Ausstellungsliste nach Galerien
 Ausstellungsliste nach Künstlern

Markus Prachensky

GALERIE ERNST HILGER
 21.01. - 22.02.03

 

Vernissage: am 21. Jänner 2003, um 19.00 Uhr


Die Donau ist rot

Das war sie nicht immer. Sie galt als blau und schön, weil sie jahrhundertelang fröhlich und stolz ein Weltreich durchströmte, um sich dann, ermattet, in ein Meer zu ergießen, das man schwarz nennt.

Dann wurde Europa, unruhig auf einem wütenden Stier, neu eingekleidet, um ihren ramponierten Ruf aufzupolieren. Der sanfte Schleier der schönen blauen Dounau zerrann.

Prachenskys mächtiger roter Pinsel griff ein, klatschte gewaltig an der Donau und in ihrem Quellgebiet herum, erzeugte Aufruhr und Beachtung, blieb misstrauisch, prüfte den mickrigen Tiber, entdeckte, dass die Spree auch kein gewaltiges Flusswerk ist.

Aber da lächelte ihm die zarte Seine zu, deren Quelle schließlich nur 250 km von den Brunnen der Donau entfernt ist. Der Rhein wurde überwunden, bekam natürlich kräftige rote Tropfen ab, jedoch die gütige Seine trug das Rot flussab und setzte ihr rotes Sediment gerecht in der Stadt auf die's ankommt zu beiden Ufern ab. Die schreibenden Fischer Alvard, Guéguen, Restany und Tapié freuten sich über ihren erstaunlichen Fang. Und in Wien vermerkte man, das die Donau, nun rot, plötzlich stromauf floss.

Die Seine ist ein gemächlicher Fluss, sie mäandert langsam durch flaches Land, doch ist sie zielstrebig: ihr Mündungstrichter weist westwärts, vereint sich mit den Gewässern des Kanals, und schaut sich im Atlantik nach neuen Gestaden um, wo für rote Pinselhiebe gut stranden wäre.

Der Hudson war aber schon ziemlich arbvermiert und dreckig: also diesmal auf dem Luftweg an die Westküste, wo die roten Pinsel der spröden Wüstenlandschaft Süd-Californias Form und pikturale Ordnung beibrachten.

Jetzt konnte Markus Prachensky dem drängenden Heimweh nach der alten Donau folgen und für eine Weile zu Europa zurückkehren - sie hatte sich dafü natürlich ein rotes Jäckchen umgehängt. Ehe aber die Donau womöglich wieder blau-schwärzlich bergab rinnen konnte, da machten sich die roten Pinsel, Tuschen und Stifte wieder auf neuerliche Reisen. Lunst und Schwirigkeit war ihnen gleichermaßen bekannt. Mutig gelang mehrere Umrundungen der Welt - bilderreich.

Und heute freut man sich am "Port des calestins" der Seine, dass die vielgeachtete schöne Donau wieder einmal anhält - tiefrot, erfahren und prächtig.

ESPACE ERNST HILGER
4, rue du roi de Sicile - 75004 Paris
Tel/fax: 00331 / 42 74 20 41

Biographie:

1932 Geboren am 21. März.
1952 Architektur und Malereistudium in der Akademie der bildenden Künst in Wien.
Monsignore Otto Bauer, der die Galerie St. Stephan leitet, bietet den jungen Malern Hollegha, Mikl, Prachensky und Rainer, die später die Gruppe "Galerie St. Stephan" gründen, ein Forum und holt in den folgenden Jahren französische Künstler nach Wien (Soulages, Mathieu, Degottex, Arp)
1957 Der Pariser Kunsttheoretiker Pierre Guéguen wird durch eine Ausstellung in der Wiener Secession auf Prachensky aufmerksam und schreibt in "Art d'aujourd'hui" einen Essay mit dem Titel "Le Rouge et le Noir - ou Stendhal rachiste", in dem er Prachensky Hartung gegenüberstellt.
Mehrmonatiger Aufenhalt Prachenskys in Paris, Teilnahme an einer Ausstellung in der Galerie Arnaud.
1958 1. Einzelausstellungen in der Galerie St. Stephan.
Prachensky lebt und arbeitet wieder in Paris, Lernt Arp, Giacometti, Soulages, Matthieu, Yves Klein und Sam Francis kennen, sowie die Kunsttheoretiker Michel Tapié, Pierre Restany und Julien Alvard.
1959 Teilnahme ab der Documenta II in Kassel (Graphik).
Erste Vorführung der Peinture liquide im Theater am Fleischmarkt in Wien. Julien Alvard lädt ihn zu Ausstellung "Jeunes peintres d'aujourd'hui" im Wiener Künstlerhaus ein.
1960 Malt in der Galerie St. Stephan die Serie Rouge sur blac - St. Stephan, darunter das 10 m breite und 2,80 m hohe Hauptbild
(Heute Museum Linz)
Zweite Vorführung der Peinture liquide Im Stadttheater von Aschaffenburg.
Seine Bilder werden im Pariser Musée du Louvre in der von Julien Alvard konzipierten Ausstellung "Antagonismes" gezeigt.
1961 Manifest "Retourmos á la peinture".
1962 Ausstellung in der Galerie Soleil dans la tête, Paris.
1963 - 66 Lebt und arbeitet abwechselnd in Stuttgart, Wien und Berlin
Teilnahme am "2éme Salon International des Galeries pilotes" in Lausanne.
1967 Prachensky übersiedelt nach Amerika; reist nach New York, wo er Clement Greenberg trifft. Schliesslich geht er nach Los Angeles.
1968 - 69 Gruppenausstellung im Los Angeles County Museum of Art und im Philadelphia Museum of Art.
1970 Ausstellung im Austrian Institute in New York.
Rückkehr nach Europa.
Manfred de la Motte zeigt im Kunstverein Hannover eine umfassende Retrospektive.
1972 Rückkehr nach Wien. Einzelausstellung im Museum in Ulm.
1974 Teilnahme an der Eröffnungsausstellung der Galerie Ulysses in Wien, die von da an seine Vertretung übernimmt.
1979 Grosse Retrospektive In der Akademie der bildenden Künste in Wien.
Einzelausstellung im Salzburger Kunstverein und in der Galerie de France in Paris.
1985 Teilnahme an der Ausstellung "Bilder für Frankfurt" im Frankfurter Museum für moderne Kunst.
1993 Einzelausstellung im Kunstverein Aschaffenburg.
1995 Personale im Kunstverein Augsburg.
1997 Retrospektiv - Ausstellung in der Neuen Galerie der Stadt Linz, Wolfgang Gurlitt Museum, anschliessend im Kulturhaus Graz sowie im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. Einzelausstellung im Kulturinstitut in Bozen.
2000 Anlässlich seiner Emeritierung zeigt die Akademie der bildenden Künste, Wien "Markus Prachensky Die Akademiejahre. Bilder 1983 - 2000".
Einzelausstellung im Willy - Brandt - Haus in Berlin.
2002 Retrospektive in der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere in Wien.
Lebt und arbeitet in Wien.