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Richard Jordan

Werkschau


 GALERIE FREY
 07.12.2005 - 11.02.2006

 

Vernissage: am Dienstag, den 6. Dezember 2005, um 19.00


Richard Jordan

Mag. Sonja Traar

Richard Jordan ist 1957 in den USA (Ohio) geboren, hat die Jahre 1980 bis 1985 in New York verbracht und lebt seit 1985 in Berlin. Diese lokalen Eckdaten belegen das künstlerische Spannungsverhältnis, in dem Richard Jordan tätig ist. New York erlebte in den 80er Jahren eine boomende Kunstszene, in deren Mittelpunkt die Künstler Alex Katz, Davis Salle, Philipp Taaffe, Julian Schnabel und andere standen. Großformatige Bildschöpfungen, deren pluralistische Bedeutungsvielfalt anhand figurativer Kürzeln Spuren aus der National- und Kunstgeschichte, aus Persönlichem und der Szene selbst erkennbar machten, dominierten. Gleichzeitig begann sich eine neue Form der Abstraktion mit Vertretern wie Morris Louis und Sam Francis herauszubilden. Diese Ausdrucksform hat ihre ursprünglichen Wurzeln in den Drip Paintings Jackson Pollocks und erfährt nach dem lyrischen Abstrakionismus der 50er Jahre und den Shaped Canvases Anfang der 60er Jahre einen neuen Grad radikaler Ausdrucksstärke. In den 70er Jahren erarbeiten Blinky Palermo (1940–1977) und Imi Knoebel (geb. 1940) auf materialanalytische Weise neue Möglichkeiten von Farbe. Farbe ist nicht mehr auf dem Trägergrund Leinwand angebunden, sondern erzeugt durch komplexe Raumgestaltungen aus vernagelten Brettern, bemalten Möbelstücken etc. übereinanderliegende Bildebenen. Die Farbe spiegelt so etwas von einer berührenden Dinghaftigkeit wider, die Beuysschen Objekten und Installationen eigen ist. Hier liegt nun der Ansatzpunkt für die Arbeiten Richard Jordans. Die Farbe in seinen Bildern besitzt einen Eigenwert, der über den Materialbezug jedoch noch weit hinausgeht. Sie wird zu einer pastosen, dann wieder planen Ebene für Verweise. Als ein solcher Verweis könnten bunte Farbtropfen sein, die vom expressivem Gehalt der Pollockschen „Drops“ zu beruhigten Farbinseln in den Bildern Jordans geworden sind. In manchen seiner Werk lagert am Rande der Malfläche Farbe als Residuum, welche die Bildexistenz in sich bewahrt. Als Verweise sind auch die Selbstporträts Jordans lesbar, die vermehrt um 1997 entstehen. Seine Porträts erscheinen schemenhaft hinter einem nach außen immer dichter abgeschlossenen Bildraum und verschwinden nach und nach hinter weißen, kräftigen Pinselstrichen. Diese bilden gleichermaßen ein Gitter, das den Abschluss nach außen zunehmend verstärkt, bis es puristisch anmutenden Eigencharakter erhält. Die Farbe wird in den Porträts selbst zum Verweis, im Fall Jordans zum geistigen, körperhaften Raum des Künstlers. Die Farbe ist nicht bloß zum Träger ihrer selbst geworden, auch nicht zum Träger einer bildhaften Vision, sondern stellt eigentlich Nichts dar – weder Abstraktion, noch Figuration, noch Material. Der Künstler entkörperlicht und entgeistigst seine Malerei, die nichts als einen spirituellen Freiraum hinterlässt. Trotzdem bleibt der vorangehende Prozess wahrnehmbar und das Nichts scheint angefüllt mit dem, was der psychogrammatische Gehalt der Identität des Künstlers selbst ist. Richard Jordan hat auf diese Weise die Ausdrucksmöglichkeiten der neuen Formen von Abstraktion bedeutend erweitert. Der Maler schließt sich im Zuge des Schaffensaktes nicht aus, sondern bleibt für die anderen vorhanden, wie für sich selbst. Der Ortswechsel Jordans 1985 nach Berlin geht mit einem mehr oder minder radikalen Wechsel der ihn umgebenden Kunstszene einher. Rainer Fetting (geb. 1940) und Helmut Middendorf (geb. 1953) propagierten soeben ein neues Metropolenbewusstsein, das aus dem Umgang mit der jüngsten deutscher Geschichte heraus als neuartige, künstlerische Antwort auf das Ambiente einer geteilten Stadt zu lesen ist. Richard Jordans hat über diese wilde Zeit hinaus, durch die Zeit der Wende bis heute seine eigene Bildsprache beibehalten. Seine Werke sind weder Teil der Schrillheit der New Yorker Kunstszene, noch von Farbschlachten der Großstadt geprägt – in ihrem reflektierenden und prozessualen Charakter ist sich der Maler selbst stets treu geblieben und hat so ein reiches, vielgestaltiges Œvre geschaffen.

Biografie

1957 geboren in Columbus, Ohio
1980 B.F.A. Syracuse University, New York
1982 M.F.A. pend. Bennington, Vermont
1985 lebt und arbeitet in Berlin

Ausstellungen (Auswahl)

1976 "Ohio Governors Art Exhibition ´76" Columbus Museum of Fine Art, Col. Ohio
1980 Everson Museum, Syracuse, New York
1987 "Under known in New York", Leubsdorf Gallery, New York City
1990 Galerie Michael Haas, Berlin (P)
1995 "Malwut und Leidenschaft", Galerie Michael Haas, Berlin (Ausst.Kat.) "Informelle Klänge", Kunstamt Wedding
1996 "Richard Jordan. Neue Bilder", Galerie Michael Haas, Berlin (P)
1997 Galerie im debis-Haus, Berlin (P)
1998 "Selbstportraits", Galerie Haas & Fuchs, Berlin (P)
1999 Art Cologne
1999 Galerie Haas & Fuchs, Berlin
2003 Galerie Hasenbach, Antwerpen
2004 Galerie Haas & Fuchs, Berlin
2005 Galerie Frey, Wien