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La figuration narrative

GALERIE ERNST HILGER
  11.04. - 1. 06. 2002

 

Eröffnung: Donnerstag, 11. April 2002,19 Uhr


LA FIGURATION NARRATIVE :
MONORY, KLASEN, RANCILLAC, FROMANGER, ERRÓ

..."Neben der – von Pierre Restany geprägten – Tätigkeit der Nouveaux Réalistes, die eine gewisse Zeit als Synonym der europäischen Pop Art von der breiten Öffentlichkeit betrachtet wurde, gab es in Frankreich weitere wichtige Gruppierungen, deren Ausstellungen die unterschiedlichsten Tendenzen der politisch-soziologisch geprägten neuen figurativen Kunst präsentierten. Schon 1961, ein Jahr nach der Gründung des schnell berühmt gewordenen Nouveaux Réalisme, haben Künstler wie Jacques Monory, Bernard Rancillac, Valerio Adami, Peter Klasen oder Gerard Fromanger in Paris die Ausstellung "Nouvelle Figuration" organisiert. ... Der Künstler und Theoretiker Bernard Rancillac formulierte seine ästhetischen Bestrebungen nicht nur als eine Gegentendenz zur lyrischen, informellen Abstraktion, beziehungsweise zur geometrischen, kinetischen Abstraktion der Pariser Galerieszene der fünfziger Jahre, sondern auch als Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Realität, wobei der Künstler die sichtbare Wirklichkeit nicht nur darstellen, sondern auch kritisch interpretieren und hinterfragen soll. 1965 hat man in Paris die große Ausstellung "Narrative Figuration" mit 68 Künstlern zusammengestellt. Beide Ausstellungstitel zeigen eindeutig die Wiederkehr der Figurativität, das heißt das künstlerische Engagement, die Wirklichkeit im Bild wiederzugeben und das Thema wie eine Erzählung, aber auch wie einen Kommentar zur gesellschaftlichen Realität zu definieren"...

..."Künstler wie Adami, Arroyo, Erró, Fromanger, Kermarrec, Klasen, Monory, Poli, Rancillac, Rebeyrolle, Recalcati, Velickovic oder Voss versuchten hier ihre figurative Kunst als Entmythologisierung und Enthüllung der visuell-bildnerischen Manipulation der modernen Konsumgesellschaft, welche die unmittelbaren Interessen der Machthaber – unter anderem auch den Konsumzwang, aber auch die verschiedenen Formen ideologischer Repressionen und irrationeller Vernebelungen – durch die Macht der Bilder und durch die sinnlich-bildnerische Vergegenständlichung der "Mythen" der modernen kapitalistischen Konsumgesellschaft legitimiert, zu manifestieren...."

..."Die Krise der informellen Malerei verstärkte das Interesse der jungen figurativen Künstler für eine neue, objektive, unpersönliche, gegenständliche Kunst, welche die Objekte des Alltagslebens und die Fragmente der Alltagssituationen – wie etwa Werbung, Schaufenster, Zeitungen und illustrierte Zeitschriften, Comics – ohne ästhetische Vorurteile in die autonome Bildwelt hereinnimmt. Erró, Peter Klasen, wie ihr Zeitgenosse, der englische Pop-Künstler Richard Hamilton, versuchten von Anfang an, die Motive der neuen technischen Welt, vor allem Maschinen und Konstruktionen, in ihre Bilder aufzunehmen. Wie die Pariser Künstler Jacques Monory und Eduardo Arroyo, entwickelten sie eine immer klarere, die sichtbare Welt in einer kühlen, unpersönlichen, photo- oder filmartigen Weise darstellende Formsprache, welche von Anfang an eine Komplexität der bildnerischen Referenzen aus dem Bereich des banalen Alltagslebens, aus der modernen, aktuellen, modischen Konsumwelt, aus der Politik und Zeitgeschichte, aber gleichzeitig auch aus der Kunstgeschichte aufwies. Während Arroyo, Monory, Klasen, Rancillac oder eine Zeitlang Mimmo Rotella sehr stark und bewußt mit Photos aus Tageszeitungen, Filmberichten, Fernsehnachrichten oder Filmplakate und mit durch die Massenmedien überall bekannt gewordenen Bildern operierten, haben Martial Raysse und Erró ihre komplexe Bildwelt immer auch mit den Fragmenten und genau wiedererkennbaren Details aus der Kunstgeschichte gestaltet."...

..."Die Aktivität der Gruppe der Figuration Narrative war einer der konsequentesten, ästhetisch und politisch klar durchgedachten Statements der 60er und 70er Jahre in der europäischen Kunstszene, welcher die Referenzen des Bildnerischen in der politischen, soziologischen, ideologischen Realitäten konkretisierte und die Kunst, die künstlerische Tätigkeit als gleichzeitig subversive und analytische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen, politischen, ideologischen, mentalen Situation, mit dem Machtmechanismus, mit den Methoden der Manipulation betrachtete."

(Auszüge aus: Lorand Hegyi, Figuration Narrative - Kritik des Bildnerischen in der spätmodernen Konsumgesellschaft, in La Figuration Narrative, Wien, 2002))