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Jakob Gasteiger

"follow this line"


  GALERIE EUGEN LENDL
 28.01. - 13.03.04

 

Vernissage: am Dienstag, dem 27. Jänner 2004, um 18:00 Uhr
Der Künstler ist anwesend.


"Stand die Beschäftigung mit Farbe mit Material bisher im Zentrum von Jakob Gasteigers objekthaften Strukturbildern, so ist es bei den neuen Arbeiten ein nur das Notwendigste aufweisender Umgang mit Farbe, der die bildnerische Verfahrensweise konstituiert. Farbe auf Leinwand oder Papier getropft, gegossen und geschüttet realisiert sich als analoge Spur des Entstehungsprozesses: Kräftige Linien, feinste Lineaturen, Liniengeflechte und Schraffuren bilden die reduzierte Syntax dieser Bildsprache.

Die hier akzentuierten einfachen, grafischen Formationen verweisen sowohl auf Gasteigers stringentes Konzept der minimalisierten und prozessorientierten Farbbearbeitung - bisher durch lineare Strukturierung von massiven Farbkörpern umgesetzt - verstehen sich aber auch als bewusst formalisierte Differenzbildung im Subtilen und erlauben damit Assoziationen zu musikalischen Kompositionsschemen der minimal-art, hier im Speziellen zu La Monte Youngs "Follow this line", deren Veränderung eines Grundtons kaum merklich anklingt. Die Möglichkeiten des Linearen osszilieren in diesem Sinn im Spannungsfeld der Linie als Exploration in der Farbe und der Linie als gestaltbildende, der Farbe inhärenten Form. Darüber hinaus leitet uns "die Linie als Blickbahn und Führerin des Auges"*I, bei Gasteiger zu verdichteten Raumlinien und eröffnet dem Betrachter Bildräume, die sich in zweifacher Hinsicht entfalten. Einerseits konzentrieren sich Linien punktuell zu rhythmischen Farbgittern und suggerieren Tiefe, anderseits erweitert sich der malerische Aspekt in Skulpturale indem Aluminiumfarbe eingesetzt wird. Die Momente des Grafischen, Malerischen und Plastischen gehen flie ßend ineinander über.

Das Überschreiten von Trennendem zeigt sich aber nicht nur im Bildlichen perse, sondern wird auch im medialen Austausch der angewandten Prozesse deutlich.

Den Vorgang des Giessens wendet Gasteiger ebenso mit dem Material Aluminium an und übersetzt das Procedere damit ins Plastische. Er leert flüssiges Aluminium ins Wasser, das Material erstarrt und bildet sich im Erkalten aus. Fotografiert und auf C-Print gebannt, verwandelt sich die Skulptur erneut in offene Bildstrukturen, deren r äumliche Dimension zum Ausgangspunkt zurückführt."

Elisabeth Voggeneder, FOLLOW THIS LINE - Die Linie als Trennendes und Verbindendes. Notizen zu den neuen Arbeiten von Jakob Gasteiger, 2003.

*I Wölfflin, Heinrich, Kunstgeschichtliche Grundbegriffe. Das Problem der Stilentwicklung in der neueren Kunst, (17. Aufl.), Basel 1984, S. 27.