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Rechteckakzeptanz

Die äußeren Grenzen im Inneren
 GALERIE SCHAFSCHETZY STUDIO
  26.10. - 23.11.2002

 

 


Neuere (österreichische) Tafelbildkonzepte ausgewählt von Georg Salner

Ausgangspunkt für die Idee dieser Ausstellung ist meine persönliche Methode der Abwandlung des "flachen, rechteckigen Objektes" Tafelbild in Serien mit verschiedenen Bildkörpern, Materialien, Farbqualitäten und Produktionsweisen.
Dies schafft zwangsläufig Verwandschaften zu Zeitgenossen, bei welchen ebenso - zumindes phasenweise - dieser überkommende Typus der rechteckigen Fläche mit ihren multiplikatorisch ins Innere projizierbaren Begrenzungen als primärem Ordnungsfaktor im Mittelpunkt ihrer Konzeption vom Tafelbild steht.
Das Prinzip des Rasters bzw. dessen Teildimensionen im Rechteck sind so allgemein, naheliegend unter der stringenten Abhandlung einer Fläche so unmittelbar dienlich, dass er immer wieder von Bildschaffenden aufgegriffen wird. (In der jüngeren Kunstgeschichte von Josef Albers, Barnett Newman, Morris Louis, Mark Rothko, Ad Reinhardt, Frank Stella, Richard Artschwager, Donald Judd, Agnes Martin, Francois Morrelet, Daniel Buren, Peter Halley u.a.)
Dabei ist der inhaltlichen Vieldeutigkeit und formalen Ausdeutbarkeit dieser ersten Ordnung nur die Grenze der Bildbegrenzung gesetzt. Sie lässt Raum für eine Vielfalt freier Interpretationen und ermöglicht eine unaufgeregte, lapidare Arbeitsweise.
Die Ergebnisse zeitigen subtile malerische Oberflächen durch genau bestimmten Farbauftrag, durch den Einsatz textiler und anderer Materialien oder z.B. durch Abgussverfahren. Dazu kommt oft das raffinierte Spiel mit Volumina und komplexe Objektwandlungen. Computereinsatz und eine davon abhängige Fertigungstechnik sind für manche wesentlich.

In der Ausstellungen werden also einige markante Positionen, die unverwechselbare "sinnliche Konzepte" dieser Art von Tafelbild verkörpern, unter dem genannten systematischen Ansatz intuitiv versammelt. Die stilistische Spanne im Malerischen reicht von Ornament über Trompe-l'Oeil bis zu abstrakter Expression oder einfach dem Farb-Material-Objekt. Der Bildraum wird real im Objekthaften oder scheinräumlich durch die Farbebenen und andere gestalterische Eingriffe, manchmal in beiderlei Hinsicht definiert und kodiert.

Neben dem Teilaspekt dieser Art des Tafelbilds als ungebrochen selbstbezüglicher Gegenstand existiert bei vielen Künstlerinnen und Künstlern der vorgestellten, keinesfalls vollständigen Auswahl eine meist offensichtliche Verbindung zu einer raumgreifenden, installativen oder architekturbezogenen Werkkomponente. Das Tafelbild und seine "Sprengung" und Ausweitung schließen sich nichtmehr aus, sondern bedingen und ergänzen einander.
In welchem weiteren Zusammenhang die Bilder auch zu sehen und auf welche Weise sie entstanden sind - immer sind sie besonders wirksame bildnerische Einheiten, da die eingesetzten formalen Mittel sich unmittelbar mit der Grundform im Einklang setzen.

Georg Salner