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Alicja Kwade

"299711,537 Km/s"


  GALERIE EUGEN LENDL
 17.04. - 05.06.2005

Vernissage: am Samstag, dem 16. April 2005, um 16.00 Uhr
im Rahmen von aktuelle kunst in graz – Galerientage
Die Künstlerin ist anwesend.


Ort:
Galerie Eugen Lendl
New Space
Palais Wildenstein
Hans-Sachs-Gasse 1/I
A-8010 Graz
Fon: +43 (0)316 82 55 14
Fax: +43 (0)316 81 65 76 4

Restlicht

"Haben Sie schon mal über einen Ereignishorizont schwarzer Löcher nachgedacht und was hinter diesem liegen könnte?

Das ist so ungefähr wie mit der Erde, die eine Scheibe ist und alles was über den Rand kommt, fällt runter, wohin weiß man nicht, will es eigentlich auch gar nicht wissen. Nur das Eine war eine Erklärung für eine Welt, die um erklärbar zu sein, auch beschränkt sein musste, das Andere ist modernste theoretische Astrophysik.

Man weiß es nämlich auch nicht, kann es mathematisch nur vermuten und das Ganze ist nur in einer hohen Abstraktion vorstellbar, wenn überhaupt. Nicht jeder Kopf kann in der gewünschten Weise denken. Der Ansatz soll ein Universum erklären, das wahrscheinlich unendlich ist.

Alicja Kwade beschäftigt sich in ihren Arbeiten unter anderem mit Fragen der Physik. Vor allem aber mit sichtbaren und unsichtbaren Dingen. Ihre Arbeiten sind Versuchsanordnungen ähnlich und transmutieren im Ergebnis Sachverhalte

ohne Beispiel und Beweis zum Artefakt. Tröstlich ist, dass uns die Künstlerin einfache Erklärungsmittel zur Verfügung stellt. Die Parodien und Ironien, die mit Wahrscheinlichkeiten und großen Zahlen spielen, die dann wieder kleine Fehler haben, stellen auch die Hybris menschlicher Erkenntnis in Frage. Was sieht man, was verbirgt sich im Dunkeln?

Sind es die Sterne oder ist es nur Restlicht? Was ist ein  Stück Kohle, wenn nicht die Vorstufe eines Diamanten und was passiert, wenn ein sehr, sehr großer Diamant auf die Erde fällt? Platzen dann die Börsen oder ist das der neue Brennstoff, denn Diamanten brennen. Das wusste natürlich der Kunst, Naturalien und Kuriosa sammelnde Gottfried Christoph Beireis (Über den Nutzen und die Unentbehrlichkeit der Naturgeschichte, 1775) und verbrannte nach der Abreise des Geheimrates Goethes, der ihm weder die Echtheit der Bilder noch des großen Diamanten glaubte, seinen zu Asche.

Man könnte sagen er erbrachte einen negativen Beweis. Der Diamant war pfutsch, die Asche blieb als Artefakt. So gesehen helfen die Werke Alicja Kwades auf dem Weg der Erkenntnis über poetische Umwege und über das Vergnügen an Kunst.

Und das wusste schon Johann Joachim Winckelmann (Die Geschichte der Kunst des Altertums, 1764), dass das beides zusammengehört."

Peter Lang, Gastkurator am Kunsthaus Bethanien, Berlin.