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Erwin Bohatsch

Beisteiner Bilder

  GALERIE THOMAN
 31.03. - 26.05.2012

Vernissage: am Samstag, dem 31. März 2012, um 12:00 Uhr

Erwin Bohatschs Frühwerk ist noch eng mit dem Gegenstand verbunden: archaische Gegenwelten im düsteren Dickicht bestimmen die Bildszenarien Anfang der 1980er Jahre. Eine radikale Antwort auf konzeptuelle und performative Tendenzen, und eine Bejahung des intuitiv geschaffenen Gemäldes abseits avantgardistischer Dogmen. Jedoch setzt Ende der 1980er Jahre ein konsequenter Abstraktionsprozess in Bohatschs Malerei ein. Motivik und Bildinhalt werden zugunsten des Prozesshaften und faktisch Materiellen des Mediums aufgehoben. Zuerst entstehen noch plastisch modellierte Tropfen und Krakelees, die trompe l’oeil-haft aus der Bildfläche heraustreten und den Betrachter täuschen. Aus dem abgebildeten Tropfen wird der Farbfluss per se. Das Indexikalische gewinnt gegenüber dem Ikonischen an Präsenz: Behutsam streicht der Künstler mit dem Rakel die dünnflüssige Ölfarbe, vermischt mit Harz über die horizontal auf Böcken platzierte Leinwand. Durch Anheben des Bildträgers erzielt Bohatsch Fließspuren, wobei er die Struktur der geronnen Farbe kontrolliert. Monumentale Rinnsale bestimmen die Bilderscheinung. Diese können etwa Assoziationen an gewaltige Wasserkaskaden erwecken, die entlang von steilen Felswänden herabströmen. Dennoch ist die Natur keine direkte, motivische Vorlage für die Bildwerdung, das Fließen selbst ist vorrangiges Thema. Das Gemälde vermittelt einen Status des »Bildlichen« und des Prozessualen zugleich. Diese »Bildlichkeit« zeigt sich in der kompositorischen Anlage, der Farbigkeit und dem Oszillieren zwischen Flachheit und Tiefenraum. Die Spuren des Malprozesses definieren eine vielschichtige transluzide Überlagerung. Mit dieser abstrakt analytischen Haltung schließt Erwin Bohatsch an die Avantgardegeschichte der Abstraktion an; vor allem finden wir Verwandtschaften zu US-amerikanischen Positionen der Nachkriegszeit, etwa den Vertretern des Colourfieldpaintings, allen voran Morris Louis: Ende der 1950er Jahre schuf Louis monumentale Gemälde, pulsierende Schleierebilder in nuanciertem Kolorismus. Die geronnene Farbe ist von dem ungrundierten Textil der Leinwand aufgesogen und vibriert atmosphärisch in den Betrachterraum. Bei Bohatsch hingegen ist ein deutlicheres Sedimentieren der einzelnen Farbebenen zu erkennen, ein strukturelleres Vorgehen, ein „kristallineres“ Verdichten der Farbspuren an ihren Rändern, dennoch mit sensitivem optischem Illusionismus. Bohatsch negiert den Trug der Bildtiefe, vermittelt uns die Ingredienzien der Malerei, bleibt dadurch sachlich analytisch und weniger romantisch pathetisch. Der asketischen radikalen Malerei – man denke etwa an Robert Ryman, Günter Umberg oder Joseph Marioni – bleibt Bohatsch dennoch fern, lockert Sachlichkeit und Purismus hie und da auf durch koloristische Experimente abseits seiner favorisierten Nichtfarben Weiß, Grau und Schwarz: Ein grelles Gelb, ein zarter Rosaton, ein warmes Rot, ein gedecktes Rostbraun verschleiert den Blick in klarere Bildtiefen.