
Anna Maria Brandstätter
Mit zunächst durchaus düster wirkenden, ineinander und mit der Natur verwobenen Fantasiebauten in fein gestrichelten Tusche-Feder-Zeichnungen setzt Anna Maria Brandstätter in in ihren neuesten Arbeiten der gesellschaftlichen Unsicherheit und den aktuellen Krisen kreative Lösungsvorschläge entgegen. „Märchenstunde“ lautet der Übertitel der aktuellen Bilder und er fasst für sie die Umbrüche in unserer Welt zusammen, die sich aus den neuen Technologien und deren Folgen, aus den Erwartungen und den Gefahren ergeben. Aber Brandstätter glaubt an positive Möglichkeiten: Selbst im Gefühl der Bedrohung lassen sich doch stets erfreuliche Ausblicke und Nischen entdecken.
Das stimmungsgebende Umfeld des Geschehens entsteht mit lavierter Tusche überwiegend in vielfältigen Blauschattierungen aber auch mit anderen Farbakzenten, die Brandstätter in vielen Schichten übereinanderlegt. Die Bildtiefe, die sich daraus ergibt, wird durch die mit Feder geführten Linien zusätzlich verdichtet. Dem aufmerksamen Blick öffnen sich in den plastisch hervortretenden Formen immer wieder neue Perspektiven.
Bei Brandstätter, die an der Kunstuniversität in Linz studierte und zunächst mit Druckgraphik experimentierte, gehen gebaute Objekte eine symbiotische Beziehung mit der Natur ein – werden von Wurzeln und Astwerk umschlungen oder gewinnen ihre Existenz aus diesem organischen Gewächs. Waldschlossartig finden sich in den hoch aufragenden Strukturen kleine Erker, Plattformen und manchmal heimelig erleuchtete Fenster. Ein anderes Mal erheben sich aus dem Gewächs Wolkenkratzer und lässt sich verborgen in den Tiefen der Verschlingungen sakrales Bauwerk erahnen. Auch Monde und Tiere tauchen in Brandstätters Bildwelten auf, neuerdings „Mondtiere“.
Die Natur bietet für die im wildromantischen Strudengau an der Donau lebende und arbeitende Anna Maria Brandstätter ebenso Inspiration wie Fantasygeschichten, die die Weite des Weltraums erkunden, oder markante Bauwerke, wie jahrhundertealte Türme und ähnliche bemerkenswerte Zeitzeugen. Es sind Formen, die sich dagegenstellen, sagt Brandstätter, „die gut verankert sind und Stärke ausstrahlen und Schutz.“
www.annamariabrandstaetter.com

Angela Eisenköck
Die ursprüngliche Bedeutung ihrer Bildobjekte lässt Angela Eisenköck zurück und begibt sich bei jedem Werk zunächst in einen intensiven Suchprozess. Dann erfolgt die Umsetzung mit Ölfarbe auf Leinwand detailreich und mit hoher Plastizität. Das Ergebnis sind zentral ins meist großformatige Bild gesetzte, stark abstrahierte Fragmente von Objekten, die in einem surrealen Raum schweben und eine neue Identität gewonnen haben. Kraftvolle Farben in vielen Nuancen und starke Lichtakzente ziehen den Blick in ihren Bann.
Das Herantasten und achtsame Suchen hat für die studierte Architektin einen hohen Stellenwert: Nach den Möglichkeiten des Materials, nach Gegenständen für ihre Neuinterpretationen, und auch nach optimalen Bewegungsabläufen in ihrer Beschäftigung als Feldenkrais-Lehrerin. Aus der technischkreativen Arbeit der Architektur hat sie den Entwurf als ersten Schritt beibehalten, der einem vielfältigen, künstlerischen Prozess offen steht. Der aufmerksame Blick auf ihr Umfeld und in der Natur findet die potenziellen Motive. Das können sowohl Fragmente von abgeblühten Pflanzen, als auch Gegenstände aus Glas oder Kunststoff sein, genauso wie Papierstücke oder Stoffbahnen, die sie sorgfältig arrangiert. Die im Foto festgehaltenen Fundstücke werden weiter ausgiebig bearbeitet und entfernen sich in diesem Transformationsprozess weit vom ursprünglichen Zusammenhang. In der zweiten Phase, in der die Übertragung auf die Leinwand erfolgt, wird dieser Werdegang weitergeführt.
Für die ersten Bilder dieser Werkgruppe verwendete Eisenköck Bleistift, wechselte bei den immer größer werdenden Formaten bald auf Softpastell und ist von diesem sehr staubreichen Material schließlich auf Ölfarben umgestiegen. Diese legt sie stark verdünnt in vielen Schichten übereinander, bringt die Farbe ebenso in Punkten und Strichen auf, wischt den Anstrich mit Lappen ineinander und begibt sich auch hier auf die Suche nach der räumlichen Tiefe. Das Licht tritt dabei in Dialog zur Dunkelheit oder überschwemmt das Bildgeschehen, das mit seinen schwungvollschwebenden Formen einen beinahe greifbaren plastischen Eindruck erzeugt.
www.angela-eisenkoeck.at |