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Anton Henning

Vienna Suite No. 1, 2021
[vi'enə swi:t]

Galerie Ernst Hilger
 03.09. - 15.10.2021


 
Eröffnung: 2. September 2021, 19 Uhr 

 

bild

Wenn wir uns die Geschichte der Kunst als andauernde Konversation vorstellen,
dann ist Anton Henning ein „Meister-Konversationalist,“ der bei Tisch gleich mehrere
Sprachen spricht und immer wieder neue Unterhaltungen eröffnet.
Das Thema ändert sich dabei nicht. Bewusst bleibt Henning bei den gestrig
anmutenden Bildthemen wie dem Akt, Interieur, Stillleben und der Landschaft.

Henning arbeitet wie ein Spitzenkoch. Er hat einen ungeheuren Appetit für beides,
das Neue und das Alte, Rohes und Geschmortes, das Eigentümliche und das
Konventionelle, für Schärfe, Harmonie und Irritation, Ironie, Sinnlichkeit und
Romantik. Beinahe frech vermengt er seine Zutaten mit einem Spritzer Zitrone und
erfindet vollkommen neue Bildtypen, die einem doch wie alte Bekannte (von einem
anderen Stern) vorkommen. Der Betrachter findet sich wieder in einem Wechselspiel
von Vertrautem und Verstörendem, Komfort und Verschrobenheit.
Ginge es wirklich um Essen, würde man sich das ganze Menü mit genussvoll
geschlossenen Augen über die Zunge gehen lassen...
So hingegen ist ein Wimpernschlag eine kaum zumutbare Unterbrechung des
Augenschmauses. Für trockene Theoretiker allerdings ein Graus.

Anton Hennings Kunst sucht nicht den Konsens. Sie fordert uns heraus. Sie fordert
uns heraus zum Überdenken unseres Bildgedächtnisses und unserer bisherigen
ästhetischen Erfahrung. Dies alles mit scheinbar größter Mühelosigkeit.

Widersprüche kompositorisch zu vereinen ist ihm eine Lust, die Komposition geht
über das einzelne Werk hinaus in den Raum, die unterschiedlichen Räume stehen in
einem fein abgestimmten kompositorischen Verhältnis zueinander, so dass der
Betrachter einer Ausstellung sich in einem eigenen Kosmos wähnt, in dem sich
Henning mit seinen eigenen Möbeln, Teppichen, Lampen, Tischen, Skulpturen,
Zeichnungen, Malereien und sogar Musik, dem Konzept des Gesamtkunstwerks zu
verschreiben scheint, ohne sich diesem zu verpflichten.
Das alles muss erst einmal verdaut werden. Das weiß Henning und serviert
irgendwie noch den passenden Digestif...

Anton Hennings Unabhängigkeit und spielerischer Umgang mit scheinbar
Unvereinbarem macht ihn zur Quelle der Inspiration für zahlreiche jüngere Künstler,
wahrscheinlich auch bald für Köche.
George Robertson, London 2021