Der Ausstellungstitel enennt Werke von drei KünstlerInnen, die unterschiedliche Materialien für ihr Werk direkt und als Trägermaterial verwenden. Das Arbeitsverfahren des Schneidens, Reißens, Ritzens, Kerbens verwenden sie unisono. Die erzielten Effekte durch das Experimentieren mit den Materialien (Holz | Papier | Keramik), die Einblicke in die unterschiedlichen Materialien ermöglichen, erzielen jedes für sich eine Präsenz in der jeweiligen Anwendung der Technik trotz der Individualisierung des Einzelnen.

Marie-France Goerens arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur, Installation und Zeichnung.
Im Zentrum ihrer künstlerischen Praxis steht der Prozess: Formen entstehen nicht aus einer vorab festgelegten Idee, sondern entwickeln sich aus direkten Handlungen im Material.
Schneiden, Falten, Reißen oder Verschieben sind grundlegende Gesten, durch die Spannungen, Bewegungen und strukturelle Beziehungen sichtbar werden. In diesem Sinne folgt die Form der Handlung, „form follows action“. Viele Arbeiten beginnen mit kleinen Modellen aus Papier. Dieses Material reagiert unmittelbar auf Bewegung und erlaubt ein experimentelles Arbeiten, bei dem sich Formen intuitiv entwickeln können. Diese Modelle dienen jedoch nicht nur als Vorstudien, sondern als eigenständige Denk- und Forschungsräume. Aus ihnen entstehen später größere Skulpturen, die in Materialien wie Gips, Stahl, Holz oder anderen industriellen Stoffen umgesetzt werden. Durch diese Übersetzung bleibt die ursprüngliche Bewegung des Materials als räumliche Spannung in der endgültigen Form erhalten. Ein zentrales Element in meiner Arbeit ist das Fragment. Es wird nicht als Zeichen von Unvollständigkeit verstanden, sondern als offene Struktur, die mehrere mögliche Beziehungen zulässt. Fragmente erlauben es, Formen in einem Zustand der Bewegung oder des Übergangs zu halten. Dadurch bleiben Bedeutungen bewusst instabil und offen für unterschiedliche Wahrnehmungen. In meinen Installationen zum Beispiel treten die Skulpturen in einen Dialog mit der Architektur des jeweiligen Ausstellungsortes. Raum wird dabei nicht als neutraler Hintergrund verstanden, sondern als aktiver Bestandteil der Arbeit. Die Positionierung der einzelnen Elemente beeinflusst, wie sich Besucherinnen und Besucher im Raum bewegen und wie sie Formen, Proportionen und Zwischenräume wahrnehmen. Meine Arbeiten verzichten auf eindeutige narrative Bedeutungen. Stattdessen schaffen sie Situationen, in denen Wahrnehmung, Materialität und Bewegung miteinander in Beziehung treten. (MFG)
Herbert Golser ist zeitgenössischer Vertreter einer bildhauerischen Tradition, der die Skulptur als Entwicklung neuer Werk- und persönlicher Ausdrucksformen, das Objekt als „Erlebnisort der Visualität“ (Franz Meyer, 1992) und die Plastik als Zustand der Bearbeitung von Materie versteht. Jedes Werk ist das Resultat ganz bestimmter Handlungsabläufe der Gestaltung und besticht durch die unmittelbare Wirkung einer Erscheinungsform, deren Lesbarkeit eine Fülle an Angeboten zur Sinnlichkeit, Konzeptualität und technisch-handwerklicher Ausführung der Arbeiten formuliert.
Golsers Skulpturen und Plastiken sind – im besten Sinne des Wortes – faszinierend. Sie bestechen durch ein kongeniales Aufeinandertreffen von Formvorstellung und bildhauerischer Technik, das dem Material oftmals neue Eigenschaften mit überraschender Wirkung zu entlocken scheint und Betrachtung des Objekts als Einladung zur Entdeckung von Erfahrungen des Künstlers und Prozessen seiner Arbeit anlegt. (Dr. Martin Hochleitner, Katalog „formwandeln“) Beobachten, Experimentieren und das Einbeziehen des Prinzips „Zufall“ sind wesentliche Arbeitsstrategien seiner skulpturalen Werke. Das Ausloten und die Kenntnis der Eigenschaften von unterschiedlichen Holzmaterialien sind Ausgangspunkte seiner künstlerischen Reflexionen. Erle, Weide, Nuss, Birne und andere Obsthölzer sind die bevorzugten Materialien des vielseitigen Künstlers. Hinzu kommt Pappelholz, da es in sehr großen formalen Dimensionen handhabbar ist.
Die eigentliche Gestaltungsarbeit basiert auf dem Prinzip des Schnitts, des spezifischen Beschneidens des Holzes: Bewegungsschnitte, Drehschnitte, Rotationsschnitte, Längs- und Kreuzschnitte sind Verfahren, mit denen das Holz technisch „behandelt“ wird.
Elke Halbmayer
„Durch den Ton kam ich zur Kunst. Seit meinem ersten bewussten Kontakt mit ihm leitet er mich im Leben: er schult mich im Vertrauen in meine Fähigkeiten und lehrt mich Hingabe zum Tun."
Kunst als Suche nach innerer Ordnung --- mein roter Faden ----
In meiner Arbeit erforsche ich das Leben in seiner natürlichen Bewegung. Die Beschäftigung mit dem Beständigem und Vergänglichem zieht sich wie ein roter Faden durch mein Tun. Ton ist für mich ein Sinnbild dieses Spannungsfeldes: ein Material, das im Feuer so verwandelt wird, dass es die Spuren des menschlichen Seins über Jahrtausende bewahrt. Beim Zeichnen richte ich meinen Blick zurück: ich überdenke Vergangenes, ordne es neu und überführe es als neue Form in die Gegenwart. Am liebsten zeichne ich mit Feder und Tusche, deren lebendiger Fluss und die ständige Gefahr des Verwischens dieser Technik ihren Reiz geben.
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