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Anna Konik

Our Lady’s Forever


  GALERIE EUGEN LENDL
 22.09. - 20.10.2007

Vernissage: am Freitag, 21. September 2007; 19.00 - 22.00 Uhr


Durch ihren sehr sensiblen Umgang mit Menschen hat Anna Konik (*1974, lebt in Warschau) eine ganz andere Stimmlage innerhalb der polnischen Videokunstgeschichte eingeführt, die vielleicht als feminin, eher aber als human bezeichnet werden kann. ‘Our Lady’s Forever’ ist Anna Koniks jüngste Videoarbeit. Die Künstlerin setzt Themen fort, die sie in früheren Videoarbeiten behandelt hat und die nun sehr deutlich als ihre Leitmotive zum Vorschein treten: Das Thema des Alleinseins, der Isolation, der Sinnsuche bzw. der psychischen Erkrankung. Zu sehen sind eine junge Frau und ein junger Mann sowie ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge, die durch die leeren, verwitterten Räume eines irischen Krankenhauses streifen und sich doch nicht begegnen. Sind sie auf der Suche nach etwas oder suchen sie nach dem/der anderen Person? Oder sind sie in einer dem Betrachter unbekannten Vergangenheit gefangen, Spuren ertastend? Die Bilder sind begleitet von einer suggestiven Tonspur, die auf einem Gedicht, das die Künstlerin in Warschau von einem jungen Mann vor sechs Jahren geschenkt bekam, basieren. Eine Liebesgeschichte lässt sich vermuten. Oder des Menschen ewige Seinsfrage oder Selbstbespiegelung bzw. Selbstvergewisserung?
Die surrealistisch-poetischen Worte und die sinnlichen Bilder belassen Raum für eigene Assoziationen. Das Motiv des Puzzles, das im Video vorkommt und in der Ausstellung als reales ausliegt, kann für die künstlerische Methode von Anna Konik stehen: Ein ganzheitliches "Bild", eine bestimmte Interpretation von "Our Lady’s Forever" lässt sich nicht zusammenfügen. Im Puzzle fehlt sprichwörtlich ein Teil. Es ist jenes maßgebliche Stück, das den erzählten Geschichten generell den nötigen Freiraum belässt. Die Künstlerin betont ihr ästhetische Prinzip durch die Installation in den Galerieräumen: Videoprojektionen sind kombiniert mit Zeichnungen und Fotografien. Erst bei längerem Betrachten wird deutlich, dass es sich nicht um die gleichen Szenen handelt, sondern Varianten von Gesten und Perspektiven. Bekanntes und doch nicht Erkanntes, Vertrautes und doch Fremdes, das Thema und seine Variationen liegen ganz nah nebeneinander und verschränken sich zu einer immer wieder auf’s Neue erzählten Geschichte, ohne Ende, ohne Anfang.

Dr. Andrea Domesle

Die Ausstellung ist Teil einer Tournee, die im Juni in der Zacheta National Gallery of Art, Warsaw begann und 2007-2009 zu sehen ist in European Forum for Emerging Creation, Pépinieres, Luxembourg, The Crawford Municipal Art Gallery, Cork, Irland, Photo and Video Festival in Braga, Portugal und Städtische Galerie Wolfsburg, Deutschland.

Zur Ausstellungstournee erschien ein Katalog mit Texten von Andrea Domesle, Eszter Lázár, Peter Murray, Ewa Witkowska.