Bertram HASENAUER - „Alytus“
Bertram HASENAUER malt menschliche Figuren. Diese sind nicht frei erfunden sondern real, auch wenn sie in der von
HASENAUER stark reduzierten Wiedergabe eher wie zeitlose Wesen wirken. Sie erzählen keine Geschichten, da es dem
Künstler nach eigener Aussage fern liegt narrativ zu sein. Auf der anderen Seite wirken die Figuren voll beredtem Schweigen
und der Betrachter wird unwillkürlich dazu verführt, sich eine Geschichte zu den Protagonisten zu überlegen. Der Künstler
malt seine Figuren vor monochromen weißen oder manchmal auch dunklen Bildhintergründen. Weiß ist die wichtigste Farbe
für HASENAUER, er setzt sie im Hintergrund, in der Kleidung und zur Wiedergabe der Blässe des Inkarnats ein. Gerade durch
die helle Farbgebung kommt ein Leuchten zu Stande, welches HASENAUER als „Aura“ seiner Werke bezeichnet, etwas
Unbeschreib- und Unmessbares. “Ich setze bis auf wenige Aufnahmen, nur eine Person ins Bild, weil ich sie für wichtig halte,
hebe ich sie so hervor”, so Hasenauer. Seine Menschen-Figuren sind ebenso gleichermaßen anwesend wie abwesend und
obwohl sie dem Zeitgeist unterworfen sind, haben sie sich aus unserer schnelllebigen Zeit verabschiedet, und erfüllen eine
eigene, unbekannte Mission. Sie sind in sich zurückgezogen, auf ihr Innerstes konzentriert, abgewandt, verhüllt oder
verschmelzen nahezu mit dem amorphen Hintergrund. Nicht Individualität persönliche Merkmale, im Antlitz sichtbar
gewordene Charaktereigenschaften oder Lebensweisen darzustellen, fasziniert Hasenauer, sondern eine Grundform dafür zu
finden, was einen Menschen ausmacht. HASENAUER geht es um Kunst, die auch ohne den Diskurs soziokultureller Einbettung
für sich stehen kann. Er will keinen materiellen Aufwand, sondern Reduzierung auf das Bild des Menschen ohne Umfeld, ohne
Hintergrund. HASENAUERs Bildfiguren sind idealisiert und entpersönlicht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass für den
Künstler eine realistische Wiedergabe nicht von Interesse ist, sondern die Darstellbarkeit der Idee von Haar, der Idee von
Kleidung, der Idee einer Person eine Rolle spielt. Wichtig in HASENAUERs Werk ist der Aspekt des seriellen Arbeitens. Dies wird nicht nur in der wiederholten Bearbeitung
ein und derselben Fotovorlage deutlich, sondern auch in der Betitelung seiner Werke, wodurch sich Werkgruppen
zusammenfassen lassen. Während seine Bilder „Ewe“ stets Menschen mit geschlossenen Augen zeigen, werden in „All instant
things are fading“ Rückenansichten dargestellt und in „you somehow slip away“ kommt das klassische Frontalporträt zur
Anwendung. Aber auch die Titelwahl seiner Ausstellungen folgen einem Schema, sie sind nach geographischen Begriffen
benannt. „Alytus“ ist eine Stadt im südöstlichen Litauen. Der Titel dieser Ausstellung fügt sich damit in eine Reihe Vorheriger
ein, welche sich immer geheimnisvoll und mythisch anhören, aber doch einen ganz realen Hintergrund haben („Sulur“ - ein Atla“ - Fluss in Estland). Die hinter seinen fotografischen Vorlagen real
existierenden, ihm aber bis auf eine einzige Ausnahme unbekannten Menschen, werden durch das Porträtieren auf eine
neutrale Bildfläche gebannt und durch den geografischen Begriff des Ausstellungstitels gleichsam aus einem anonymen Raum
herausgehoben und an konkrete Orte verwiesen. Für HASENAUER „potenziert sich das Geheimnis“ um diese Figuren.
