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Jakob Gasteiger | Viktoria Körösi | Esther Stocker

 

GALERIE GÖLLES
 27.06. - 30.08.2026

 

Eröffnung am 27. Juni 2026 um 17:00 Uhr
Einführung durch Roman Grabner, Leiter des Bruseums Graz

 

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Ronald Kodritsch, Gelber Geist, 2026, Aluminium pulverbeschichtet, 3+2, H 170 cm

RONALD KODRITSCH

Ronald Kodritsch und die „schönstmögliche schwachsinnige Malerei“

Obwohl das Oeuvre von Ronald Kodritsch so unterschiedliche Medien wie Skulptur, Fotografie, Performance und Video umfasst, ist er doch vor allem als genialer Maler früh in Erscheinung getreten. Kodritsch greift die polemischen Frontstellungen, die die Malerei seit Mitte der 1960er-Jahre beherrschen, auf und verwendet sie als Ausgangspunkte für seine Bildfindungen. Daraus resultiert die oftmalig zum Einsatz kommende Strategie der ironischen Appropriation und der zynischen Parodierung ihrer ehemaligen Ansprüche. Doch ist die künstlerische Praxis von Kodritsch viel komplexer und widersprüchlicher als die etablierten Floskeln von der Ironisierung und Dekonstruktion glauben machen wollen. Es geht um eine Malerei, die ihre Vergangenheit kennt und in der Gegenwart verortet ist, die ihre theoretische Reflexion selbst in die Hand nimmt, die sich als eines unter vielen Bilder generierenden Medien unserer visuellen Realität begreift und dennoch mit malerischen Mitteln Zeichen für Skepsis setzt.
Kodritsch setzt die Malerei wie auch andere künstlerischen Ausdrucksformen oftmals als Bühne ein für die Inszenierung von verwandten Realitäten, codierten Elementen und erfundenen Charakteren, die sich aus unserer visuellen Wirklichkeit speisen und eine Vielzahl von Lesemöglichkeiten erlaubt. Der Künstler arbeitet mit den Versatzstücken unseres kulturellen Bildgedächtnisses. Er bedient sich freimütig aus dem Bild- und Formenrepertoire der Kunst- und Kulturgeschichte, sowie der Populär- und Alltagskultur, und reflektiert diese mit den Augen eines Ironikers. Dabei hat er in den letzten zwei Jahrzehnten ein so humorvolles wie komplexes Bildvokabular entwickelt, das von monumentalisiertem Gemüse, über Sprechblasen, Pin-up-Girls, Schneemänner, omnipräsenten Socken und einer recht eigentümlichen Tierwelt reicht, die versehen mit abstrakten Bildzeichen ein komplexes Spannungsgefüge bilden.
Francis Picabia hat von seinen Bildern als der „schönstmöglichen schwachsinnigen Malerei“ gesprochen. In den darin zum Ausdruck kommenden Qualitäten der Selbstironie, des Understatements und des Selbstbewusstseins als Künstler liegt auch ein wesentlicher Kern von Kodritschs Kunst. Es handelt sich um ein Verständnis von Kunst als einer eigenständigen Wirklichkeit, das sich nicht auf die Darstellung oder Abstraktion der realen Welt beschränkt, sondern, auf aufmerksamen Beobachtungen und erkenntnistheoretischen Überlegungen basierend, geistige, existenzielle und gesellschaftskritische Inhalte formuliert. Dass die Umsetzung dieser Inhalte in pointierten Formulierungen, genialen Bildfindungen und humorvoll-absurden Konstellationen erfolgt, ist das Spezifikum von Kodritschs Werk.

Roman Grabner

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Ronald Kodritsch, Zitronenbild mit Vogel, 2024, Öl auf Aluminium, 100 x 80 cm

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Gabi Trinkaus, N°8 F, 2025, Tusche, Acryl und Collage auf stoffkaschiertem Karton, 50 x 40 cm, mit Museumsglas gerahmt

GABI TRINKAUS

Ihr unverwechselbares Erkennungsmerkmal sind Collagen aus teils geschnittenen, teils gerissenen Schnipseln aus Hochglanz- und Lifestylemagazinen, die sie bald in unendlicher Dichte, oft aber auch mit viel Weißraum und Leerflächen auf monumentalen weißen, Leinwänden aufklebt und gelegentlich auch nur mit Stecknadeln anpinnt.

