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Helmut Fian

"Indianischer Mond"


 GALERIE FREY
 01.10. - 19.11.2005

 

Vernissage: am Freitag, den 30. September 2005, um 19.00


„Bilder der Kraft“
Notizen zu den neuen Bildern Helmut Fians

In seiner Beschränkung auf Bilder abstrakt-ornamentaler starkfarbiger Gestaltung zeigt sich das malerische Schaffen Helmut Fians der vergangenen zwei Jahre von großer Einheitlichkeit und Stringenz. Es erschließt sich in einer Abfolge von Werken, die als serielle Arbeiten auch als Ausschnitt eines Bildkosmos gelten können, in der das Einzelbild zum zufälligen Ausschnitt eines größeren Bildganzen zu werden scheint. Das vergangene Jahrhundert hat Linie, Fläche, Licht und Farbe in neue Beziehung gestellt und in neuen Bildsprachen die Möglichkeiten gegenstandsfreier Gestaltung definiert. Die Pioniere abstrakter Malerei wie Kasimir Malewitsch und Wassiliy Kandinsky, in der zweiten Jahrhunderthälfte Mark Rothko, Robert Motherwell oder Jackson Pollock haben die Pole gegenstandsloser Gestaltungen abgesteckt. Gerade der abstrakte Expressionismus, der in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Bahn brechende Malerei gefeiert wurde, verwirft die Gestaltungsmöglichkeiten klassischer europäischer Tradition und deren hierarchische, integrative Struktur des Bildaufbaus. Die unverwechselbare künstlerische „Handschrift“ wird aufgegeben, die Maler und Malerinnen erweitern den Kanon klassischer Malerei hin zu mechanisch hergestellten, stereotypen Strukturen, die häufig das Bildfeld sprengen und somit neu definieren. Anti-hierarchische „all-over“ Strukturen bestimmen auch die gegenwärtige Malerei Helmut Fians. Dass er meist an mehreren - manchmal bis zu acht - Bildern gleichzeitig malt, verdeutlicht eine Denk- und Arbeitsweise, die ganz den Prinzipien anti-hierarchischer Kunst entspricht. Das Ziel seiner Malerei ist nicht ausschließlich die Beschäftigung mit den ihr inne wohnenden Möglichkeiten, die Auseinandersetzung mit Fläche, Farbe und Form, sein malerischer Ansatz, sein künstlerisches Konzept folgt ganz eigenen künstlerischen Vorstellungen, in der energetische Durchdringung eine bedeutende Rolle spielt. Vielfältige Farbklänge und -kontraste bestimmen die Bildfläche seiner Werke, die Fian durch die vielen übereinander liegenden aufgetropften oder mit dem Pinsel aufgetupften Malschichten in vitale, lebendige Schwingung versetzt. In dreissig bis vierzig Malsessionen schafft der Künstler ein vibrierendes Netz von Farbknoten und Linien, die sich zu einem energetisch aufgeladenen Bildraum formen. Seine Bilder „wachsen“ und verdichten sich langsam zu organisch wirkenden farbigen Gebilden. Die meisten Bildflächen Helmut Fians sind rund, hier findet er eine Form, die eine nicht-achsiale Betrachtungsweise fordert. Über diese formal-ästhetischen Bezüge hinaus gehend formen sich viele seiner „Scheiben“ zu leicht gewölbt scheinenden, dreidimensional wirkenden Farbkörpern. Ein sensibler und versteckter Natur-Bezug lässt sich für den aufmerksamen Betrachter nicht leugnen, Assoziationen zu farbigen Planeten, in anderen Bildern zu wüstenhaften Erdzonen werden geweckt, die Naturerlebnisse des Malers schlagen sich als „Spuren“ im Bild wieder und spiegeln sich auch in den – seltenen – Bildtiteln. Daneben steht das Interesse Fians am Animismus indianischer Kulturen und in neuester Zeit die Beschäftigung mit der Kunst der Aborigines, in deren Bildern Fian Parallelen zu seiner eigenen Bildwelt findet. Diese unterschiedlichen Anregungen verbinden sich mit der großen malerischen Begabung des Künstlers, die in diesen neuen Bildern an die Werke seiner früheren Schaffensphasen anknüpft, diese aber mit den Mitteln der reinen Malerei über die reine Malerei hinaus führt. So gelingt es Helmut Fian eine energetisch aufgeladene Malweise mit den vielfältigen ästhetischen Möglichkeiten abstrakter Malerei zu einem eigenen, vitalen Bildganzen, zu einem Werk von außergewöhnlicher meditativer Ruhe und zugleich spannungsreicher Kraft zu gestalten.

Dr. Susanne Berchtold