit führt uns auf die Straßen Berlins, in Schmidts Maisonette-Wohnung oder in den Konferenzraum eines Hochhausbüros. Schließlich begibt sich der Künstler buchstäblich in das zentrale Bild (oder Selbstbildnis) der Ausstellung: in ein Schlauchboot und auf einen Seerosenteich.

Diese und weitere Momentaufnahmen des rund zehnminütigen Kurzfilms überführt Schmidt in eine Reihe neuer, großformatiger Malereien. In Form von Fotodrucken auf Leinen dienen die Filmstills als Malgrund für seinen charakteristisch pastosen Farbauftrag. Stellenweise sind die Motive derart dick mit Acrylfarbe überspachtelt, dass die Bildoberfläche plastisch hervortritt und die Standbilder auf abstrakte Weise in Bewegung geraten. Die dadurch evozierte Lebendigkeit entspricht den dargestellten Szenen, die von der aktiven Aushandlung des eigenen Ichs mit der unmittelbaren und vertrauten Umgebung zeugen. Der städtische Raum, die Parklandschaft oder das möblierte Zimmer verschmelzen mit den Darstellungen des Protagonisten und seiner Mitmenschen. Dabei bleiben die Körper nicht auf ihre physische Präsenz beschränkt, sondern werden als Speicher von Bewegungen, Erfahrungen und Erinnerungen begriffen. Von diesem körperlichen Zustand scheint Schmidt sich auffangen und tragen zu lassen, während er zugleich bis zur Selbstauflösung zu entfliehen versucht. Zwischen bewusster Entscheidung und freiem Fall, zwischen Stärke und Verletzlichkeit bewegt sich der Berliner Künstler in einem ambivalenten Spiel, das im Video nicht zuletzt durch meditative Choreografien, elektronische Melodien und die experimentelle Kameraführung vermittelt wird.

Blue Zone kreist um die introspektive Neubetrachtung eines vorangegangenen künstlerischen Werks, ohne dabei in Nostalgie zu verfallen, das eigene Schaffen zu bewerten oder eindeutige Antworten zu suchen. Vielmehr befragt die Ausstellung offen das, was war, und das, was ist, indem sie das (künstlerische) Leben sensibel in die stetig voranschreitende Zeit einbettet. Schmidts fünfte Einzelausstellung in der Galerie Krinzinger ist damit nicht nur eine Bestandsaufnahme seiner jüngsten Arbeiten, sondern eine virtuose Bewegung durch Raum und Zeit. Der Begriff „Blue Zone“ bezeichnet jene Regionen der Erde, in denen die Menschen eine besonders hohe Lebenserwartung erreichen. Erik Schmidt verewigt sich auf eine Weise, die nach Unsterblichkeit sucht und den Sinn des Lebens möglicherweise in der fortwährenden Bewegung, Betrachtung und Neubefragung des eigenen Lebens und Werks findet.

Philipp Lange

Erik Schmidt (*1968 in Herford, Deutschland; lebt und arbeitet in Berlin) schafft Werke, die sich mit symbolischen Prozessen innerhalb verschiedener gesellschaftlicher Subsysteme auseinandersetzen. Das Eintauchen in fremde Kontexte spielt eine zentrale Rolle in seinen Gemälden, Videos, Fotografien und Zeichnungen. In seinem gesamten Werk nimmt Schmidt bewusst immer wieder die Position des Außenstehenden ein – sei es in der dicht bevölkerten urbanen Landschaft Tokios, in den Camps der amerikanischen Occupy-Bewegung, unter Wein- und Olivenproduzenten im Westjordanland oder in den aristokratischen Jagdkreisen seiner Heimat Nordrhein-Westfalen. Diese distanzierte Position ermöglicht ihm einen besonderen Einblick in Gruppendynamiken sowie in die unterschiedlichen Klischees, Stereotype, Codes, Rituale, Normen, Muster und Konventionen, die diese Gruppen prägen.

Erik Schmidt nahm an Gruppen- und Einzelausstellungen in Institutionen wie dem EACC Espai d’Art Contemporani de Castelló, dem KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin, der Sammlung Wemhöner in Herford/Berlin, dem Kunstraum Potsdam, dem Leopold-Hoesch-Museum, der Sammlung Glampe in Berlin, der Kunsthalle Hamburg, dem Hamburger Bahnhof in Berlin, dem Artists Space in New York, dem MARTa Herford, dem Museum Morsbroich in Leverkusen, dem KW Institute for Contemporary Art in Berlin, dem Matsumoto City Museum of Art in Matsumoto, dem Museum der Moderne in Salzburg und dem Museo Reina Sofía in Madrid teil.

Blue Zone ist Erik Schmidts fünfte Einzelausstellung in der Galerie Krinzinger.