
Leena Naumanen
Das Zusammenwirken von Natur und Zeit, von Beständigkeit, Veränderung und Vergänglichkeit ist für die finnische Künstlerin Leena Naumanen der Ausgangspunkt in ihrem Werk. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts studierte und arbeitete sie bei Martha Jugwirth an der Universität für angewandte Kunst in Wien und entdeckte in alten Holzdachschindeln aus ihrer Heimat den passenden Werkstoff für ihre Arbeiten, den sie in immer wieder neue Gestaltungsformen bringt. Dabei hat die zeichnerische Komponente nun wieder an Bedeutung gewonnen und verstärkt in fein gezogenen Aquarellfarbstrichen die dynamische Wirkung.
Jede einzelne Holzschindel hat ihre ganz eigene Struktur, Zeichnung und Farbe – gewachsen über lange Zeit und das findet sich auch auf dem zurechtgeschnittenen Format von wenigen Zentimetern. Das Licht und speziell das Tageslicht spielt im Erscheinungsbild eine wichtige Rolle, wechseln doch die Farbeindrücke je nach Tageszeit und Lichteinfall und die markante, so vielfältige Topografie der Oberfläche erscheint durch die Schattenwirkung in ganz unterschiedlicher Weise.
Die Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten, Unterschiede und Kontraste bringt Naumanen in einem zeitintensiven Auswahlprozess für das jeweilige Bild in einen Zusammenhang – lässt eine fließende Bewegung entstehen oder eine rhythmische Dynamik und arrangiert die ausgewählten Teile auf dem Untergrund. Der zeitintensive, fast meditative Arbeitsprozess spiegelt dabei in gewisser Weise den jahrelangen Entstehungs- und Reifungsprozess des Materials wider und setzt ihn im neuen Medium fort.
Bei den Malereien fügt Leena Naumanen im nächsten Schritt kleine Farbbalken als Spannungselemente hinzu – hoch oder quer in leuchtendem Gelb, Rot, Blau, Grün oder Rosa, die sich über einen Teil von mehreren Elementen ziehen oder seitlich hoch auf einem einzelnen. In den Zeichnungen überzieht sie das Büttenpapier als Grundfläche mit Feder und Aquarellfarbe, farblich und formal abgestimmt auf die Holzschindeln, mit feinen Strichen und Häkchen, die mit den geradlinigen Strukturen und der sorgfältigen Anordnung der Holzschindeln in einen pulsierend- fließenden Dialog treten.
www.leenanaumanen.com

Die Schichtarbeiter
Das gemeinschaftliche Arbeiten hat für die beiden Bühnenmaler Bernard Antl und Markus Schmidel nach dem oft herausfordernden Alltag im Theater in der Josefstadt 15 Jahre lang nicht nach der Tagesschicht aufgehört: Als „Die Schichtarbeiter“ haben sie danach im Atelier aus selbstgemischten Pigmentfarben und feinem Papier durchwegs großformatige, abstrakt-stimmungsvolle Bilder geschaffen. Nun ist Schluss damit - und ihre letzte Ausstellung bestreiten die beiden dort, wo sie ihre Werke zum ersten Mal zeigten: Am Gut Gasteil.
Mit breiten Bürsten, voluminösen Pinseln und den bloßen Händen bringen die zwei Maler sowohl Farbe als auch Leim üppig auf die große Leinwände auf, die dafür am Boden ausgebreitet sind. Die Arbeitsteilung ergibt sich dabei von selbst als gut eingestimmtes Team in der Tag- wie in der Abendund Nachtschicht. Oft findet sich für die Bildeinteilung eine horizontale Linie, von der aus sich das grundsätzlich abstrakte Bildgeschehen mit offenem Ausgang entwickelt.
Die Farben mischen die beiden Künstler selbst – aus teilweise sehr alten Farbpigmenten, die sie aus unterschiedlichen Quellen beziehen, und Knochenleim, verwenden auch Beizen und Tusche und die verschiedensten Papiere. Mit dem Alter und der oft nicht mehr ganz nachvollziehbaren Herkunft des Materials steigt der sehr erwünschte Überraschungseffekt, wie die Komponenten miteinander reagieren und mit welchem Ergebnis. Das Material war immer der „dritte Verbündete“, das durchaus seinen eigenen Weg gehen durfte.
Mehrere Schichten an Farbe, immer wieder abwechselnd mit einer Lage von feinem Papier, dessen Falten eine reliefartige Oberfläche erzeugen, die wieder übermalt werden und den plastischen Eindruck verstärken. Wie mystische Landschaften wirken die in gedämpften Farbtönen mit starken Lichtakzenten komponierten Szenen, in denen sich der Betrachter visuell und gedanklich verlieren kann.
Am Theater gibt es markante Veränderungen, die Materialien sind großteils aufgebraucht – und „Die Schichtarbeiter“ sind demnächst Geschichte. „Es wird uns abgehen“, sagen Antl und Schmidel und betonen ihre Dankbarkeit gegenüber dem Gut Gasteil und Charlotte Seidl für ihre konsequente Unterstützung in all den Jahren. Einen Querschnitt durch 15 Jahre künstlerische Arbeit im Duo zeigt nun die Sommerausstellung. www.die-schichtarbeiter.com
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