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Aus der Familie der Nachtschattengewäsche
"...eine Reihe von Arbeiten, die aus Beobachtungen und Lebenserfahrungen
miteinander verknüpft sind. Ein Sammelsurium war Quelle und
Material meiner selbst kreirten SOLANACEENPFLANZE. Eine, der vielen
Arten aus der Familie der Nachtschattengewächse. Sie brauchen
relativ wenig Wasser und Licht und wachsen deshalb auch in einer
Schachtel mit Deckel, die sie vor dem Licht schützt. Zuviel
UV-Strahlung würde den Verfall der Pflanze beschleunigen. Diese
Pflanzen konnten sich auf der einen Seite mit wenig begnügen
und andererseits ein beträchtliches Gewächsvolumen produzieren.
Das pflanzliche Gewebe war eine Bindung aus Leinen und Latex. Die
Setzlinge entstanden am Webstuhl. Ich verwebte das Latex in den
Leinwandschuß. Bei dieser Tätigkeit konnte ich das Wachsen
der Pflanze mit verfolgen. Schuß um Schuß, Zentimeter
um Zentimeter. Dabei kamen die Zusammenhänge, Geflechte und
Verknüpfungen, wie sich das Leben, die Natur, Kultur und Politik
entwickelte in meine Gedanken. Vor mir lag ein heranwachsendes Gewebe,
dass an Assoziationen über Michel Foucault´s Theorien
(Disziplin und Strafe) anknüpfte. Alles was ich tat, hatte
mit dem Prozess des Wachsens und Entwickeln zu tun. Farben die ich
in meinem Kopf mischte wohnten in mir, Gerüche nisteten sich
in Zellen ein, Formen begannen zu Atmen, Phantasien wurden Wirklichkeit,
dieses Hirngespinst fand eine eigene Sprache und setzte sich als
geistiges Konstrukt auf meinem Kopf. Ich nannte sie, Nachtschattengewächse
aus der Familie der Solanaceen, Knollengewächse. Seit zwei
Jahren beschäftige ich mich mit den saugenden Knöpfen,
um sich schlingenden und greifenden Tentakel, dem wachsenden Gewebe,
den wuchernden Hecken, atmend und saugend; ein Gewurle an lebender
Materie, Gewächse, Büsche, am Acker sprießend, phosphoreszierend
und flureszierende Pflanzen, Keimlinge tauchen auf, entfalten sich,
blühen, saugen Licht und Regen auf; der Prozess des Wachsens
und der Zeit , der Natur und des Lebens, der vielen Dinge, die man
mit dem eigenen Leben und Wachsen einer Persönlichkeit und
Identität assoziiert, beobachte und verknüpfe ich in meiner
künstlerische Arbeiten. Dabei spielen Eindrücke aus der
Kindheit, das Aufwachsen am Land, am Bauernhof, der gepflügte
Acker, der Garten, Gemüsebeete, wuchernde Hecken, die Ernte,
Früchte, die stark leuchtenden Farben des Herbstes, die Arbeit
am Feld mit den Eltern, das Anpflanzen von Setzlingen, das Jäten
von Unkraut, das Wasser und die Erde ein große Rolle. Sie
haben meinen Geist zu einer intelektuellen Birne geformt."
Andrea Kalteis, 2001
Biografie: Mag.art. Andrea Kalteis : Geboren am 30.01.1972,
in St.Georgen - Niederösterreich / 1987-92: Höhere Technische
Bundeslehranstalt für Restaurierung und Konservierung - Krems
an der Donau / 1992-93: Technische Universität - Wien, Studium
der Architektur / 1993-99: Universität für angewandte
Kunst - Wien, Studium der Kunstpädagogik, Studium der Malerei
und Graphik / 1997-98: University of Art and Design, Helsinki -
Finnland, Department of Textil Art and Design University of Helsinki,
Kriistina Institute for Women Studies
Austellungsbeteiligung: 2001: "Produkt: Muttertag,"
Museum für Volkskunde, Wien / "Cultural Dialog, Oman -
Austria," Oman Society of Fine Arts, Muscat / "Malerei,
österreichische KünstlerInnen, Jetzt," Museum für
Moderne Kunst Budapest, Budapest / 2000: "Malerei, österreichische
KünstlerInnen, Jetzt," Galerie Martin Suppan, Wien / "Malerei,
österreichische KünstlerInnen, Jetzt," Graphisches
Museum Albertina, Wien / "Ankauf," NÖ Dokumentationszentrum
für Moderne Kunst, St.Pölten / "Face to face,"
Galerie Steinek, Wien / 1999: "Jahrhundert der Frauen,"
Kunstforum der Bank Austria, Wien / 1998: "Kaupajanokka,"
Städtisches Kulturhaus Helsinki
Bibliografie: Künstlerinnen, zeitgenössische
Positionen von Stella Rollig in: "Das Jahrhundert der Frauen,"
vom Impressionismus zur Gegenwart, Österreich 1870 bis heute;
Wien 1999, S.265-324 / Andrea Kalteis, von Gabriela Fritz in:"Malerei,
Österreichische KünstlerInnen, JETZT,"Wien 2000,
S.42-43 / Der androgyne Mensch, von Illona Nord, in:"Von Gott
und der Kultur,"Stuttgart 2000 / Umschlagbild: Kakteenköpfe,
aus der Entwurfserie: Mischwesen, androgyne Wesen, in:"Das
Geschlecht der Zukunft, Frauenemanzipation und Geschlechtervielfalt,"
von Sybille Becker, Gesine Kleinschmit, Illona Nord
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