Gabi Trinkaus bezeichnet sich selbst als "Mediendiebin". Nicht ohne Ironie nutzt sie Hochglanzmagazine als Ausgangsmaterial für ihre Collagen, die auf die Ästhetik von Werbung und Massenmedien verweisen.
In den „Köpfen“ werden gängige Posen, Schönheitsideale und Warenangebote aufgegriffen und zu großen Arbeiten gesampelt. In diesen Makeovers von Gesichtern und Körpern generiert Trinkaus eine oberflächlich perfekte Form, die den Betrachter in eine visuelle Falle lockt, wobei sie bewusst Medien- und Werbeikonografie als Köder für den ersten Blick einsetzt. Durch die Anlehnung an eine Ästhetik, die mit der Welt der Werbung und berühmten ikonischen Gesichtern assoziiert wird, spielt Trinkaus in ihrer Arbeit mit der Idee der Verführung. Mit Hilfe der Collagetechnik schafft sie eine Frankenstein-ähnliche Wiederauferstehung des sezierten Werbesujets. Wie sich Schichten von Make-up ablösen, scheinen sich die Gesichter und Körper aufzulösen und den maskenhaften Charakter unserer alltäglichen Lebensinszenierungen zu offenbaren.

In der Serie „Flowers“ führt Gabi Trinkaus eine zeitgenössische Reflexion auf die kunsthistorische Tradition des Genres Blumenstück durch.
In der Vanitas Malerei des 16. Und 17. Jahrhunderts ist der Gedanke der Vergänglichkeit stets präsent, wenn auch zunächst die oberflächliche Schönheit sowie der repräsentative Charakter der Blumen und Sträuße fasziniert. Nicht selten verweisen diese Stilleben auf die Begrenztheit des Daseins, auf die Nichtigkeit und Vergänglichkeit irdischer Pracht.

Im Speziellen hat sich Gabi Trinkaus mit der Malerei Rachel Ruysch´s auseinandergesetzt. 1664 in Den Haag geboren und 1750 in Amsterdam verstorben, hatte diese einen für eine Künstlerin der damaligen Zeit einen ungewöhnlichen Karriereweg. Ihre opulenten Blumenbouquets vor dunklem Hintergrund erzielten bereits zu Lebzeiten hohe Preise und sie war Mitglied der Malergilde Confrérie Pictura in Den Haag sowie von 1708 bis 1716 Hofmalerin des Kurfürsten von der Pfalz in Düsseldorf. Trotzdem wurde „diese bedeutende Künstlerin (und damaliger Superstar) in der folgenden Kunstgeschichte nahezu ausradiert“ und erst in jüngster Vergangenheit wiederentdeckt.

Obwohl Gabi Trinkaus ihre Blumenbouquets in Collagetechnik ausführt, bedient sie sich der Stilmittel der Malerei Rachel Ruysch‘s. Sie drapiert üppige Sträuße vor schwarzem Hintergrund, alles Licht konzentriert sich auf die vielfältigen Blüten; zarte Gräser und Blattwerk setzen Akzente. In der Abstufung der Farbtöne, in den warmen und kalten Farben entsteht auch bei Trinkaus eine unglaubliche Plastizität, verstärkt durch den dramatischen Hell-Dunkel-Kontrast. Erst auf den zweiten Blick und bei näherer Inspektion der einzelnen Collageteile erkennt man, dass diese Kompositionen ganz und gar nicht „klassisch“, sondern im Heute und Jetzt verankert sind. Denn nicht alle Blütenblätter dieser prachtvollen Sträuße sind das, was sie scheinen, sie bestehen aus Versatzstücken unserer Konsumgesellschaft, aus Gold und Glitter, aus Fleisch und Gemüse, aus Insekten, Haaren, Luxusprodukten und Körperteilen.
Gabi Trinkaus entlarvt das Unbekannte, die verborgene dunkle Seite – und bei näherer Betrachtung enthüllt sie den beunruhigenden Charakter dessen, was wir zu kennen glauben.

Ihre Collagen waren auf Kunstmessen wie der Art Basel, der Frieze in London, der Armory Show in New York, der Moscow Biennale of Contemporary Art und der ViennaFair zu sehen und befinden sich in bedeutenden Museen und zahlreichen privaten Sammlungen: darunter das Museum der Moderne, Salzburg, die Neue Galerie, Graz und das Belvedere in Wien, die Strabag Collection, das New Britain Museum of American Art in New Britain, Connecticut, sowie das Eskilstuna Artmuseum in Schweden. Zu den Sammlungen zählen das BA-CA Kunstforum, Wien, die Sammlung Bernhard und Elisabeth Hainz, Wien, in der sich eine der ersten Kopfcollagen der Künstlerin befindet, die Sammlung Ivo Moser, Natters, die Sammlung Peter Nobel in St. Gallen sowie die Sammlung Donna Karan in New York.

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Gabi Trinkaus, N°12 F, 2025, Tusche, Acryl und Collage auf stoffkaschiertem Karton , 50 x 40 cm, mit Museumsglas gerahmt