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So nah – so fremd

Harald Kutschera – Materialbilder
Anna Maria Brandstätter – Malerei und Grafik

  GUT GASTEIL
 29.08. - 01.11.2010

Vernissage: am Samstag, den 28. August 2010, um 18:00 Uhr
es spricht: Dr. Johann Berger


Die dritte und letzte „Doppel-Personale“ der Saison 2010 in der Galerie Gut Gasteil vom 28. August bis 1. November steht im Zeichen der Ausdruckskraft von Form und Material: Spannungsfelder und Emotionalität treten in direkten Dialog mit dem Betrachter. Harald Kutschera beschäftigt sich in seinen Bildern und Kollagen mit der Tiefe des vordergründig zweidimensionalen Raums und Anna Maria Brandstätter erweitert die Vielfalt von Schwarz in Graphik und Malerei in neue Dimensionen. „Kunst in der Landschaft“, die alle zwei Jahre mit neuem Thema arbeitende Einladung an heimische und internationale Künstler ihre Objekte für das 16 Hektar große Areal zu schaffen, wurde heuer um mehrere Objekte erweitert.

Harald Kutschera bewegt sich jenseits der erklärenden Vernunft
Die glatte eindimensionale Verstandeswelt ist seine Sache nicht, und so beschränkt sich Harald Kutschera in seinen Bildern auch nicht auf die Zweidimensionalität der Fläche, sondern erschließt gerne mit allen Mitteln die Plastizität der dritten Dimension. Er bricht die Ebene jenseits des Figuralen auf und öffnet damit die räumliche Tiefe ebenso, wie die Schichten des Bewusstseins – bei sich selbst und beim Betrachter. Als Autodidiakt widmet sich der 1923 in Laa a.d.Thaya Geborene nach einer „bürgerlichen“ Laufbahn in der Wirtschaft nun unbeschwert dem künstlerischen Streben nach unmittelbarer Erkenntnis, der Prozess dieser Suche wird zum Ziel. Mit seinen Bildern „ohne Titel“ möchte er den Betrachter mit sich selbst allein lassen und ihm so die Erschaffung des persönlichen Kunstwerks ermöglichen. Gedämpfte Farben auf Leinwand oder Holz, auch pastos aufgetragen, Ton in Ton und doch leuchtend, bilden die Basis, auf die Kutschera Applikationen als Erweiterung der Farbmöglichkeiten setzt: Holz, Pappe, Draht, Metall. Licht und Schatten erzeugen Reliefs, die eine deutliche Tendenz zur Symmetrie zeigen, mit wandelbaren Stimmungen, die auch den indirekten Dialog zwischen dem Empfinden des Künstlers und jenem des Zuschauers unterstützen, auf das Unbewusste wirken und emotional-sinnliche Erinnerungen wecken sollen.

Anna Maria Brandstätter - Die Kraft des Schwarz
Schwarz in seiner Vielfalt und seiner Vieldeutigkeit enthält für die junge Absolventin der Kunstuniversität Linz, Anna Maria Brandstätter, die größte Kraft an Ausdrucksmöglichkeiten. Schwarz als Ort des Rückzugs und der Abgeschiedenheit, die die Aussicht auf neue Aspekte fokussiert. Schwarz als feine Linie, die sie in ihren Tusch-Federzeichnungen in unterschiedlichster Intensität strichelt, oder großflächig in Form der Druckfarbe, die sie in ihren Radierungen differenziert zur Geltung bringt. Die Striche der Zeichnungen gewinnen durch die besondere Struktur eine rhythmische Dynamik, durch die unterschiedliche Richtung der Schraffierung auch in geschwungenen Linien entsteht eine Plastizität die Bewegung, wie ein Wasserstrudel oder vom Wind bewegte Bäume aus großer Entfernung betrachtet. Wolken sind für die 1977 in Amstetten geborene Künstlerin Vorbild für ihre Arbeiten – die ständige Bewegung in großer Ruhe. In den Radierungen, die sie mittels Eisenchlorid II auf Aluminium ätzt, geht die Bewegung von den gröberen, kraftvollen Linien aus, Wirbel, die in ihrer Verdichtung dem massiven Schwarz noch mehr Raum gegeben, die dem durchscheinenden Strich gegenüberstehen. Bei diesem Medium kommt für Brandstätter ebenso wie bei der Malerei, die Lust an der Materialbearbeitung dazu, die Direktheit, die Authentizität ermöglicht. Die Malerei gibt ihr eine andere Gelegenheit des sinnlichen Umgangs mit dem Medium: Sie trägt die Farbe unmittelbar mit den Händen auf, verwischt, verschiebt oder schleift, bis ineinander übergehende Farblandschaften entstehen. Traumwelten, Innenwelten in ruhigen Schattierungen. Die Arbeit als spontaner und doch kalkulierter Prozess, der die einzelnen Werke in Beziehung setzt als Antworten, Reaktionen und Anregungen und zu größtmöglicher Freiheit des Ausdrucks führen soll.

Die japanische Objektkünstlerin Ohya Rica benutzt als bevorzugtes Arbeitsmaterial Schlamm und Lehm und fand während ihres mehrwöchigen Aufenthalts auf Gut Gasteil in den Überresten der Frühlingsstürme und dem geschnittenen Gras den Grundstoff für ihre großvolumige Naturplastik „Container for Life“: Ein untergehendes Schiff, wie zum Wrack verfallen und doch geschaffen aus den Elementen, hervortretend und die Schönheit des Verfalls in diesem Zwischenstadium beleuchtend. Ihr Naheverhältnis zu Schlamm erklärt die Künstlerin nicht nur aus ihrer Persönlichkeit, sondern auch aus der japanischen Kultur, wo die mit Wasser vermengte Erde Lebensgrundlage zum Beispiel für den Reisanbau und Baustoff bildet.

Der 1966 in Ried in ÖO geborene Andreas Sagmeister übertrug das Jahresthema „so nah – so fremd“ auf seine konstruktivistische Form und Materialsprache. Aus derselben Basis entspringend, entfernen sich zwei Ebenen diametral entgegengesetzt in gebogener und abgewinkelter Form. Der Widerspruch der Form findet im selben Holzstück statt, während die Verlängerung in die jeweils andere Richtung von anderer Holzart in Symmetrie durchgeführt wird. Eine Reflexion der Verschiedenheit und der Richtungsentscheidungen und Kontrapunkt zur formal weniger strengen Umgebung.

Herbert Hackls „Dino“, dessen stilisiertes Skelett wie halb ausgegraben aus der Erde ragt, sowie zwölf großformatige neue Frauen-Figuren von Charlotte Seidl ergänzen die diesjährigen Neuzugänge der Landschaftskunst, die das ganze Jahr über erwanderbar sind.