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Sigi Faschingbauer

Der Tänzer - Aufzeichnungen


  GALERIE EUGEN LENDL
 13.06. - 05.07.2012


Vernissage am Dienstag, dem 12. Juni 2012, um 18:00 Uhr


Im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit – wie ihrer Transformierbarkeit – verschwindet die Handschrift zusehends aus unseren Kommunikationsformen. Damit auch die Weitergabe von Hand geschriebener Schrift als individuelles Ausdrucksmittel, das neben seinem Inhalt auch direkten Bezug zur Person der Schreiberin, des Schreibers, suggeriert. Umso plausibler erscheint es gerade unter diesen Umständen, wenn Handschrift, als formales wie den Inhalt bestimmendes Element, in die bildende Kunst einfließt, die Hand, wie es in der Fachsprache heißt, als Hand-Schrift die direkte Verbindung zum Künstler herstellt.

Sigi Faschingbauer ist Autor respektive Dichter, Zeichner, Maler und Plastiker, wobei die Frage nach Henne oder Ei bei ihm eigentlich keine Rolle spielt. Angesichts mehrerer Projekte der vergangenen Jahre kann man betreffend seine genreübergreifende Arbeitsweise durchaus von inhaltlichen wie formalen Metamorphosen sprechen, nach denen erzählender Text zu (Hand-)Schrift im anderen Medium wird oder zuvor entstandene Bilder zu narrativem Text gewissermaßen umgeformt werden. Den nun präsentierten AUFZEICHNUNGEN ging Faschingbauers neuer Roman DER TÄNZER voraus.
Dabei handelt es sich keineswegs um Illustrationen der Erzählungen des Romans, vielmehr werden Handlungsstränge in assoziativen Bildern und Objekten weitergeführt. Gemalte Handschrift wird hier zum kompositorischen, den Bildraum und -rhythmus bestimmenden Element, mit dem abstrahierte Figuren bzw. Körper – wie im Tanz– zu interagieren scheinen. TextBilder nennt Faschingbauer dieses kompositorische, sein Werk bezeichnende Prinzip von Übergängen zwischen Schrift und Ornament, zwischen Ornament und Figuration. Entwürfe, Notizen, Probedrucke und allfälliges Material werden in quaderförmige Objekte verpackt, damit die Genese des Romans, die schließlich auch in die Ausstellung führte, zum einen verschleiert; erhalten dagegen bleibt sie insofern, als die literarischen Inhalte nun in anderer und neuer Form – als Plastiken – wieder erscheinen.

„Das wichtigste Ausdrucksmittel ist die Schrift und ihre kompositorische Wiedergabe“, schreibt Sigi Faschingbauer 2009 im Kornblumen Skriptural, „flüchtige Gedanken, die wieder verloren gehen, wenn man sie nicht rasch genug zu Papier, oder auf irgend ein anderes Material aufbringt, auch wenn es letztendlich unlesbare Botschaften für den Betrachter sind, rätselhafte Gebärden, abstrakten Kürzeln ähnlich.“

Wenzel Mracek