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FRANZ GRABMAYR

"Aquarelle und Ölbilder"


  GALERIE EUGEN LENDL
 19.12. 2001 - 16.02.2002

 

Vernissage: Dienstag, 18. Dezember 2001, um 18:00 Uhr


Franz Grabmayr

Franz Grabmayr als Maler schlechthin zu nennen, ist so richtig wie unvollständig.

Zweifelsohne ist der Österreicher einer der begnadetsten Vertreter der Malerei, wenn man darunter das Bedecken einer Leinwand oder eines anderen entsprechenden Bildträgers mit Farbe versteht. Gewiss haben nur wenige Grabmayrs Sensibilität für die Wirkung von Farbkontrasten und Farbharmonien, sein Gefühl für den Ausgleich von optischen Gewichten oder Farbtemperaturen entwickelt.

Zugleich sprengt Franz Grabmayr jedoch die Gattungsgrenzen der Malerei: Und dies, obwohl er - darin durchaus der Tradition klassischer Tafelmalerei verpflichtet - das Motiv, Personen, Landschaften oder bewegte Figuren als Ausgangspunkt seiner Arbeit benötigen. Was jedoch auf der Bildfläche an Farbe sich zuträgt, ist durch die enge Gattungsbezeichnung "Malerei" nicht ausreichend gedeckt. Das Pigment selbst, die Materialität, die Plastizität der Oberfläche wird zum gleichberechtigten Partner der Farbwirkung: die scharfen Grate und
die Schluchten, die fließenden und glänzenden Texturen neben der stumpfen und grindigen Oberfläche. Alldem wird einzig der komplexere Terminus "Materialkünstler" gerecht, Franz Grabmayr ist ein Materialkünstler, der die Malerei ausreizt, bis sie die Grenzen, die durch ihre eigene Geschichte definiert ist, hinter sich lässt.

Darin ist er gewiss nicht der erste, aber zweifelsohne einer der bedeutendsten und künstlerisch überzeugendsten Exponenten des Umgang mit Pigmenten als Material und Farbe zugleich. Richard Gerstl ist Grabmayr zu Beginn des zwanstigsten Jahrhunderts, Otto Mühl in den fünfziger und sechziger Jahren nach der Jahrhundertmitte vorausgegangen.

Mehr als Mühl ist Grabmayr jedoch ein Kolorist von hohen Graden; mehr als Gerstl ist er Material Künstler, der auch vor den Einschlüssen von Sand und Kies, von Asche, Stroh und Holzstücken nicht zurückscheut. Das mag seine Werke untauglich machen für Vorstellungen von Kunst, die mit deren ewiger Unveränderlichkeit rechnen. Aber auch das gehört zu Franz Grabmayr; dass die Dynamik seines Schaffensprzesses, die explosive Kraft des Malens selbst mit der Fertigstellung des Bildes nicht endet. die Dynamimk des Alterungsprozesses, der unterschielichen Schrumpfung der Pigmente, das Entstehen von Rissen gehört zum künstlerischen Konzept des Malers dazu, so wie das Altern eines Menschen nicht einfach als Verfall, sondern als Reifungsprozess gesehen werden kann.

Es nimmt nicht Wunder, dass der von einer breiten Öffentlichkeit weit unterschätzte Künstler von den österreichischen Vertretern der neuen Malerei wie ein Lehrmeister verehrt wird. Schmalix, Damisch oder Herbert Brandl: sie alle wurden ermutigt und bestärkt durch das Schaffen von Franz Grabmayr.

Während Leroy in Frankreich und Auerbach in England längst als Fixsterne am Himmel

zeitgenössischen Umgangs mit Malerei gelten, ist das Werk des gleichaltrigen Österreichers in seiner ganzen Tiefe und Breite erst noch zu entdekcen: ein Kontinent, den zu entdecken wahrlich lohnt.

Klaus Albrecht Schröder