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Friedrich Danielis

Mitten im Rand

  GALERIE WELZ
 25.02. - 21.03.2009

Vernissage: am Dienstag, den 24. Februar 2009, um 19:00 Uhr
Der Künstler ist bei der Vernissage anwesend


Bei dem Walser, den ich gern lese (dem fliegenden Robert!) findet sich "Von weitem guckt dasjenige sanft und diskret in die Nähe herüber, das man gern nahe haben möchte, das fremde und doch wieder vertraute, bekannte Ferne."
Und damit, und in Walsers Aufsatz über den wunderbaren Watteau, finde ich mich mitten im Rand.
Denn dorf spielt sich ab, was zu spielen sich lohnt.
In - beinahe sicherer? - Entfernung von den Zentren der Macht (und ich weiß schon, warum der Bartel seinen Most gerade dort holt - prosit!) wächst der Pfeffer, - mancher wünscht uns auch hin, und nicht nur für Köche und Esser wird zur ersehnten Adresse, was anderen als der Fluch der Maginalisierung erscheint.
Außer Kontrolle, weit vom Zugriff des langen Arms der "Ordnung" und ihrer merkwürdig langen Finger, lässt sich ja auch ohne die Reichtümer, für deren Erwerb einem das wenige abverlangt würde, das zu behalten verlohnt (Freiheit, Frechheit und Sehnsucht nach Glück) leben und sein, und, was auf das gleiche herausläuft, nicht nur Träumen nachgehen, sondern sie haltbar machen, als Kunst.
So stellt sich heraus, dass sich notgedrungen grade dort allerhand tut, wo Fuchs und Hase sich grüssen (servus? adieu?) - haben doch auch Randbewohner, Exilanten, und andere Fremdlinge des Glücks lernen müssen - oder dürfen -, wie sehr der Aufenthalt außerhalb unwillkommenen Interessen geeignet ist, das prekäre Leben der Schwachen zu verlängern.
Nur so, ohne die Hilfe von oben, vermögen Moribunde ihr Plan-Soll etwas hinauszuzögern und geben kräftige Zeichen von Leben.
Die Flucht durch das sich wundersam teilende Rote Meer hat ja schon einmal geholfen, wollte aber dem Maler nicht nur in diesem Zusammenhang gefallen - es ist schon auch die Farbe, die ihres dazu tut, und durch das Farbenmeer geht er gern, es gehorcht, Wunder über Wunder, seinem Willen, ja, seiner Hand und brandet still und freurig unter dem Blick seines Erfinders. Und auch an seinem Rand bildet sich manches ab. Wer als Kind in himmlischem Schauer die Freuden des Ringelspiels genossen hat, wenn sich zwischen Tigern und Eseln, Libellen und Vogel Roch, Hutschpferden und Feuerwehrwagen selbst die Melancholie im Schwindel verliert, kann auch der Fliehkraft folgen, die einen Fluchtweg weist - drängend und saugend, vom Zentrum weg, und endlich "auf eigene Gefahr!".

"Wohin denn ich?" heißt immer wieder die Frage, wenn es gilt, sich im Farbenmeer nicht zu verlieren. So sei der Zuruf "an den Rand, an den Rand"! empfohlen, denn dort zeigt sich den "Abenteuerern des Seh-Nervs" (das leihe ich mir von Bonnard), was zu sehen sich lohnt.
Die Ignoranz aber, liebstes Kind der Mächtigen, von ihnen verwöhnt und gepflegt, will und kommt nicht weit, bleibt ihren allzu fürsorglichen Eltern erhalten, wächst und vermehrt sich, bis die ganze Welt zur Provinz wird (und wäre das nicht die wahre Bedeutung der "Globalisierung"?) ja, man könnte sagen, dass man gar nicht weit genug Abstand nehmen kann, um dem Provinziellen doch noch zu entrinnen - aber der Rand verspricht immerhin Linderung, wenn nicht gar die Freiheit, den eigenen Vorstellungen genügend zu dürfen. Dort muss das nicht einmal heimlich geschehen; es interessiert ohnedies niemanden (zumindest kein Schwein!) und auf Desinteresse, unerwarteter Königsweg für Ideen, ist ja Verlass.

Bevor es dahin ist, halten wir Walser doch noch einmal fest, in zwei Sätzen: "Das Künstlertum ist so schwer und so reich. Die Zivilisationen singen, die Menschheit, die kindliche, springt hochaufatmend."
Und wir bleiben auch, wo wir hingehören, im Herzen der Peripherie, also mitten im Rand.

(Greve, am 21. August 2008)


Friedrich Danielis, Mitten im Rand, Pastell 2008 (Foto Peters, Wien)