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Walter Dahn

Petit fait vrai

  GALERIE STEINEK
 14.11. - 11.01.2008

 

Vernissage: am 13. November 2007


Walter Dahn
Last Time Around (Linas Elephant#2)
2004/2005
Tempera auf Stoff
46,5 x 44,5 cm

Galerie Steinek präsentiert unter dem Titel “Petit fait vrai"* die jüngsten Arbeiten von Walter Dahn. Im Gegensatz zu den großen Leinwänden, auf denen Dahn anfangs arbeitete, haben sich seine aktuellen Bilder in mittlerem Format eingependelt. Anstelle der großen Gesten zeigt Dahn uns einen Blick auf seinen Kosmos, dessen Elemente für ihn erst durch ihre Bildwerdung ihre volle Bedeutung und Gültigkeit zu erhalten scheinen. “Petit fait vrai" (aus einem Zitat von Friedrich Nietzsche) deutet auf die Frage der Wahrheit in der Erzählung (sei es literarisch, musikalisch oder bildnerisch) und die Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung, Empfinden und Interpretation.

Die Strategie des Aneignens bildet die Basis von Walter Dahns Kunst seit dem Wendepunkt in seinem Schaffen, den die Jahre 1989/1990 markieren. Damals kehrte sich der Künstler von der reinen Malerei, wie sie beispielsweise von Baselitz oder Lüpertz praktiziert wurde, ab. Das Persönliche, das sich bis dahin im expressiven Pinselduktus niederschlug, verlegte Dahn auf das Selektieren von bildnerischen Motiven. Für den Künstler bedeutet dies jedoch kein Aufgeben der Malerei, denn dem Arrangieren von Farbe auf Leinwand entspricht nun das Anordnen der Fundstücke auf unterschiedlichen Materialien, ein Vorgang, den Dahn einmal mit “konzeptueller Malerei" benannt hat und der für ihn auch heute noch Gültigkeit besitzt.

Dahn übernimmt das Gefundene teilweise als “readymade", doch oftmals transformiert er es durch die unterschiedlichsten künstlerischen Techniken. Seit den späten 80er Jahren gehört der Siebdruck zu seinen bevorzugten Verfahren. Der Künstler entfremdet die Technik, indem er Unikate oder Serien in geringer Anzahl herstellt und die Methode, die ursprünglich für die Hochglanzwelt der Werbung erfunden worden war, auf natürlichen Materialien wie Stoff, Gaze, Pappe oder Leinen anwendet.

Walter Dahn schöpft bei der Motivsuche für seine Arbeiten aus einem Pool, der sich aus unterschiedlichen Gebieten speist: Der Popkultur und seinen Kommunikationsmitteln wie Flyern und Postern; dem Film, der Musik, dem Kitsch, der Volkskunst, der Ethnologie, der Kunstgeschichte, dem Graffiti, aber auch aus seinem persönlichen Umfeld und der Natur.
Gleich piktoralen “objets trouvés" amalgamiert, vermengt, Dahn die Motive und erschafft Bilder, die gleichsam als sehr persönliche Embleme lesbar sind und zugleich die Ästhetik eines Plattencovers haben können. Sie scheinen für Dahns “individuelle Mythologien" zu stehen und sind ein bejahender Blick auf die ihn prägende Welt. Dabei ergeben sich durch das Collagieren und Komponieren der Bilder im Bild oft neue Realitäten und Bedeutungen, losgelöst von dem ursprünglichen, außerkünstlerischen Kontext.
* Das Kleine schafft Wahrheit

WALTER DAHN
1954 in Deutschland geboren
1971 bis 1979 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler von Joseph Beuys
1979 bis 1982 Mitglied der Künstlergemeinschaft Mülheimer Freiheit; internationaler Durchbruch mit der Ausstellung in der Torhausgalerie “Wenn das Perlhuhn leise weint" (in diesem Zusammenhang wurde der Begriff “Junge Wilde" geprägt). Es zeigen sich Bezüge zu Konzept Kunst, Dada, Expressionismus und Punk.
1982 stellte Dahn in Kassel bei der documenta 7 aus. Bis 1984 schuf er Gemeinschaftsbilder mit Dokoupil.
Seit 1995 Professur für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig
Mehr als 300 Einzel- und Gruppenaustellungen im In- und Ausland
Walter Dahn lebt und arbeitet in Köln.