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Gudrun Kampl

b o d y d o u b l e

  GALERIE STEINEK
  22. 11. 2001 - 12. 01 2002

 

Eröffnung: Donnerstag 22. November 2001, 18 bis 22 Uhr


„Über Gudrun Kampls Regime der Einbildungskraft", by Ronald Pohl, 2001

Die Künstlerin Gudrun Kampl entleiht ihre Objekte einer Sphäre, in welcher ein Schönheitsbegriff, der seiner eigenen Genießbarkeit auch noch zu spotten scheint, den Gesetzen einer fatalen Wertschöpfung unterliegt. Kampls anschmiegsame Hüllen, Panzer und Prothesen legen den stimulierenden Gebrauch nahe. Aber unterwirft sich nicht ein jeder Konsument, der sein Glück in der Verschalung des Genusses sucht, blind einem Gebot der Stundung ? Und zehren nicht gerade die Regime der gesellschaftlich gebotenen Regulation von einer Dressur, die im Gewande des Aufschubs das Genießen den Subjekten zugleich auch noch entwindet ?

Kampls Kunst setzt in jenem Felde ein, wo die prachtvolle Auslobung des Genusses seine Überwindung schmählich feiert. (Täusche sich keiner über das „Kuschel"-und Kinder- Vokabular hinweg!) Zugleich gerinnen diese Formen zauberhafter Schmiegsamkeit zu hintersinnigen Modellbauten partikularen Genusses: arkadischen Bühnen gleich, in denen die Schäfer noch träumen dürfen von Myrtenkränzen, die ihnen längst die Waren- und Dienstleistungwelt von den Bäumen der Kindheit verdorben vorhält und, bis in den Kern faulig, generös pflückt.- Ein onanistisches Theater, dass seine opulente Pracht einer fundamentalen Zweideutigkeit verdankt, in der die Autonomie des Subjekts nur noch um den Preis von Regression und Begütigung zu haben ist.

Wenn Kampl also die Urdramen der Ich-Bildung nachstellt, so setzt sie dabei jene Vulgärmechanismen außer Kraft, denen zufolge gerade die Entfremdung dem Warencharakter und der verdinglichenden Gewalt unterliege. In ihrem Oeuvre wird der Status gelebter Freiheit zwar in Streicheleinheiten gemessen; doch gerade das Unterlaufen aller geläufigen Zuschreibungen von Schuld und Entsühnung setzt bei jenem Bruch an, der, sehr viel grundlegender, die Entzweiung von Körper und Bedeutungsträger meint und die „Konstruktion" der Geschlechter als Ableitung aus dem Zerwürfnis des Meinens mit dem, was das Gemeinte jeweils vorgängig gewesen sein soll, versteht.

Noch anders gesagt: In der betörenden Kunst der Gudrun Kampl lässt sich kein „ontologischer Status" des Mensch- oder Frau-Seins mutwillig herauslösen. Aber mit der Inszenierung glücklicher Besänftigung setzen auch die geläufigen Zuschreibungen von „Obszönität" neu und aufrüttelnd an. Die Produktionseinheiten partikularen Begehrens (Deleuze/Guattari) stehen quer zu aller Verwertbarkeit. Sie fällen, wie der Magnet die Eisenspäne, jene Objekte aus Samt und Holz und Öl aus, deren möglicher Gebrauch uns weinen ließe- wenn wir, eingedenk unserer Ur-Angst vor dem Fließen und Treiben und Erweichen, nicht besser zu Stein erstarrt wären.