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Franz Grabmayr
Franz Grabmayr als Maler schlechthin zu nennen, ist
so richtig wie unvollständig.
Zweifelsohne ist der Österreicher einer der
begnadetsten Vertreter der Malerei, wenn man darunter das Bedecken
einer Leinwand oder eines anderen entsprechenden Bildträgers
mit Farbe versteht. Gewiss haben nur wenige Grabmayrs Sensibilität
für die Wirkung von Farbkontrasten und Farbharmonien, sein
Gefühl für den Ausgleich von optischen Gewichten oder
Farbtemperaturen entwickelt.
Zugleich sprengt Franz Grabmayr jedoch die Gattungsgrenzen
der Malerei: Und dies, obwohl er - darin durchaus der Tradition
klassischer Tafelmalerei verpflichtet - das Motiv, Personen, Landschaften
oder bewegte Figuren als Ausgangspunkt seiner Arbeit benötigen.
Was jedoch auf der Bildfläche an Farbe sich zuträgt, ist
durch die enge Gattungsbezeichnung "Malerei" nicht ausreichend
gedeckt. Das Pigment selbst, die Materialität, die Plastizität
der Oberfläche wird zum gleichberechtigten Partner der Farbwirkung:
die scharfen Grate und
die Schluchten, die fließenden und glänzenden Texturen
neben der stumpfen und grindigen Oberfläche. Alldem wird einzig
der komplexere Terminus "Materialkünstler" gerecht,
Franz Grabmayr ist ein Materialkünstler, der die Malerei ausreizt,
bis sie die Grenzen, die durch ihre eigene Geschichte definiert
ist, hinter sich lässt.
Darin ist er gewiss nicht der erste, aber zweifelsohne
einer der bedeutendsten und künstlerisch überzeugendsten
Exponenten des Umgang mit Pigmenten als Material und Farbe zugleich.
Richard Gerstl ist Grabmayr zu Beginn des zwanstigsten Jahrhunderts,
Otto Mühl in den fünfziger und sechziger Jahren nach der
Jahrhundertmitte vorausgegangen.
Mehr als Mühl ist Grabmayr jedoch ein Kolorist
von hohen Graden; mehr als Gerstl ist er Material Künstler,
der auch vor den Einschlüssen von Sand und Kies, von Asche,
Stroh und Holzstücken nicht zurückscheut. Das mag seine
Werke untauglich machen für Vorstellungen von Kunst, die mit
deren ewiger Unveränderlichkeit rechnen. Aber auch das gehört
zu Franz Grabmayr; dass die Dynamik seines Schaffensprzesses, die
explosive Kraft des Malens selbst mit der Fertigstellung des Bildes
nicht endet. die Dynamimk des Alterungsprozesses, der unterschielichen
Schrumpfung der Pigmente, das Entstehen von Rissen gehört zum
künstlerischen Konzept des Malers dazu, so wie das Altern eines
Menschen nicht einfach als Verfall, sondern als Reifungsprozess
gesehen werden kann.
Es nimmt nicht Wunder, dass der von einer breiten
Öffentlichkeit weit unterschätzte Künstler von den
österreichischen Vertretern der neuen Malerei wie ein Lehrmeister
verehrt wird. Schmalix, Damisch oder Herbert Brandl: sie alle wurden
ermutigt und bestärkt durch das Schaffen von Franz Grabmayr.
Während Leroy in Frankreich und Auerbach in
England längst als Fixsterne am Himmel
zeitgenössischen Umgangs mit Malerei gelten,
ist das Werk des gleichaltrigen Österreichers in seiner ganzen
Tiefe und Breite erst noch zu entdekcen: ein Kontinent, den zu entdecken
wahrlich lohnt.
Klaus Albrecht Schröder
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