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Herbert Brandl / Loys Egg

 


Galerie Ulysses
 19.10. - 19.11.2011  

Vernissage am Dienstag, dem 18. Oktober 2011, um 19:00 Uhr.


… Wenn wir die Unterscheidung von Grund und Form heranziehen, können wir den Unterschied zwi¬schen Egg‘s und Brandl‘s Behandlung der Zeit im Medium der Malerei analysieren. Brandl bezieht sich auf die Form, Egg auf den Grund. Bei Egg ist der Malgrund durch das Wasser flüs¬sig, hingegen sind die Formen selbst starr. Bei Brandl sind die Farbformen fließend, hingegen ist der Malgrund, die Leinwand, starr. Bei Brandl ist die Farbform die Metapher für die Zeit, bei Egg hingegen ist es der Malgrund. In der gemein¬samen Arbeit mischen sich beide Strategien. Grund und Form, die beiden für Brandl und Egg spezifischen Themata, gehen durch die Goldfarbe eine Vereinigung ein. Die Goldfarbe der festen Formen dehnte sich auf den Malgrund, die Leinwand, das Trägermedium der Formen aus. Wegen dieser Verschmelzung der beiden Strate¬gien von Brandl und Egg sind viele der Gemein¬schaftsarbeiten goldüberschwemmt. In dieser gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Zeit, die durch flüssige, freie Formen, durch Rinnen und Schütten von Farbe, durch Rühren in massiven Farbflüssigkeiten und durch Schwim¬men von freien Formen im fluiden Medium des Wassers gekennzeichnet ist, liegt das Funda¬ment der Zusammenarbeit von Brandl und Egg zwischen 1989 und 1990 begründet. Beide haben in der Tat gleichzeitig und gemeinsam an den Tafelbildern gearbeitet, Schicht um Schicht, nacheinander und nebeneinander. Egg ver¬sperrte mit seinen Mitteln (den festen Formen) Brandl‘s flüssiger Farbe den Weg. Brandl wie¬derum schob mit seinen Mitteln die Formen von Egg zur Seite. Gemeinsam schoben sie Farb¬massen, feste Formen und flüssige Farben im Farbtümpel der Leinwand als Aktionsarena der Malerei umher, bis die liquide und lipoide Malerei erstarrte, bis die flüssige Malerei zu einem klassi¬schen Tafelbild gerann. … … Eine sehr materialreiche, komplexe und texturstarke Malerei ist das Ergebnis dieses Kampfes verschiedener Formen der Flüssigkeit und Frei¬heit (von Form und Grund) in der Malerei. Die Malerei der Zeit erstarrt prunkreich zu einer Malerei des Raumes, die von der visuellen Pracht der Farbe kündet. Die skulpturalen Zeichen werden wieder zu Materialien einer vielfarbigen Fläche. Die Gemeinschaftsarbeiten von Brandl und Egg verkünden von den Engeln der Farbe. Wie diese erwacht die Malerei bei der Morgendämmerung zu neuem Leben.