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Michaela Spiegel

"HOTEL ANGST"

  GALERIE STEINEK
 27. April bis 31 Mai 2000

 

Eröffnung : Donnerstag den 27. April 2000, 18.00 bis 21.00 Uhr


"Die Thematik der Angst sitzt mir seit Jahren auf unaufdringlich höfliche Beziehungsweise im Nacken, gleitet immer wieder stumm durch Pinsel und Arbeitskonzept und hat es letzendlich durch den Zufall des reellen Lebens geschafft, fertig formuliert als steinerne Ruine Gedankengerüst zu werden.

Dem Umstand einer Urlaubsreise verdanke ich den Umweg zu erzählerischer Banalität. HOTEL ANGST, auch ANGST HOTEL, befindet sich seit Beginn dieses Jahrhunderts in der italienischen Ortschaft Bordighera, an der Grenze zu Südfrankreich. Vom zu Reichtum gekommenen und von selbständigem Unternehmergeist getriebenen Schweizer Hoteldirektor, Herrn ANGST erbaut, wird der Prachtbau zum Treffpunkt von Reich und Schön und Mächtig und auch Ohnmächtig, im Krieg natürlich Hauptquartier, danach Lager, danach, seit 50 Jahren verlassen und nie mehr bespielt. Märchenhafte Banalität der Geschichte. Degenerationspräparat menschlicher Emotion.

Urprünglich basierte das Arbeitskonzept zur Angst auf meiner eigenen weiblichen Körperhaftigkeit ohne jeglihen konkreten zeitpolitischen Bezug. Leider hat meine persönliche Angst unleugenbare Bilder gefunden.

HOTEL ANGST kann sich als Zeitspiegel dieses Jahrhunderts, als zerfallender Schatten menschlicher Abhängigkeit und Fremdbestimmtheit verstehen, kann aber auch als weiterer Versuch verstanden werden, aus der Realität gegriffenes Bildmaterial mittels Zeichnung meinem persönlichen Psycho-Szenario gegenüber zu stellen und meine persönliche Angst in Bilder zu fassen."

Michaela Spiegel März 2000 About "CORRIDA" :
* WHAT MAKES MEN BLUSH / HOW TO STAY A BACHELOR / BLIND DATES CAN BE FUN
WHAT EVERY YOUNG BRIDE SHOULD NO / WHAT´S WRONG WITH WIMMEN / FROM BED TO WORSE
WHAT HAPPENED TO THE MAN WHO LOOKED AT THIS PHOTO SHOULD BABES BE SPANKED
WHAT YOU DON´T SEE AT THE BEACH / LIVE ALONE AND LOVE IT / YOUR IMPOTENCE MAY BE MENTAL
WHAT DID 8000 WOMEN CONFESS TO DR. KINSEY

Die 1999 entstandene 12-teilige Bildserie der "Corridas" setzt das Gedankengerüst der "Interieurs Elegants" in plakativ assoziativer Weise fort. Verschiedenste Himmelfahrtsakte, vom statisch stoischen Körper bis zum Gliedmaßen verdrehten weiblichen Flug- und Fluchtobjekt in Überlebensgröße, füllen den imaginär fotografischen Raum der hintergründigen Stierkampfarenen. Die scheinbar unbeteiligte Frauenfigur steht vor dem männlichen Initiationskampf über Leben und Tod, nicht in das Hintergrundgeschehen einbezogen, aber von männlich formulierten SchlagZeilen überdeckt.
Die in Goldlettern gesetzten Texte (siehe oben *) stammen aus der, in den 50er Jahren legendären amerikanischen Männerzeitschrift "Girlie Magazine" und schließen die Assoziationskette zwischen männlicher Sprache und männlichem Ritualverhalten der Vergangenheit. Der kleine Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Gedanken- wie Verhaltensclichés läßt sich durch die mehr oder weniger strikte Trennung der Bildebenen (Foto-Malerei-Schrift) technisch unterscheiden, durch die reich dekorativ degenerierte Komposition aber auch als kommunizierendes Gesamtbild lesen. Michaela Spiegel März 2000 About "INTÉRIEURS ÉLÉGANTS" :
Anfang 1999 ensteht die 6.teilige Bildserie INTERIEURS ÉLÉGANTS, als malerisch conceptuelle Weiterführung der Serie MEINE MADLN.
Fallende, bzw. gefallene Weiblichkeiten finden sich überlebens-groß als nackte Tatsachen in die verschiedensten Architekturhintergründe (Innenräume von Kirchen, Museen, historische Gebäude) assoziiert, perspectivische Architekturfotografie antiquierter Postkarten, statisches Zitat schwarz-weiß erlebter Realitätlichkeit im stilvoll eleganter Widerspruch weiblicher Irrealität, weiblichen Gefühlslebens, organisierter Denkmuster und Clichées (Herz, Hirn und Wirbelsäule als medizinische Detailzeichnung).
Historische Wertvorstellung als Hintergrunddecor und Körperhaft bewegte Assoziationsebene zeitspezifischer Moralität erklären sich vordegründig in der bindenden und psycho-hygienisch anmutenden Organbeschriftung.
Versteinerte Tradition vergangener Gedankengerüste hinter gegenwärtigen, offen gelegten, Detail gerteuen-Innen-Leben, Aufbrecher-Innen, Kämpfer-Innen, Rächer-Innen, Verteidiger-Innen, Sieger-Innen, Denker-Innen, Zweifler-Innen, Aufgeber-Innen, Versager-Innen.
Die Außenwelt des Betrachters steht der perspektivischen Eleganz blanker Offenheit gegenüber, die Postkarte der feministischen Salonrevolution wird mit Absender zugestellt. Michaela Spiegel März 2000