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Robert Schaberl & Eric Aupol

"Zentralformen & Fotos"


  GALERIE EUGEN LENDL
 03.07. - 24.08.2004

 

Vernissage: am Freitag, dem 2. Juli 2004, um 17:00 Uhr


Robert Schaberl
Die "Zentralformen" sollen zunächst die sinnliche Wahrnehmung ansprechen. Der Betrachter wird von der Bildoberfläche in den Bann gezogen, die sich ihm schillernd, lichtbündelnd und glänzend präsentiert. Nähert er sich dieser Bildfläche, ändert sich jedoch dieser Eindruck: Was er zu sehen vermeint hat, ist aus der Nähe betrachtet nicht mehr greifbar, da es sich in Farbmasse, Kratzspuren und Spiegelungen auflöst. Aus der Distanz sieht er eine Farbfläche, die Licht zum Zentrum hin verdichtet und dadurch eine indifferente farbräumliche Situation vorgibt. […] Die Lichtbündelungen weisen zum Zentrum des Bildes hin und bewirken dadurch den Eindruck von streng konzentrisch gemalten Kreisen. Doch an diesem Punkt täuscht die Sinneserfahrung den Betrachter: Denn was als Kreis erscheint, ist in Wirklichkeit ein Oval. Der Mittelpunkt der gedachten Kreisform liegt nicht im geometrischen Zentrum, sondern außerhalb - im optischen Zentrum.

In der Serie der "Zentralformen" geht es mir um ein Aufspüren dieses vom Farbton abhängigen optischen Zentrums in der quadratischen Bildfläche. […] Die neue Serie ist in Acryltechnik ausgeführt, auf grundiertem Leinen oder ungrundierter roher Baumwolle gearbeitet. Die Verwendung von Interferenzpigmenten in Kombination mit zahllosen hauchdünnen transparenten Farbschichten aus Acrylfarbe aufgetragen, erlauben den Bildern sich komplett in ihrer Farbigkeit zu verändern, abhängig davon, ob man sie aus der Richtung des Lichtes oder gegen Richtung des Lichtes betrachtet. Diese Bilder reagieren in ihrer Farbigkeit äußerst sensitiv auf Lichtveränderungen und wirken beinahe wie farbige Spiegel. […]

Robert Schaberl, Mai 2004.

Eric Aupol
Wie das Gedächtnis von Orten wiedergeben? Wie die verschiedenen Schichten, die sich im Laufe der Jahre übereinander gelegt haben, wahrnehmen und fühlen? Eric Aupol konfrontiert sich mit dieser Frage und mit der Geschichte. Der Fotograf bemächtigt sich nicht unbewohnter, verlassener Räume, um sie durch eine Inszenierung wieder aufleben zu lassen. Er zeigt sie uns so, wie er sie entdeckt. Keine Kunstgriffe, auch nicht beim Licht, das natürlich bleibt. Aber um diese vergangene Zeit zu suchen, wendet er eine Methode an, die zum Thema passt. Er stellt seine Kamera auf eine sehr lange Belichtungszeit ein, um die Erinnerungen aufzunehmen. Und er verwendet dazu Filme, deren Verfallsdatum von der Zeit überholt wurde, wie jenes der Orte. Wie der Zweck der Bauten und die Verwendung durch den Menschen haben sich auch die Farben verändert. Das Bild wird präzis und trüb, rein und beängstigend. Ein Lagerhaus für Mehl hat in dunklen Stunden als Gefängnis für Deportierte gedient. Clairvaux war eine Abtei, bevor es ein Gefängnis war. Ein Freimaurertempel hat die Gestalt einer Gießerei angenommen, dann jene eines Altenheims. Ein Krankenhaus mutierte zum Museum. Dort steht die Zeit am Fuß eines Bettes still. Wenn die Fotografie ein Kampf gegen die Zeit ist, wird das in diesem Bild am schärfsten symbolisiert. <<

Emmanuel Fessy, 11/2001. (Übersetzung Galerie Eugen Lendl)