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Pors & Rao

90 Jahre gegen den Strom

HILGER NextWien 10
    23.03. - 25.05.2013


Vernissage: am Freitag, dem 22. März 2013, um 19:00 Uhr


„The Uncle Phone“ (2004–2006), ein überdehnt langes, rotes, funktionierendes Haustelefon kann gleichzeitig von zwei Menschen bedient werden. Während einer den Hörer hält, kann der andere die Nummer wählen. „Uncle Command“ (2005–2009), Plastik, Metall, Gold, Gummi, elektro-mechanische Komponente, 34 x 31 x 09 cm, eine intakte, goldene Schreibmaschine, versendet E-Mails bei mechanischer Eingabe. Humor als künstlerisches Werkzeug kommt in diesen Arbeiten, die auf den ersten Blick zuweilen einfach und anspruchslos wirken, nicht zu kurz.

Die Werke „Decoy“ (2008–2011), „Sun Shadow“ (2009–2011) und „Heavy Hat“ (2008–2011) werden mittels Körpersensoren durch die menschliche Präsenz aktiviert. Nähert man sich dem Bodenobjekt „Sun Shadow“ schleppt sich dieses mühsam vom Boden die Wand empor, um plump zurückzufallen beim Verlassen des Raumes. Kommt der Betrachter/die Betracherin in die Nähe der rundlichen Figur „Decoy“, beginnt sie hin und her zu schwanken und ihre dünnen, mechanischen Arme rauf und runter zu bewegen. Je näher man kommt, desto lebhafter werden diese Bewegungen, so als ob die Figur um Aufmerksamkeit ringt. „Heavy Hat“, eine lebensgroße Erscheinung, die auf dem Kopf steht – nach dem Motto, der Kopf samt Inhalt ist das schwerste am menschlichen Körper – und deren Beine waagrecht nach oben weisen, beginnt sich zu neigen. Zumal so stark, dass man versucht ist als BesucherIn, die Figur vor dem möglichen Umfallen zu bewahren und auffangen zu müssen.

„Pygmies” (2006–2009) nennt sich die Arbeit, bei der bei Ruhe kleine Kreaturen am Rand von an Wänden montierten Panelen erscheinen. Je stiller es ist, desto mehr dieser schwarzen Figürchen mit weißen Äuglein erscheinen. Beim geringsten Geräusch, wie beispielsweise Händeklatschen verschwinden sie wieder. In Form eines kuscheligen schwarzen, von der Decke hängenden Bären zaubert das Künstlerduo den nächtlichen Sternenhimmel. Diese Figur ist mit 1000 Fiberglasdioden bestückt („Teddy Universe“, 2009–2011). „Split Knife“ (2009–2011), eine Intervention auf zwei Sockeln, zeigt wie ein Küchenmesser einmal in den Sockel hinein fährt und simultan auf dem anderen Sockel mit der Spitze voraus wieder auftaucht.

Pors & Rao erschaffen beseelte Kunstwerke, die es gilt zu erforschen und kennenzulernen. Sie erfinden Vertrautes neu. In ihren Hightech Arbeiten verdrehen gewöhnliche Objekte spielerisch Verhaltensweisen. Sie kommunizieren, erzählen über sich, verstecken sich, wollen unsichtbar sein, die Balance halten und auf ihr Gegenüber reagieren. Es sind schließlich persönliche Untersuchungen der subtilen, im Unterbewusstsein ablaufenden Muster und Verhaltensweisen, die unsere Handlungen und die zwischenmenschliche Kommunikation bestimmen. Die Objekte erscheinen eigentümlich in ihrer Welt, jedoch in ihrem Verhalten logisch. Das Künstlerpaar ist nicht an der Technologie interessiert, sondern an deren Anwendung, um eine Art Parallelwelt entstehen zu lassen. Die angewandte Industrieästhetik ihrer Werke verwenden sie genauso wie Design als künstlerisches Gestaltungsmittel. Diese multidisziplinäre Kunst erschließt sich aus einer Idee mechanischer und elektronischer Technik, aus Softwareprogrammierung und handwerklicher Arbeit.

Seit 2009 präsentieren Pors & Rao ihre Arbeiten u.a. in: The Expanded Box, ARCO, Madrid; Indian Highway, kuratiert von Hans Ulrich Obrist, Julia Peyton-Jones und Gunnar Kvaran im Astrup Fernley Museum of Modern Art, Oslo; 4. Fukuoka Asian Art Triennale, kuratiert von Raiji Kuroda, Fukuoka Asian Art Museum, Japan; San Jose Museum of Art, San Jose, USA; Nam June Paik Art Centre, Seoul, South Korea. 2011 Einzelausstellungen in New Delhi und Burgos, Spanien.

Aparna Rao (geb. 1978) und Soren Pørs (geb. 1974) leben und arbeiten in Bangalore, Indien. Rao studierte am National Institute of Design in Indien, Pørs besuchte die School of the Arts, Utrecht, Holland