Perspex: Polymethylmethacrylat (Kurzzeichen PMMA, umgangssprachlich Acrylglas, Friacryl®,
Vitroflex®,Oroglas® Plexiglas®, Limacryl®, Piacryl oder O-Glas), ist ein synthetischer, glasähnlicher thermoplastischer Kunststoff. Durch Polymerisation von Aceton, Blausäure, Schwefelsäure
und Methanol entsteht ein durchsichtiges, lichtleitendes, elastisches, schlagfestes, splitterfreies,
wetterfestes, leicht zu bearbeitendes, in allen Farben herstellbares und in alle Formen pressbares
Material. Acrylglas wurde 1928 etwa zur selben Zeit in Deutschland, Großbritannien und Spanien entwickelt und 1933 zur Marktreife gebracht. Es wird heute in großen Mengen hergestellt und
findet vielseitige Verwendung als splitterfreier und leichter Ersatz für Glas (nicht nur Schutzbrillen,
Schilder der Polizisten oder I-Phones der Demonstranten bestehen daraus). In der DDR wurde
der Markenname „O-Glas“ (für „organisches Glas“) verwendet.
Perspex People: Das gegenwärtige Alltagsleben verlangt zunehmende Effizienz und Durchsichtigkeit. Daten, die ihre Schatten auf uns werfen, machen uns Menschen zu transparenten
Humankapital - perspex people. (Die Bezeichnung Gläserner Mensch wurde zuerst für die in den
1920er Jahren vom Deutschen Hygiene-Museum entwickelten anatomischen Menschenmodelle
aus durchsichtigem Kunststoff benutzt und wird heute als Metapher des Datenschutzes verwendet, die für die als negativ empfundene vollständige Durchleuchtung der Menschen und ihres Verhaltens durch einen überwachenden Staat steht.) Das Auge des Einzelnen wird zur Kamera, das
Leben zur Serie, in deren Folgen jede/r jede/n stets unter Kontrolle hält. Facebook, Twitter, Social
Engineering und mediale Selbstbefähigung sind eine Seite der Medaille, doch auf der anderen
liegt die völlige Manipulation und das voyeuristische Scanning bis unter die Haut des Einzelnen, in
der so entstehenden Kontrollgesellschaft.
Die Trends führen zu einer immer intensiveren Durchdringung des Selbst auf den verschiedensten
Ebenen. Privates ist öffentlich, öffentliches privat und in der Folge werden einzelne Persönlichkeitsaspekte eines Individuums fremdbestimmt zu einem Gesamtbild zusammengesetzt.
Dieser Zustand und die dazugehörigen Auswirkungen auf das durchleuchtete Individuum, welches
diesen gesellschaftlichen Veränderungen gegenüber steht, ist Thema der Arbeiten von Stylianos
Schicho. Der Moment des Innehaltens, Registrierens und Umschauens, dieses plötzliche und
unvermutete Wahrnehmen der «Blicke», der Durchdringung von Außen übersetzt Schicho in seinen großformatigen Arbeiten und schafft gleichzeitig über das klassische Medium der Malerei ein
Dokument unserer Zeit.
Wiener Innenstadt Galerienrundgang am 11. März 2010, 18 - 24 Uhr

perspex people # I, Acryl auf Leinwand, 2 x 220 cm, Courtesy Galerie Lukas Feichtner
|
|