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Leo Zogmayer

GALERIE HILGER
 
16.11.2007 - 12.01.2008

Vernissage: Donnerstag, 15. November 2007, 19.30 Uhr
Im Rahmen der Eröffnung findet eine Dialogführung durch die Ausstellung
mit DDr. Michael Lehofer (Sigmund Freud Klinik, Graz) und Leo Zogmayer statt.


Leo Zogmayer
Neigung (China)
19 x 29cm; Aluminium mit Textgravur; 2007

China: kein Herkunftsmythos, keine Epik, keine prägenden Narrative. Keine theistischen Phantasien, kein übermächtiges Zeitdenken, keine Tradition der Mimesis, keine Ontologie.
Poesie und Wirksamkeit folgen der Neigung der Dinge.

Die Ausstellung kreist um folgende Themen, Bildtitel:
Das große Bild hat keine Form / Es ist einfach / Was wie? / In der ganzen Welt / Is your journey really necessary? / Why China? / Partituren / Rückseiten / Grenzen / Wort(e) / Rahmen / Brocken / TEXT / Alphabet

Aus einem Gespräch zwischen Karl Baier und Leo Zogmayer (2006):

Du hast einmal gesagt, dass es in deiner Kunst nicht um das Einrahmen, sondern um das Ausrahmen der Wirklichkeit geht. Von welchen Rahmen soll die Wirklichkeit befreit werden?

Von allen Rahmungen, Modellen, Erklärungen. Von den Definitionen, den Rahmen, die uns begrenzen. Wir brauchen einen ganz neuen Kulturbegriff. Er sollte der Kunst unterstellt sein. Paradiese ohne Einzäunung. Offene Gärten für Kunst, die das reale Leben ent–fernt, also Ferne abbaut, uns der Wirklichkeit näher bringt.Die zeitgenössische Kunst fordert stets Freiheit, ist jedoch oft selber unfrei. Ein Gutteil der Kunst und Kunsttheorie gehorcht z.B. nach wie vor dem europäischen Leidensparadigma, einer säkularisierten Fortsetzung religiöser Passionsphantasien. Ein masochistisches Element der christlichen Realgeschichte beherrscht bis heute manche Sparten der Kunst. Wenn im Rahmen der heurigen Documenta diskutiert wurde, ob die Moderne unsere Antike sei, wäre erst einmal zu fragen, wieweit wir überhaupt schon in der Moderne angekommen sind. Die europäische "Avantgarde" ist ja über ihre militaristische Terminologie in eine absurde Selbstbestimmung geraten.

Was meinst du mit Selbstbestimmung? Das heroisch-absurde Selbstbild, immer an vorderster Front kämpfen zu müssen?

Genau. Der Kunstbetrieb ist sehr kompetitiv geworden. Was Kunst eigentlich ausmacht, davon ist nur selten die Rede. Konkurrenzkämpfe, Innovationshektik, überzogene Kontextthematisierungen überwuchern, substituieren beinahe den eigentlichen Korpus der Kunst.

Du scheinst davon auszugehen, dass eine Kunst, die nicht in diesen Oberflächlichkeiten verstrickt ist, etwas zur Befreiung des Menschen beitragen kann. Ist das nicht ein zu hoch gesteckter Anspruch?

Kunst vermag doch sonst nichts! Das Gemachte, die Täuschung soll verblassen. Ende. Nichts ist wichtig. Kunst ist schwerelos. Egal in welche Gewichtungen sie einbricht. Alles dreht sich und feiert. Formen, Namen werden durchsichtig. Kunst muss Einbildungen, überhaupt alles Gebildete auslöschen. Die Welt verstummt. Und es wird sichtbar, was wir begreifen wollten. Wenn der Raum der Ansprachen und Ansprüche sich ins Offene entgrenzt. Das ist Kunst. Frei.

Hat das Offene, das du gerade angesprochen hast, auch etwas mit sozialer und politischer Freiheit zu tun, oder sind diese Bereiche für die heutige Kunst irrelevant geworden?

Ein beträchtlicher Teil der zeitgenössischen Kunst versucht ja bekanntlich, sich über politische Themen zu legitimieren. Soziale und politische Freiheiten sind aber Kompromissformeln, strategische Figuren, die innerhalb ihrer Felder wichtig, vermutlich sogar unverzichtbar sind. Sie allein machen jedoch nicht frei. Lass uns zwischen "die Freiheit" und "frei" unterscheiden. Freiheit definieren wir. Ist demnach begrenzt. Da gilt sie – und dort endet sie schon wieder. Sie hat mit Zielen, Wünschen, Forderungen zu tun. Frei hingegen will nichts. Frei hat auch nichts und hat demnach auch nichts zu verlieren. Explizit politische, engagierte Kunst dient immer nur bestimmten Aspekten der polis, folgt Ideologien, Konventionen, bedient Programme. Das macht sie oft blind für ihr eigentliches Potential. Kunst sollte es um nichts anderes gehen, als dass gesehen wird, was ist. Kunst ist Apokalypse: Enthüllung. Darin liegt mehr – auch mehr politische – Sprengkraft als in jeder geschichtlichen Revolution.

Leo Zogmayer
1949 geboren in Krems, Niederösterreich
Studium bei Herbert Tasquil an der Hochschule für angewandte Kunst Wien
lebt in Wien und Krems

Einzelausstellungen (Auswahl)
2006 Krems, Kunsthalle, schön
2005 Wien, hilger contemporary, neither