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Good Night Mister Procrustes

GALERIE STEINEK
  03.10. - 12.11.2014

 

Vernissage: am Dienstag, dem 02. Oktober 2014, um 18:00 Uhr

 

Francis Alys | Zipora Fried | Jim Shaw | Katrin Sigurdardottir | Kiki Smith | Jana Sterbak | Jeanne Susplugas

kuratiert von Peter Stastny

 

Prokrustes war ein Schmied mit einer Herberge am Fusse des Korydallos unweit von Athen.  Er pflegte müde Reisende einzuladen, um ihnen eines seiner eisernen Betten anzubieten, wo er sie dann entsprechend zurechtstreckte oder stutzte, bis sie genau in das Bett passten. Wollte er damit die sichere Passage nach Eleusis verhindern? Denn dort bereiteten sich die Pilger in den Eleusinischen Mysterien auf das Nachleben vor, beflügelt durch den psychedelischen Kykeon-Trunk.  Letztlich bestraft Theseus diesen Bösewicht mit dem Mittel dessen Wahl - seinem ureigenen Prokrustesbett.

Strecken lässt sich jedoch nicht nur der Körper sondern auch unsere Vorstellungswelt  - manchmal sogar ohne ein mögliches Zurück. Oder du kommst in einen engen Zwinger, wo dann der Kopf an die Wände knallt. Auf der analytischen Couch wirst du nicht nur zum freien Assoziieren angeregt sondern auch in die Sphäre der Übertragung eingebettet. Sollten dich Hirngespinste ausserhalb der allgemeingültigen Wirklichkeit befördern, dann mag Schlimmeres drohen, wie Zwangseinweisung, Fixierung, und neurochemische Manipulation.  Wir können uns mit den Arzneien von Jeanne Susplugas betäuben, oder scheinbar von den Strikturen einer Behausung befreien, wie die ahnungslosen Menschen die Francis Alys auf einem seiner Stadtrundgänge erhaschte.

Künstler sind mit solchen Möglichkeiten sehr vertraut: Bei Zipora Fried ist ein langes Blatt auf den Boden gespannt und wird zu einem Behältnis für Wut, Träume, pechschwarze Melancholie und abgrundtiefen Schmerz. Wenn wir uns innerhalb der Konturen eines solchen unwirklichen Raumes präsentieren, vielleicht auf vier festen Beinen stehend und mit Flaum oder Härte gepolstert, so können wir in uns hineinschauen und gesehen werden. Oder auch nicht. Mass um Mass haben die Künstler in dieser Ausstellung diese Engen begangen und Auswege gefunden.

Ein solcher Raum kann sich auftun und zu wandern beginnen, zum Beispiel wenn Jana Sterbak ihren Käfig auf Reisen führt. Und Katrin Sigurdadottir’s erdachtes Gebäude ist ebenso rasch zu Asche reduziert - wie gewonnen, so zerronnen. Der Geist kann uns dahin bringen, wo Träume, Ideen flügge werden. Jim Shaw ist recht mutig, wenn er uns in seine orphischen Bebilderungen einlässt, mit all ihren Schönheitsfehlern, und Kiki Smith’s Frauen freuen sich am Leben unter einem Sternenhimmel vermeintlicher Seligkeit.

Bild
Jana Sterbak
Proto-Condition: Cage for sound
1994
bamboo,wheels and leather straps video projection
99×209×63,5 cm unique
Courtesy the artist and Galleria Raffaella Cortese, Milano
Photo credit: Lorenzo Palmier

BildZipora Fried
Relic, 2012
Wood, gold
4 by 20-1/2 by 4 inches
(10.2 by 49.5 by 10.2 cm)
© Jason Mandella
Courtesy of On Stellar Rays and the artist