|
|
|
|
"Yktinos", 1997
Fotoemulsion auf Peddigrohr,
28 x 21 cm
|
Wattestäbchen-Skulpture
ab 1993
|
|
|
|
|
Aus der Serie "Ètudes Académiques",
1997
Laserkopie auf Wattestäbchen in Plexibox,
45 x 32 x 7 cm
|
Wattestäbchen-Skulpture
ab 1993
|
"Alles ist Projektion -- wörtlich und übertragen"
Ilse Haiders Leitmotiv gewinnt gerade in ihren jüngsten Arbeiten
(WUK und Galerie Steinek) eine neue aber umso zwingendere Bedeutung.
Während sie in ihren früheren Werken von fotographischen
Oberflächen auf skulpturalem Untergrund" (Gabriele Rothuber)
ausging, so malt sie jetzt mit den Befindlichkeiten des Betrachters.
Ilse Haiders Trägermaterialien: seien es Peddigrohr oder ihre,
durch gelochte Aluminiumplatten gefädelten, Wattestäbchen
-- mit Fotoemulsion belichtet und solcherart zu fotoähnlichen
-- allerdings dreidimensionalen -- Objekten umgewandelt, ergeben
durch ihre uneinheitliche, gebrochene Oberfläche ein dekonstruiertes
Bild, das sich erst in der Ferne, dank dem Betrachter, zu einem
Ganzen zusammenfügt. Auch ihre "behaarten Männer"
(Blütenstaubgefässe aus Kunststoff in Silikon), die zwar
schon das fotografische Element im"technischen Sinne"
(Rothuber) vermissen lassen, setzen sich nur im Kopf -- pixelartig
-- zum fotografischen Abbild zusammen. Dieses, von den Impressionisten
entlehnte Ansinnen des Künstlers an den Betrachter, das voraussetzt,
dass jener sich auf den einzig richtigen "Blickpunkt"
zu stellen hat, um das Ganze als Solches sichtbar werden zu lassen,
wird in Ilse Haiders neuestem Schaffen (dem umfassenden -- an Marcel
Duchamp's "Sechzehn-Meilen-Schnur" gemahnenden -- Raumkonzept
"die tröstende Camera" im WUK, in dem der Besucher"geführt"
werden soll und der Art de participation in den "flagrants
délits" in der Galerie Steinek) nun bei weitem übertroffen
durch die Forderung, der Ausstellungsbesucher möge nicht nur
"fertig"schauen sondern auch" fertig"denken
und fühlen.
Die Einkaufsmeile in der Galerie Steinek -- auf den ersten Blick
oberflächliche Konsumwelt der uniformierten Muster mit dem
verschiedentlichst auftauchenden Signé des immer mehr reduzierten,
bloß noch angedeuteten, ausgebeulten, in Bewegung befindlichen
Hosenschrittes der "Unter-bzw. Badehosen - Serie -- ist
weder als Anklage noch Bejahung zu verstehen, hier handelt es sich
um die nüchterne, allerdings augenzwinkernde, Feststellung
des Tatbestandes : Konsum !
Allerdings treffen wir auch gleichzeitig auf diverse latente Anzüglichkeiten,
auf unter der Oberfläche Offenes -- ein Blick hinter heile
Fassaden der kleine Schönheitsfehler, "Delikte" eben,
nicht nur peinliche Verfehlungen, kleinliche Tabus aufgezeigt, sondern
es werden auch die Gefühle des Betrachters "dabei"
aufgedeckt, "inflagranti" entlarvt -- unterschiedliche
Empfindungen bei objektiv gleichem Auslöser sind durchaus eingeplant.
Der Betrachter projezierteigenstes Empfinden mit seiner Befindlichkeit
zurück: er wird aktiv gefordert, wird Komplize. Die individuelle
Schmerzgrenze der etwaigen Peinlichkeiten wird als Stilmittel eingesetzt:
der Betrachter malt seine eigenen Emotionen unter dem Eindruck der
"flagrants délits": sensible "Pinselstriche"
malen Empfindliches.... Gefühlsskalen, Schattierungen und Nuancierungen
bleiben dem "sich Einfühlenden" überlassen.
Ilse Haider hält der Welt einen reflektierenden Spiegel vor
-- nicht mehr jener aus 1995, als ihr "Badezimmerensemble":
rosa verklärte Aufnahmen der 50 er Jahre" uns die heile
Welt des Weiblichen und wie es zu sein hat" (Doris Krumpl)
spiegelte, der ja bloß zum Check-Up dienen sollte -- heute
läßt er uns tiefer blicken : was es mit uns macht wenn
die heile Welt "verrutscht": Alltagsprobleme in Alltagssituationen
bei Jedermanns... Die Augen der Außenwelt sind auf d i c h
gerichtet -- und an welchen Oberflächlichkeiten scheiterst
d u ? Auch hier benötigen Ilse Haiders Arbeiten den "Abstand
zum Betrachter" (Rothuber) -- aber wieviel Abstand ? Der Bild
- bzw. Inhaltstransfer wird gleichsam auf die psychische, innere
Ebene ausgedehnt.
Die feine Ironie und der natürliche lebhafte Umgang des Weiblichen
mit dem männlich --Andersartigem-- ohne sich durch einen verbissenen
Feminismus beeinträchtigen lassen zu müssen,machen das
Erfrischende und Unverbrauchte von Ilse Haiders Arbeiten aus.
B.A. Lehmden
Ilse Haider :1965 in Salzburg geboren. 1995-2001 Lehrtätigkeit
an der Universität für künstlerische und industrielle
Gestaltung, Linz. Lebt und arbeitet in Wien.
|