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Andrea Kalteis

  GALERIE STEINEK
 06.03. - 13.04. 2001

 

Eröffnung: Dienstag den 06. März 2001 - 18.00 bis 20.00 Uhr


Aus der Familie der Nachtschattengewäsche

"...eine Reihe von Arbeiten, die aus Beobachtungen und Lebenserfahrungen miteinander verknüpft sind. Ein Sammelsurium war Quelle und Material meiner selbst kreirten SOLANACEENPFLANZE. Eine, der vielen Arten aus der Familie der Nachtschattengewächse. Sie brauchen relativ wenig Wasser und Licht und wachsen deshalb auch in einer Schachtel mit Deckel, die sie vor dem Licht schützt. Zuviel UV-Strahlung würde den Verfall der Pflanze beschleunigen. Diese Pflanzen konnten sich auf der einen Seite mit wenig begnügen und andererseits ein beträchtliches Gewächsvolumen produzieren. Das pflanzliche Gewebe war eine Bindung aus Leinen und Latex. Die Setzlinge entstanden am Webstuhl. Ich verwebte das Latex in den Leinwandschuß. Bei dieser Tätigkeit konnte ich das Wachsen der Pflanze mit verfolgen. Schuß um Schuß, Zentimeter um Zentimeter. Dabei kamen die Zusammenhänge, Geflechte und Verknüpfungen, wie sich das Leben, die Natur, Kultur und Politik entwickelte in meine Gedanken. Vor mir lag ein heranwachsendes Gewebe, dass an Assoziationen über Michel Foucault´s Theorien (Disziplin und Strafe) anknüpfte. Alles was ich tat, hatte mit dem Prozess des Wachsens und Entwickeln zu tun. Farben die ich in meinem Kopf mischte wohnten in mir, Gerüche nisteten sich in Zellen ein, Formen begannen zu Atmen, Phantasien wurden Wirklichkeit, dieses Hirngespinst fand eine eigene Sprache und setzte sich als geistiges Konstrukt auf meinem Kopf. Ich nannte sie, Nachtschattengewächse aus der Familie der Solanaceen, Knollengewächse. Seit zwei Jahren beschäftige ich mich mit den saugenden Knöpfen, um sich schlingenden und greifenden Tentakel, dem wachsenden Gewebe, den wuchernden Hecken, atmend und saugend; ein Gewurle an lebender Materie, Gewächse, Büsche, am Acker sprießend, phosphoreszierend und flureszierende Pflanzen, Keimlinge tauchen auf, entfalten sich, blühen, saugen Licht und Regen auf; der Prozess des Wachsens und der Zeit , der Natur und des Lebens, der vielen Dinge, die man mit dem eigenen Leben und Wachsen einer Persönlichkeit und Identität assoziiert, beobachte und verknüpfe ich in meiner künstlerische Arbeiten. Dabei spielen Eindrücke aus der Kindheit, das Aufwachsen am Land, am Bauernhof, der gepflügte Acker, der Garten, Gemüsebeete, wuchernde Hecken, die Ernte, Früchte, die stark leuchtenden Farben des Herbstes, die Arbeit am Feld mit den Eltern, das Anpflanzen von Setzlingen, das Jäten von Unkraut, das Wasser und die Erde ein große Rolle. Sie haben meinen Geist zu einer intelektuellen Birne geformt." Andrea Kalteis, 2001

Biografie: Mag.art. Andrea Kalteis : Geboren am 30.01.1972, in St.Georgen - Niederösterreich / 1987-92: Höhere Technische Bundeslehranstalt für Restaurierung und Konservierung - Krems an der Donau / 1992-93: Technische Universität - Wien, Studium der Architektur / 1993-99: Universität für angewandte Kunst - Wien, Studium der Kunstpädagogik, Studium der Malerei und Graphik / 1997-98: University of Art and Design, Helsinki - Finnland, Department of Textil Art and Design University of Helsinki, Kriistina Institute for Women Studies

Austellungsbeteiligung: 2001: "Produkt: Muttertag," Museum für Volkskunde, Wien / "Cultural Dialog, Oman - Austria," Oman Society of Fine Arts, Muscat / "Malerei, österreichische KünstlerInnen, Jetzt," Museum für Moderne Kunst Budapest, Budapest / 2000: "Malerei, österreichische KünstlerInnen, Jetzt," Galerie Martin Suppan, Wien / "Malerei, österreichische KünstlerInnen, Jetzt," Graphisches Museum Albertina, Wien / "Ankauf," NÖ Dokumentationszentrum für Moderne Kunst, St.Pölten / "Face to face," Galerie Steinek, Wien / 1999: "Jahrhundert der Frauen," Kunstforum der Bank Austria, Wien / 1998: "Kaupajanokka," Städtisches Kulturhaus Helsinki

Bibliografie: Künstlerinnen, zeitgenössische Positionen von Stella Rollig in: "Das Jahrhundert der Frauen," vom Impressionismus zur Gegenwart, Österreich 1870 bis heute; Wien 1999, S.265-324 / Andrea Kalteis, von Gabriela Fritz in:"Malerei, Österreichische KünstlerInnen, JETZT,"Wien 2000, S.42-43 / Der androgyne Mensch, von Illona Nord, in:"Von Gott und der Kultur,"Stuttgart 2000 / Umschlagbild: Kakteenköpfe, aus der Entwurfserie: Mischwesen, androgyne Wesen, in:"Das Geschlecht der Zukunft, Frauenemanzipation und Geschlechtervielfalt," von Sybille Becker, Gesine Kleinschmit, Illona Nord