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Die Parabel vom erstarrten Biertrinker, von den Konzernbieren
und vom verschütteten Konzernvermögen
Mit dem beharrlichen Einsatz seiner Person und seines Körpers
bürgt Julius Deutschbauer für Präsenz und Ernsthaftigkeit
der Diskurse in seinen Plakatarbeiten, wenn er in der Rolle des
Gendarmen, als Bibliothekar oder als biertrinkender Konsument auf
wahre soziale Zu-, wenn nicht Mißstände hinweist. Diese
Bilder sind ein stummer Protest, eine Art von Widerstand, der einem
System gilt, in dem abgehört, betrogen und vereinnahmt wird
und dem eine einzelne Person nicht durch schnelles Handeln, sondern
allenfalls durch kluge Strategien beikommen kann.
Stehend und frontal dem Betrachter zugewandt hält er in diesem
Sinne Aufmerksamkeit zunächst in seiner Person - in der Gesamtheit
von Umriß und Masse des Körpers - fest, bevor minimale
Zeigegesten bzw. Requisiten als Hinweise auf seine Rolle und ein
erklärender Text, ein Zitat, ein Name den schweigsamen Körper
zu entlasten beginnen und einen Handlungsraum aufmachen, in dem
prinzipiell Erkennen gegen Handeln steht, ein Diderotscher Fragesatz
allemal klüger ist als übereilte Emphase und er selbst
von Parabel spricht, die Habitus und Rolle umfaßt.
Strategisch vielfältig ist Deutschbauers Kampf gegen die
Brau Union, der von passivem Widerstand im Plakat bis zum Happening
reicht. So deutet das Bild der zerschmetterten Bierflaschen, die
noch als solche der über 20 "eingemeindeten" Biere
der Brau Union erkennbar sind, auf ein Maximum an Handlung hin,
das man gerne der produktiven Seite von Schütten und Zerstören
zuordnen möchte, die der österreichischen Kunst nicht
fremd ist. Der Kampf gegen die Brau Union hat viele Scherben hinterlassen,
ist aber keineswegs abgeschlossen, Trinkerdiagramme werden erstellt,
Bierdeckel bearbeitet. Starr in die Ferne blickend sitzt - hier
ausdrücklich sitzend und nicht stehend - Julius Deutschbauer
in der Plakatarbeit "Mein Kampf gegen die Brau Union"
an einem Tisch im Garten (Biergarten?) mit blau-weiß-kariertem
Tischtuch. Die Hand liegt neben einem großen Bierglas, das
zur Hälfte geleert ist, zur Faust geballt. Der Kampf wirkt
eingefroren.
Wer war der Konsument des halben Glases? Wurde es verschüttet
oder getrunken? Hat das Glas auf einem eventuellem Bierdeckel Ränder
verursacht? So wie er die Abdrucke, die Gläser auf den Bierdeckeln
hinterlassen, in große Scherenschnitte umsetzt, scheint er
als Biertrinker zum passiven Klischee, zur Schablone des Biertrinkers
erstarrt, dem wie den Bieren Individualität und Identität
abhanden zu kommen beginnt. Formal entspricht seine Darstellung
durch den strengen Umriß und der (quasi symbolischen) Form
des Profils den klassischen Gesetzen des Scherenschnitts, einer
dauerhaften Form in schwarz und ohne Detail. Dieses ist allerdings
die geballte Faust, das Kürzel für den Kampf, der - "Mein
Kampf" - selbst wiederum ein Zitat ist. Die Zitate müssen
nicht alle aus gelehrten Büchern stammen, wie das Chaos der
Scherben ein System auch als unsinniges ausweisen kann. Und wenn
der Durst aus den fünf Sinnen herausfällt, wenn ein Bundesland
aus dem Ganzen kippt, wenn das Bier sich unsinnig ausdehnt, dann
ist es sowieso wieder an der Zeit, das Reglement des Diderotschen
Fragesatzes einzusetzen, das an die Realität von Brau Union
und Regierungen gemahnt, und dann müssen auch die Bierdeckel
durch Übermalung weiter korrigiert werden - bis die Brau Union
endlich einmal ausradiert sein wird.
Susanne Neuburger
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