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la vida es una fiebere perpetua -
das Leben ein nicht endendes Fieber

Carmen Calvo
Susy Gómez
Paloma Navares
Paloma Muñoz & Walter Martin


  GALERIE EUGEN LENDL
 08.11. - 15.12.2006

Vernissage: am Dienstag, den 7. November 2006, um 19.00 Uhr


Die Entwicklung der spanischen Kunst seit dem Ende des Franco-Regimes wurde wesentlich von starken Frauen mitgeprägt. Autoritäre familiäre Strukturen, Machismus und gesellschaftliche Traditionen, die der Rückendeckung einer allgegenwärtigen katholischen Kirche sicher sein konnten waren Barrieren, gegen die Ende der 70er Jahre nur eine neue Generation von Künstlern angehen konnte. Der Beitritt der jungen Demokratie zur EG 1986 eröffnete dem Land neue ökonomische Chancen und vor allem den Frauen breiten Zugang zu höheren Bildungsmöglichkeiten und qualifizierter Beschäftigung. Gerade die Künstlerinnen haben sich selbstbewusst, unkonventionell und mutig gesellschaftlich virulenter, politischer Themen angenommen und gleichzeitig die neuen Medien als erste für sich okkupiert und benützt.
Die Ausstellung ist der Versuch einer Auswahl  wesentlicher Protagonistinnen und Aspekte dieser erstaunlichen, doch anders als im übrigen Europa verlaufenden Entwicklung.

Carmen Calvo
Eine aufsässige junge Generation wollte die vom Franco-Regime zerfressene Gesellschaft verändern. „Kunst als soziales und ästhetisches Engagement“ - das Dogma, das die 1950 geborene Calvo bis heute nicht über Bord geworfen hat. Das konnte weder die Biennale in Venedig 1997, an der sie Spanien repräsentierte noch eine Ihrer Ausstellungen in den großen Museen der Welt verändern: ihre wache unmittelbare Anteilnahme und ihre absolute Identität von Leben und Werk. Jeder Tag gebiert neue menschliche Tragödien, Katastrophen und Desaster: missbrauchte Kindheit, Gewalt gegen Frauen, Liebe, Sexualität, Hass, Kriminalität, Schmerz, peinvolle Strategien der Unterdrückung, Blut und Tod. Hier schlägt die Stunde der Carmen Calvo und der ewig subversiven Kraft der Kunst. Das Verändern von Identitäten oder Botschaften durch Überzeichnen, Überkleben oder Überschreiben von Zeitungsartikeln, alten Fotografien oder Briefen spielt eine zentrale Rolle im Werk der Calvo. Dabei bedient sie sich ausschließlich an Materialien, die ihr die Realität liefert. Ihr Werk hat die dramatische Präsenz, die – schockiert – zwingt innezuhalten, nachzudenken und Partei zu beziehen.

Paloma Navares
Paloma Navares (geboren 1947 in Burgos) kommt zweifellos in Spanien eine historische Position zu: sie ist seit vielen Jahren nicht nur eine Leitfigur der konzeptionellen Kunst, sondern absolut „die Multimediakünstlerin“ der ersten Stunde, die durch ihre insistente Konsequenz den neuen Medien im bis dahin traditionell der Malerei verpflichteten Spanien viel mehr als nur zum Durchbruch, sondern zu ihrem heutigen künstlerischen Rang verholfen hat. „Ich ist etwas Anderes“  war nicht nur der Titel einer  Ausstellung in der Kunstsammlung Düsseldorf 2000, in deren Mittelpunkt ihre Kunstfigur „Milenia“ stand; dieser Satz definiert sehr exakt Paloma Navares’ künstlerische Programmatik. In ihren hochsensiblen, komplexen poetischen Werken scheinen Leid,  Ausweglosigkeit, Zerbrechen und Scheitern im Diesseits oft als äquivalenter, melancholischer Preis für Anerkennung über den Tag hinaus. Paloma Navares ist keine Feministin, Paloma Navares ist Partei, bleibt Partei und wird immer Partei bleiben für selbstbestimmte Frauen. Sie hat durch ihr Beispiel schon viel möglich gemacht.

Paloma Muñoz & Walter Martin
Die Schneekugeln des spanisch-amerikanischen Künstlerpaars Paloma Muñoz & Walter Martin reizen die Wahrnehmung des Betrachters auf mehreren Ebenen. Unter Vorspiegelung einer  vertrauten Idylle, die allerdings heute kaum noch - weder in biederen Wallfahrtsorten noch in Edelkitschläden für Touristen - aufzustöbern ist, führen uns Paloma Muñoz & Walter Martin ordentlich aufs Glatteis – ein Wintermärchen? Legt sich erst der Flockenwirbel offenbaren sich seltsame, subversive Szenerien entgleist zwischen absurder Komik und Tragik, welche einem das Lachen abrupt im Ansatz gefrieren lassen. „Traveller“ sind kleine Figuren aus Blei-Epoxy, die rast - und ausweglos wie Goldfische in ihren kleinen Glaskugeln kreisen, sich belauern bis der ganze „normale“ biedermeierliche Wahnwitz eskaliert und die Idylle implodiert.

Susy Gómez
Die junge, 1964 auf Mallorca geborene Künstlerin Susy Gómez hat sich als äußerst vielseitige und vitale Künstlerin in nur wenigen Jahren in den Focus der internationalen Kunstwelt geschoben. Erst in allerletzter Zeit ist sie auch wieder zu ihren künstlerischen Wurzeln, der Malerei zurückgekehrt und versteht es, Malerei, Skulptur, Photographie, Video und Performance zu großen installativen Arbeiten zu vereinigen. Ausgestattet mit der Fähigkeit aus der eigenen Biographie zu schöpfen, verwendet sie Relikte ihres Lebens, um emotionale Prozesse und Reflexionen hervorzurufen, gewissermassen mentale Landschaften zu schaffen, in die wir eintauchen können; ein konstantes Selbstbildnis in Form von begehbaren Räumen, in denen wir ein Wort, eine Stimmung oder eine Erinnerung durchschreiten können. Die Auseinandersetzung mit dem Spannungsbogen, der zwischen  Betrachter und Susy’s Akt des Sich-Zeigens als kreativem Prozess entsteht, ist eine wesentliche Konstante Ihrer Arbeit.