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Cora Pongracz

 HALLE STEINEK
 28.04. - 24.05. 2001

 

Eröffnung: Freitag 27. April, 19.00 Uhr


Cora Pongracz bildet Menschen - Frauen, Freunde, Unbekannte - in deren kollektivem Feld ab und baut somit, paradox, Felder des Individuellen auf. Felder, die jene Porträtierten genauso betreffen wie ihre Betrachter. Die Abgebildeten setzen sich mit herbeigeholten Gegenständen aus diesem Feld in Szene und bringen damit den sie kennzeichnenden Habitus (Bourdieu) ins Spiel. Ins Spiel bringen heißt, diesen Habitus aufzuzeigen und zu verändern - im Auge des Betrachter, das zuallererst das Auge der Fotografin ist.

Ferdinand Schmatz
Jenseits der Pose posiert. - Zu den fotografischen Porträts von Cora Pongracz

Die feministische Künstlerfotografie hat in den 70er und frühen 80er Jahren auch in Österreich eine große Produktivität erlebt, die nicht nur auf die Körpersprache oder die Dokumentation von feministischen Aktionen (Export, Pezold, ...) beschränkt blieb, sondern auch Formen der Selbstdarstellung und der konzeptuellen Fotografie aufgreift und untereinander verbindet (Kubelka-Bondy, Pongracz, ...). Die Methode der Bildreihe, wo erst durch die Gesamtheit der Fotografien der signifikante Zusammenhang entsteht, erfährt in einem ausgereiften Projekt der feministischen Fotografie, - in den "8 Erweiterten Portraits - Frauen in Wien" 1974 - v. Cora Pongracz ihre Anwendung, wo ganz bewußt die Einsicht, daß es nicht ein gültiges Bild einer Person gibt, daß erst die Facetten, viele gleichbedeutende Bildteile, eine komplettes Bild ergeben, umgesetzt wird. Cora Pongracz läßt die darzustellenden Personen sich selbst inszenieren, bevor sie diese fotografiert. Sie sagt dem Einzelbild ab, zugunsten von Bildgeschichten, Bildreihen. Ihre Erweiterung des Einzelbildes ist also nicht nur eine formale, die der Zeitstruktur, sondern auch eine assoziative, inszenatorische. Was Cora Pongracz´ Fotografie auszeichnet, ist die Aufsplitterung der Beziehungen des Objektes zum Bild und eine Verweigerung der einfachen, identifizierenden fotografischen Abbildung und Interpretation, wodurch iene reiche Associativität und Aussagerkraft entsteht, die charakteristisch ist für diese Frauenportraits.

Je mehr konzeptuelle Verfahren wie Ausschnitt, Wiederholung, Blickwinkel, Standort in ihren Fotoserien benutzt werden, umso deutlicher tritt die Eigentümlichkeit ihres Blickes, die man als weibliche Diffraktion bezeichnen kann, zutage. (siehe Portrait Suzanne Widl und Serie "Verwechslungen"). Durch die Kombination von Bildreihen und objektualen Inszenierungen ist Cora Pongracz´ Werk nicht nur für die feministische Künstler-Fotografie in Österreich, sondern auch für spätere Schulen von fotografischen Bilddichtungen, die sich von direkten Personen-Portraits abgewendet haben, von zentraler Bedeutung.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung
Verleihung des österreichischen Würdigungspreises für künstlerische Fotografie 2000
an CORA PONGRACZ
und Buchpräsentation
CORA PONGRACZ . Fotografie