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Uri Dotan (USA), Hans Kotter (D), Marko Zink (A)

stories for reflection...


 GALERIE MICHAELA STOCK
  16.09. - 29.10.2011

 

Vernissage: am Donnerstag, dem 15. September 2011 um 19.00 Uhr


Galerie Michaela Stock zeigt Geschichten zum Nachdenken:
stories for reflection… sind Konstruktionen der Wirklichkeit – sie versuchen gesellschaftliche Strukturen aufzuzeigen, sie zu durchleuchten und ihre Geschichten zu rekonstruieren und zu erzählen. Die Gruppenausstellung umfasst Werke dreier zeitgenössischer Künstler und zeigt sowohl einen sehr spezifischen als auch einen künstlerisch unterschiedlichen Umgang mit dem Thema. Es wird die Videoarbeit „displacement“ von Uri Dotan, die Lichtinstallation „Tube“ von Hans Kotter und die analoge Fotoserie „Kornhäusl“ von Marko Zink gezeigt.

Uri Dotan Displacement
Der in Jerusalem geborene, derzeit in New York arbeitende Künstler Uri Dotan, transferiert seine digitalen Bilder auf Leinwände. Seine Bilderwelt zeigt keine Spuren von menschlichen Eingriff…. welche zum größten Teil aus Videostills einer Überwachungskamera stammt, die er am Fenster seines Ateliers installiert hat. (Textauszug von Sarah Valdez) „dispalcement“ ist eine Komposition, die sich aus konstanten Veränderungen zusammensetzt, in Reflexion eines in Regentropfen getauchten Gebäudes. Diese Widerspiegelung des soliden Gebäudes zerschmilzt zu einem flüssigen Bild und wandelt sich im Loop wieder zu festem Mauerwerk. Die Spiegelung des Hauses baut sich immer wieder auf. Der Wassertropfen, der fällt, trägt die Reflexion des Gebäudes mit sich. Jedoch: Wir sehen weiterhin einzigartige Bilder. Die Schwerkraft ist der Hauptfaktor in dem sich ständig ändernden Kunstwerk. Das Video ist objektiv, reine Aufnahme; es gibt keinen Eingriff – eine Einstellung, eine Kameraposition und keinen Schnitt oder Effekte. „Die einzige Konstante ist Veränderung, andauernde Veränderung, unvermeidbare Veränderung ist der dominierende Faktor in der heutigen Gesellschaft. Keine vernünftige Entscheidung ist länger möglich, ohne dass man die Welt wie sie ist und wie sie sein wird in die Rechnung inkludiert.“ (Isaac Asimov) Jerusalem-born, New York-based artist Uri Dotan employs a technologically savvy practice of transferring digital images onto canvases. It’s a rather slick way of making “paintings” that don’t demand the old-fashioned brushwork the traditional, handmade variety require. His darkly beautiful imagery glaringly lacks evidence of the human touch …. which consists mostly of stills of surveillance footage taken from a camera mounted in the window of his studio. (Sarah Valdez) It’s a composition made of constant changes, in reflection of a building in drops of rain water. This reflection of the solid building is melting into a liquefied image and turning back to solid masonry in a loop. The reflection of the building is rebuilding itself over and over again. The water drop, drops down carrying with them the reflection of the building, yet we keep on seeing genuine image. The power of gravity is the key force in the ever changing nature of the piece. The Video is objective, pure recording; there is no intervention – one shot, one camera position and no editing or special effects. “The only constant is change, continuing change, inevitable change that is the dominant factor in society today. No sensible decision can be made any longer without taking into account not only the world as it is, but the world as it will be." (Isaac Asimov)