Die Arbeiten des Eisler Preisträgers Bertram HASENAUER, der in den Sammlungen der Landesgalerie am
Oberösterreichischen Landesmuseum, des Lentos Kunstmuseums Linz, des Strabag Kunstforums Wien, sowie des Museums
der Moderne Salzburg vertreten ist, waren 2010 in der von Presse und Publikum stark reflektierten und äußerst erfolgreichen
Personale „Súlur. Bilder und Zeichnungen“ im Museum der Moderne Rupertinum Salzburg zu sehen. HASENAUER hat eine
unverwechselbare künstlerische Handschrift entwickelt, die international verstanden wird. Das Menschenbild wird anonym, ein
Distanzieren vom Betrachter, keine unmittelbare Kommunikation findet statt. „Innerhalb der neuen malerischen Figuration hat
er eine eigene Position: Er erzählt keine Geschichten, dokumentiert jeweils einen Augenblick.“ Mit dieser Begründung hat die
Jury Bertram HASENAUER 2011 den Großen Kunstpreis des Landes Salzburg verliehen.

Alfred HABERPOINTNER – „Struktur-Textur-Raum“
Der österreichische Bildhauer Alfred HABERPOINTNER behandelt Holz und dies im wahrsten Sinne des
Wortes. Die Behandlung des Materials in all seinen möglichen Nuancen und Schattierungen erfolgt durch eine
kraftvolle mechanische Behandlung, deren Spuren sichtbar werden. Der Künstler schlägt, hackt und brennt,
fordert das Material heraus und verlangt ihm alles ab. Das Resultat sind Werke, die einerseits konkret figürlich
erkennbar und fassbar sind, aber andererseits auch in ihrer abstrakten Geometrie verhaften bleiben können.
HABERPOINTNERs Skulpturen, seien es Hände, Haken, (überlebensgroße) Köpfe oder Schuhe sind Zeichen,
die immer auch kultur-soziologisch konnotiert sind. Sei es die geöffnete Hand, welche auf Bitte und Gabe
verweist, oder der Haken, der für Gewicht, Hängen, Heben und Tragen steht. HABERPOINTNER will keine
Geschichten erzählen, nicht interpretieren, viel mehr ist für ihn das Zusammenspiel von Form, Material,
Oberfläche, und Zeichen entscheidend. Gerade die Form ist in den Werken des Künstlers durch ihre
Subjektivität und Prägnanz charakterisiert. HABERPOINTNER will keine genauen anatomischen oder
mathematischen Formen schaffen, sondern viel mehr eine mögliche Komplexität und Variation kreieren. Nicht
zuletzt verweisen die sich wiederholenden Motive auf HABERPOINTNERs Absicht, dass seine Skulpturen nicht
mehr als Bildhauerei sein wollen.
„Entscheidend ist diese gewisse Art [der] Liebe zum Holz. Auf der einen Seite ist es etwas, mit dem ich sehr
stark verbunden bin. Auf der anderen Seite bemühe ich mich, diese Verbundenheit auch zu überwinden, [...] sie
wieder abzuschütteln, sie in den Hintergrund zu drängen“, sagt der Künstler über sein Verhältnis zum Material
Holz. Sein Versuch zu verdrängen, wird bei ihm durch ein Verdrängen der Holzsichtigkeit, wie sie uns in der
Natur begegnet, evoziert. Ob er seine Holzköpfe mit Blei überzieht oder sie mit Eisenplättchen versieht, der
darunterliegende Holzkörper bleibt immer erkennbar. Auch bei seinen „gehackten“ und „geschlagenen“
Objekten werden die Eigenschaften des Holzes buchstäblich an die Oberfläche gebracht.
Die Wahrnehmung des Betrachters setzt bei HABERPOINTNERs Werken einen aktiven und konstruktiven
Vorgang voraus. Nicht nur das Auge wird angeregt, sondern auch der Tastsinn. Die obsessive Bearbeitung regt
das Materialgefühl des Betrachters an, welche in einer einzigartigen Tasterfahrung resultiert. Der Künstler macht
auf diese Weise auf die Erfahrungsarmut in Bezug auf Natur aufmerksam, welche den anonymisierten,
anscheinend allwissenden Stadtmenschen längst eingeholt hat. In der Ausstellung Struktur-Textur-Raum
soll dieses Verhältnis von Künstler, Material und Betrachter angesprochen werden und zu Diskussionen führen.
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