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WALTER PICHLER

Skulptur Architektur


  Galerie Ulysses
  09.11.2005 - 14.01.2006

Vernissage: am Montag, den 7. November 2005, um 19.00 Uhr


Wir zeigen einen Überblick über Walter Pichlers Zeichnungen von 1977 bis 1997 sowie erstmals die Skulpturen Der Herumsteher und Zusammengesetzte Figur

Zu seinem soeben bei Jung und Jung erschienen Buch schreibt Walter Pichler:

Die letzte größere Publikation über meine Arbeit ist 1998 anläßlich einer Ausstellung im Stedelijk-Museum in Amsterdam erschienen, kurz nach dem in den USA publizierten Buch „Walter Pichler: Skulptures, Drawings, Projects“.
Das Buch, das Sie in Händen halten, zeigt also die Arbeiten, die ich seither in einem Zeitraum von zirka zehn Jahren gemacht habe. Während dieser Zeit sind einige kleinere Kataloge entstanden, um jeweils ein spezielles Projekt zu dokumentieren oder als Begleitung einer Ausstellung. Dieses Material habe ich in diesem Buch verarbeitet und oft ergänzende Zeichnungen dazu gemacht. Für mich ist das „Bauen“ eines Buches auch immer eine Gelegenheit, Ordnung in das in langen Zeiträumen entstandene Material zu bringen. Dabei fallen mir oft selber Zusammenhänge auf, die mir ohne diese Tätigkeit nicht aufgefallen wären. In diesem Buch habe ich nicht, wie es vielleicht naheliegend wäre, die zeitlichen Abläufe der Entstehung der Skulpturen und Häuser eingehalten, sondern versucht, eine Ordnung herzustellen, die die Skulpturen und Zeichnungen selber fordern.
Ich meine, daß mir das gelungen ist und zum einen so etwas wie eine „organische“ Sicht entstanden ist und zum anderen mein eigener Blick auf meine Arbeit nachvollziehbar wird.
Natürlich hätte ich es manchmal gern – und das ist doch auch nicht abwegig –, daß jemand außer mir diese Arbeit wie durch meine Augen sieht. Ein von mir zusammengestelltes Buch sollte ein wenig in diese Richtung führen. Im übrigen gilt ja noch die „These“, daß ein Künstler seine Produktion auf halbem Weg hinausstellt und der Betrachter sie dort abholt, wenn sie ihm etwas bedeutet. Mich stört ohnehin, daß alles aufbereitet und den Menschen hinterhergetragen werden muß. Ich war im nachhinein immer dankbar, daß die paar Dinge, die ich begriffen habe, nicht so leicht anzueignen waren, dafür aber lange Geltung haben und einer genaueren Untersuchung standhalten.
Zwangsläufig hat dieses Buch mit St. Martin zu tun, die meisten meiner Skulpturen und Häuser stehen hier, die Werkstatt ist voll von angefangenen Arbeiten. Die Zeichnungen kreisen um neue Projekte, oder sie versuchen, die Befindlichkeit der Bewohner dieses kleinen Bezirks zu beschreiben, oder ich notiere technische Details, um sie jemandem, dessen Hilfe ich brauche, zu erklären. Der Laboratoriumscharakter dieses Prozesses ist mir manchmal sehr bewußt, ebenso daß diese Art zu arbeiten manchmal die Form eines Gefängnisses annimmt, in dem man sich selber einsperrt. Das scheint unvermeidlich. Aber die Form des Selbstversuches hat auch eine gewisse Legitimität, solange sie nicht auf Kosten anderer geht und die Eitelkeit die Haupttriebfeder des Unternehmens wird. Vielleicht sollte man das alles nicht so persönlich nehmen. Ein Beruf, den man lange ausübt, mit Ergebnissen, die im besten Fall nicht schlecht sind und etwas auf die Welt gesetzt haben, das vorher nicht da war und auch so von niemand anderem zu denken möglich war, das verlangt Konzentration und Abstand von einem. Ich habe in meinem Leben viele Bücher gemacht, und ich habe es fast immer gerne getan. Vielleicht wäre auch eine filmische Betrachtung meiner Arbeit erhellend, aber ich selber könnte das nicht so gut. Fotos (wunderbare Bilder, die meine Frau oft in kontroversieller Ansicht zu mir erarbeitet – wobei sie mit ihrem Blick meistens recht behält) sind der langen Entstehungszeit und dem statischen Verhalten der Skulpturen angemessener.
Ein Buch wie dieses gibt mir auch die Gewißheit, daß der Zeitraum, von dem es handelt, überschaubar ist und daß alles, was ich in dieser Zeit gemacht habe, in Spurenelementen auch für jemanden, der nicht dabei war, nachvollziehbar wird.
Nicht mehr und nicht weniger