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Klaus Ludwig Kerstinger

Landscapes

 

 GALERIE SCHAFSCHETZY
 25.03. - 28.04.2012

Vernissage: am Samstag, dem 24. März 2012, um 11:00 Uhr

Klaus Ludwig Kerstinger – Zweite Landschaft

Das Genre der Landschaftsmalerei ist von jeher geprägt durch die Darstellung der gegenständlichen Natur, ebenso wie von Menschen geschaffenen Naturveränderungen, sogenannten Kulturlandschaften. Aber auch Stadtansichten gehören zu diesem Bereich. Insofern spiegeln Landschaftsbilder stets ein Gefühl für ihre jeweilige Zeit wieder. Ihr Zentrum und Gegenstand ist immer der repräsentierte Raum. Ein landläufiges Klischee dieser Gattung ist bestimmt die Ruhe und die Verlangsamung, die Kontemplation, die schon im Malprozess eingeschrieben scheint: Der Künstler beobachtet ruhig, womöglich sogar vor Ort, mit einer Staffelei sitzend, widmet sich ganz dem Motiv. Aber auch das Gegenteil; das Bedrohliche und Unheimliche, das von einer Landschaft ausgehen kann, ist uns vertraut – das Gewitter, ein Sturm, der unsere Gefühle in Aufruhr bringt; die Natur, die sich gegen den Menschen stellt. Um Klaus Ludwig Kerstingers Serie Landscapes genauer zu untersuchen, empfiehlt sich dieser kleine Exkurs zu den Wurzeln des Genres. Denn das Verständnis der Landschaft bei Klaus Ludwig Kerstinger ist ein umfassendes in diesem Sinne, es entwickelt sich stark aus seiner Sicht der Stadt, birgt sowohl Kontemplation als auch Unheimliches. Seine Landschaft entspricht aber vielmehr einer zweiten Natur. Einer Natur die bereits vom Menschen grob bearbeitet wurde; im wahrsten Sinne des Wortes ein Großstadtdschungel. Das Bedrohliche an diesen Bildern ist, dass sich diese einst menschliche Aneignung wiederholt. In postapokalyptischen Ruinen erobern bereits die Tiere das Terrain und zeugen durch teils böse Blicke (fiese Ziesel) von einem Sieg über die technische Welt. Es sind kulissenhafte Türme, wie aus einem Animationsfilmstill, geknickt und dem Verfall preisgegeben. Diese Rückeroberung findet oftmals ohne den Menschen statt, der nur mehr vereinzelt als Wandler oder Schattenbild durch die Gegenden zieht. Kerstingers Landscapes sind vielschichtige Überlagerungen. Die differenten Ebenen erscheinen bewusst montiert und zusammengesetzt, ebenso wie er schon in seiner Paraphrasenserie mit Überlagerungen arbeitete. Kunstgeschichtliche Bildreferenzen von Breughel über Bosch bis zu Michelangelo mischen sich in diesem Zyklus in urbane Umgebungen. Ausgangspunkt und Vorbote dieser Serie äußerst dichter und intensiver Bilder, sind Kerstingers Momentaufnahmen; leichte ungezwungene Stadtansichten, gleich beiläufigen Schnappschüssen. Es ist ein Wechselspiel mit Hoch- und Popkultur, ein Zitathaufen der Moderne, aber auch ein Trotzen der Krise der Malerei durch die Fotografie. Die Fotografie ist trotzdem bestimmendes Medium. So paradox es scheint, geht es Kerstinger doch immer um Geschwindigkeit. Seine Malerei ist eine der Geschwindigkeit, dies spiegelt sich bereits im Material wieder; verwendet werden vor allem Eddingstifte und Acryl. Der Unterschied zur Fotografie liegt freilich im Fokus, im Blickwinkel. Kerstingers Bilder sind ebenso Dokumente der Zeit wie es Landschaftsbilder in guter Tradition sind. Sie konservieren Logos und Zeichen, dokumentieren vergessene Städte, zeigen Zusammenhänge. Wenn erst einmal die Tiere übernommen haben, werden wir Schatten diese Dokumente dringend benötigen, ebenso wie die plastischen Leitern und Lianen, die einen Ausstieg aus dem Bildraum ermöglichen.

Text: Manfred Wiplinger


Klaus Ludwig Kerstinger, Zyklus Landscapes, 2012