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Alfred Hrdlicka

"Serail - Bildhauerzeichnungen"

GALERIE ERNST HILGER
 04.06. - 23.06.2004

 

Vernissage: am Donnerstag, den 3. Juni 2004, um 19:00 Uhr


Die gerade entstandenen Bildhauerzeichnungen Alfred Hrdlickas thematisieren u.a. Mozarts "Die Entführung aus dem Serail". Es sind Aquarelle, Zeichnungen mit Bleistift, Kreide und Tusche. Hrdlicka beschäftigt sich mit menschlichen Abgründen und im besonderen mit Sexualität und Gewalt. Blossgestellet, peitschende, strafende Haremsdamen oder Enthauptete beleben die in reduzierter Farbigkeit akzentuiert ausgearbeiteten Blättern. Figuren wie der Haremswächter und der Geheimpolizist "Osmin" erregen Hrdlickas Interesse.

Das häufig zitierte Statement des Künstlers - "Mir fällt nich ein - mir fällt was auf." - führt an sein Kunstverständnis heran. Exemplarisch bedient sich Hrdlicka aus der Geschichte - Helden und Antihelden inszeniert er seinem Menschebild folgend. Es ist das der getriebene, geschundene Mensch, der verzweifelt einen Strohhalm sucht, ausgemergelt und reduziert auf das Wesentliche, lasziv in seiner Art, gefangen, von seinen Instikten vorwärts gepeitscht, leidenschaftlich, sinnlich, natürlich, menschlich.
"Ich bin ein Mensch, und nichts Menschliches ist mir fremd." (Terenz). Nichts ist Alfred Hrdlicka fremd, er scheint Gefühle und Befindlichkeiten jeglicher Art gleich stark in sich zu vereinen: Menschliches Unvermögen, Gewalt und Grausamkeit, Leid und Genüsslichkeit. Kraftvoll, energetisch und lebensecht (jedoch nicht naturalistisch) erscheinen seine Arbeiten.

Die Zeichnungen Hrdlickas weisen Analogien zu den plastischen Arbeiten auf. Detailliert in Passagen der Bewegung verlaufen sie sich im Nichts oder in der Leere des Blattes in "unwesentlichen" Abschnitten. Farbe setzt er als ein Mittel der Inszenierung ein. Der Strich bleibt unruhig, ruhelos, stets der Suche verplichtet.

Kurzbiografie:
Geboren in Wien. Studium der Malerei bei Gütersloh und Dobrowsky und Bildhauerei bei Wotruba an der Akademie der Bildenden Künste. Bis 1961 lebte er von Gelegenheitsarbeiten.
1960 machte er seine erste Ausstellung in Wien und schuf sich danach rasch einen Namen als Künstler von internationalem Rang. Er lehrte 25 Jahre an den Kunstakademien von Hamburg, Stuttgart und Berlin, bis 1966 an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien.
Er gestaltete einige aufsehenerregende Bühnenbilder, für das Bonner Schauspielhaus Faust I + II (1982), Luigi Nanos Intolleranza 1960 in Stuttgart (1992), aber auch in jüngster Zeit den König Lear im Schauspielhaus Köln (1994), für den Ring des Nibelungen in Meinigen (2001) und zuletzt zu der König Kandaules im Kleinen Festspielhaus, Salzburger Festspiele (2002).