Ausstellungsliste nach Galerien
 Ausstellungsliste nach Künstlern

Andreas Urteil

 


  Galerie Ulysses
  04.06. - 11.10.2003

 

Eröffnung: Dienstag, 3. Juni 2003, 19.00 Uhr


ANDREAS URTEIL wird am 19. Jänner 1933 in Gakovo (im ehemaligen Jugoslawien), an der ungarischen Grenze geboren. 1945 zieht die Familie nach Wien, wo Urteil die Schule besucht und in den Jahren 1947-1951 eine Steinmetzlehre absolviert, die er im Sommer 1951 mit der Gesellenprüfung abschliesst. Die ersten selbständigen Arbeiten entstehen nach Vorbildern von Michelangelo und der klassischen Antike. 1951 inskribiert Urteil im Oktober an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Nach dem Besuch der Klasse von Prof. F. Santifaller beginnt er sein eigentliches Studium 1953 bei Wotruba. Unter dem Einfluss des Lehrers ändert sich Urteils Bildnerei im Sinne äusserster Vereinfachung und unbedingter Formalität. 1961erhält er einen Lehrauftrag für Steinbild-hauerei an der Schule seines Lehrers und wird Assistent von Fritz Wotruba. Unter dem geistigen Einfluss seines Lehrers wendet sich Urteil von seinen Jugendvorbildern ab und findet zu immer wesentlicher werdenden Vereinfachungen und Neugestaltungen der Formen. In den Arbeiten, die seit 1958 entstehen, manifestiert sich der eigene, mass-gebliche Weg und die Persönlichkeit des jungen Künstlers.

Leidenschaftliches Temperament, das in krassem Widerspruch zu seiner äusseren Erscheinung steht, ein zäher Wille zur Form und überdurchschnittliche plastische Begabung zeichnen ihn aus. Das Knochen- und Knorpelhafte, das Barocke seiner rhythmisch gegliederten Figuren, das Fliehende und zugleich Ruhende, der Aufbruchs-wille und das zugleich da Seiende charakterisieren seine Arbeiten.

Obwohl das Oeuvre von Andreas Urteil in der kurzen Zeitspanne von rund 6 bis 7 Jahren entsteht, erschliesst sich einem das im wesentlichen ungemein einheitlich und folgerichtig verlaufende Gesamtwerk in schöpferischer Mannigfaltigkeit.

1962 erkrankt er unheilbar und stirbt am 13 Juni 1963.

Sein Lehrer Fritz Wotruba schreibt nach dem Tode seines Schülers: „ Andreas Urteil war noch keine zwanzig Jahre alt, als er mich aufsuchte, und er war damals sehr jung, um sehr vieles jünger, als ich im gleichen Alter war. Er war kindlich, wahrscheinlich war er unverdorben, und ich glaube, das ist er bis zum Schluss geblieben. In den vielen Jahren, die Andreas mit mir verbracht hat, sind seine Eigenschaften ungetrübt und offen hervorgetreten. Er war wie das wohltemperierte Klavier, ruhig, unerschütterlich, warm und voll Sympathien den Menschen und Dingen gegenüber; um Tiere zu erkennen, zu betrachten und zu verstehen, war er noch nicht alt genug.

Ich weiss nicht mehr, wann es gewesen ist, dass zwischen ihm und mir das Phänomen einer Verbindung entstanden ist, die mit Freundschaft nicht richtig benannt ist, diese Sympathie war mehr als Freundschaft zwischen einem jungen Burschen und einem Mann, und als ich sie gespürt habe, konnte ich mich nicht ohne Angst an ihr erfreuen, ich habe tief innen immer gewusst, dass ein solcher Freund nicht bleibt, seine Intensität, seine Schönheit vergehen so schnell wie eine Blume verwelkt.

Der Block des Todes, zu dem die Verluste eines menschlichen Lebens werden, ist zäh, und er wird, je älter man selbst wird, desto zäher, und das Ungeheure ist, dass die Kräfte aller Vorherigen, wenn sie gut und rein waren, dazu da sind, die eigenen Kräfte zu stärken im Widerstand gegen die Tod. Das Leben und die Kunst profitieren von einem unmessbaren dampfenden und stinkenden Schlachthof.“

Fritz Wotruba, 24.11.1963, in Katalog A. U., op. cit., s.p.