Hans Kotter tube
Hans Kotter spielt mit der Sehnsucht nach der Perfektionierung und Berechnung unserer Umgebung und unseres Lebens selbst. Der Reinheit und Reduktion von Material, Farbe und Form, die dem Betrachter kühl und dennoch anziehend erscheinen, steht inhaltlich ein komplexes und tiefgehendes Anliegen gegenüber. Fast scheint es, als ob der Künstler dem Wittgensteinschen Anspruch folgt, alle fassbaren Dinge und Aussagen in Formeln bzw. Formen zu fassen und berechenbar zu machen – nur um letztendlich klarzustellen und darauf zu verweisen, was außerhalb dieses Schemas und damit unfassbar bleibt: die fühlende Seele, in der das Wissen um die von sich aus perfekte Natur und die Schönheit des Prinzip „Leben” verankert ist. Tube: Sowohl die Verarbeitung und Präsentation des freistehenden Lichtobjektes überlässt nichts dem Zufall. Jedes Detail ist genauestens gestaltet und positioniert, was den Betrachter dazu veranlasst, sich zu nähern, genau hinzuschauen und sich auf die Suche nach den Funktionen und Gründen des ästhetischen Genusses zu machen.Die Schönheit von Materialität, Farbe und Leuchtkraft wird in dieser Arbeit zum Selbstzweck erhoben und weckt vielerlei Erwartungen im Betrachter, die jedoch im Gegensatz zum designten Konsumgut hier in keinerlei Weise erfüllt wird, da sie jeder Funktion enthoben ist. Hans Kotter plays with our calculating approach to and our desire to perfect our environment and our lives. On the level of content, the purity and reduction of materials, colors, and form, which results in cool and distant appearances but is nevertheless appealing to the viewer, entails a complex and profound concern. It almost seems as if the artist was following Wittgenstein’s tenet that all tangible things and statements should be expressed through formulas i.e. form and rendered predictable and calculable—only to ultimately clarify and point to all that remains outside of this system and, thus, unfathomable: the feeling soul, where our firm knowledge resides about nature that is perfect of itself and the beauty of the principle of “life.” Tube: Both in the production and presentation of these objects, nothing has been left to chance. Every detail has been carefully designed and positioned, which prompts viewers to walk up to objects, take a closer look, and try to make out the functions and reasons behind the aesthetic pleasure they feel. In these works, the beauty of materiality, colors, and brilliance is raised to the level of being an end in itself and arouses various expectations in the viewer. In contrast to designer consumer goods, however, here they are in no way fulfilled as objects are rendered devoid of any function. Bernd Reiss (Textauszug aus dem Katalog replaced, 2009, Galerie Michaela Stock)

Marko Zink Serie Kornhäusl
Mauern, von denen die Farbe bröckelt, Böden mit Schmutz und Vogelfedern überzogen, offene Türen, die den Blick des Betrachters auf zwei nackte Füße leiten – die beinahe leeren Räume der ehemaligen Villa Kornhäusl im Wiener Bezirk Ottakring, die Marko Zink in seiner gleichnamigen Bildserie „Kornhäusl“ (2004) fotografiert, sind offensichtlich seit langem unbewohnt. Nur die vom Fotografen vor Ort vorgefundenen und verrottenden Gegenstände sind Spuren ihrer ursprünglichen Bewohner. Zeitungen, ein Kinderkreisel oder ein aus der Wand gebrochenes Waschbecken suggerieren eine verlassene und vom Verschwinden bedrohte Architektur, die tatsächlich zwei Tage nach der Aufnahme dieser Fotografien dem Erdboden gleichgemacht wurde. Zinks Fotos widmen sich nicht einer „objektiven“ Bestandsaufnahme der Räume, vielmehr wird der Raum vor dem Objektiv dem subjektiven Blick des Fotografen unterworfen, wodurch ein fotografischer Raum konstruiert wird, der sich vorwiegend durch die Darstellung der Böden und ansatzweise dargestellten Blicke durch offene Türen konstituiert. Diese Böden nutzt Zink als Bühne, auf denen er eine männliche Person verfallene Zimmer durchschreiten lässt. Wer diese Person tatsächlich ist, lässt der Fotograf im Unklaren, der (Männer)Körper wird fragmentiert dargestellt. Die beiden Füße - so evoziert ihre Wiedergabe an den Bildrändern - sind im Begriff, den Bildraum zu verlassen und im „Off“-Raum, sprich im Raum außerhalb der Fotografie, zu verschwinden. Der Akteur der Bilder ist somit präsent und absent zugleich.

Color flaking from walls, floors covered with dirt and birds’ feathers, open doors directing the viewer’s attention towards two naked feet – the nearly empty rooms of the former villa Kornhäusl in Vienna’s district of Ottakring, which Marko Zink photographed for his picture series of the same name (“Kornhäusl,” 2004), have obviously stood vacant for a long time. The derelict objects he found on site are the only traces of its one-time occupants. Newspapers, a child’s spinning top, or a washbasin broken from the wall suggest an abandoned architecture on the verge of fading away – it was actually razed to the ground two days after these pictures were taken. Zink’s photos are not aimed at providing an “objective” inventory of these rooms. Rather, they are subjected to the photographer’s lens and his subjective perspective, resulting in the creation of a photographic space that is defined primarily by the depiction of floors and partial views through open doors. Zink uses these floors as a stage on which he lets a male person walk through ramshackle rooms. The photographer leaves us in the dark as to who this person really is, only portions of the (male) body are shown. The two feet depicted at the pictures’ edges evoke the impression that they are about to leave the space of the image and disappear into an “off space,” which is to say into a space outside the photograph. Thus, the protagonist of these images is both present and absent. Walter Moser/Albertina (Textauszug aus dem Katalog Marko Zink blinde Flecken, 2010)