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Julius Deutschbauer

"Biersinn, Irrsinn, Unsinn, Kärnten"

  GALERIE STEINEK
 16.1. - 2.3. 2001

 

Eröffnung: Dienstag den 16. Jaenner 2001 - 18.00 bis 20.00 Uhr
Zur Eroeffnung spricht Dr. Suzanne Neuburger


Die Parabel vom erstarrten Biertrinker, von den Konzernbieren und vom verschütteten Konzernvermögen

Mit dem beharrlichen Einsatz seiner Person und seines Körpers bürgt Julius Deutschbauer für Präsenz und Ernsthaftigkeit der Diskurse in seinen Plakatarbeiten, wenn er in der Rolle des Gendarmen, als Bibliothekar oder als biertrinkender Konsument auf wahre soziale Zu-, wenn nicht Mißstände hinweist. Diese Bilder sind ein stummer Protest, eine Art von Widerstand, der einem System gilt, in dem abgehört, betrogen und vereinnahmt wird und dem eine einzelne Person nicht durch schnelles Handeln, sondern allenfalls durch kluge Strategien beikommen kann.
Stehend und frontal dem Betrachter zugewandt hält er in diesem Sinne Aufmerksamkeit zunächst in seiner Person - in der Gesamtheit von Umriß und Masse des Körpers - fest, bevor minimale Zeigegesten bzw. Requisiten als Hinweise auf seine Rolle und ein erklärender Text, ein Zitat, ein Name den schweigsamen Körper zu entlasten beginnen und einen Handlungsraum aufmachen, in dem prinzipiell Erkennen gegen Handeln steht, ein Diderotscher Fragesatz allemal klüger ist als übereilte Emphase und er selbst von Parabel spricht, die Habitus und Rolle umfaßt.

Strategisch vielfältig ist Deutschbauers Kampf gegen die Brau Union, der von passivem Widerstand im Plakat bis zum Happening reicht. So deutet das Bild der zerschmetterten Bierflaschen, die noch als solche der über 20 "eingemeindeten" Biere der Brau Union erkennbar sind, auf ein Maximum an Handlung hin, das man gerne der produktiven Seite von Schütten und Zerstören zuordnen möchte, die der österreichischen Kunst nicht fremd ist. Der Kampf gegen die Brau Union hat viele Scherben hinterlassen, ist aber keineswegs abgeschlossen, Trinkerdiagramme werden erstellt, Bierdeckel bearbeitet. Starr in die Ferne blickend sitzt - hier ausdrücklich sitzend und nicht stehend - Julius Deutschbauer in der Plakatarbeit "Mein Kampf gegen die Brau Union" an einem Tisch im Garten (Biergarten?) mit blau-weiß-kariertem Tischtuch. Die Hand liegt neben einem großen Bierglas, das zur Hälfte geleert ist, zur Faust geballt. Der Kampf wirkt eingefroren.
Wer war der Konsument des halben Glases? Wurde es verschüttet oder getrunken? Hat das Glas auf einem eventuellem Bierdeckel Ränder verursacht? So wie er die Abdrucke, die Gläser auf den Bierdeckeln hinterlassen, in große Scherenschnitte umsetzt, scheint er als Biertrinker zum passiven Klischee, zur Schablone des Biertrinkers erstarrt, dem wie den Bieren Individualität und Identität abhanden zu kommen beginnt. Formal entspricht seine Darstellung durch den strengen Umriß und der (quasi symbolischen) Form des Profils den klassischen Gesetzen des Scherenschnitts, einer dauerhaften Form in schwarz und ohne Detail. Dieses ist allerdings die geballte Faust, das Kürzel für den Kampf, der - "Mein Kampf" - selbst wiederum ein Zitat ist. Die Zitate müssen nicht alle aus gelehrten Büchern stammen, wie das Chaos der Scherben ein System auch als unsinniges ausweisen kann. Und wenn der Durst aus den fünf Sinnen herausfällt, wenn ein Bundesland aus dem Ganzen kippt, wenn das Bier sich unsinnig ausdehnt, dann ist es sowieso wieder an der Zeit, das Reglement des Diderotschen Fragesatzes einzusetzen, das an die Realität von Brau Union und Regierungen gemahnt, und dann müssen auch die Bierdeckel durch Übermalung weiter korrigiert werden - bis die Brau Union endlich einmal ausradiert sein wird.

Susanne Neuburger