Ausstellungsliste nach Galerien

Standpunkte

Eine Auswahl aus dem Galerieprogramm


 GALERIE CURTZE
 24.07. - 31.08. 2005

 

Vernissage: 23. Juli 2005, 10-17 Uhr



Galerie Heike Curtze in Salzburg
während der Salzburger Festspiele 2005
Wiener Philharmonikergasse 2, 5020 Salzburg
Tel 0662/843193
Fax 0662/843104
Mob: 0043 664 11 26 026

Christian-Ludwig Attersee, Giampaolo Babetto, Günter Brus, Michael Danner, Bernd Koller, Markus Krön,  Rudolf Leitner-Gründberg, Wolfgang Lorenz, Tom Fruin, Anee Mann, Jürgen Messensee, Hermann Nitsch, Yigal Ozeri, Stephanie Pflaum,  Arnulf Rainer, Osvaldo Romberg, Petra Sterry, Michael Venezia, Paul Wallach

Unserer diesjährige Salzburger Festspiel - Ausstellung "Standpunkte" zeigt  exemplarische Arbeiten der KünstlerInnen aus dem Galerieprogramm  und spannt einen breiten Bogen künstlerischer Äußerungen von expressiver Aktionsmalerei eines Hermann Nitsch, bis zu fein komponierten Skulpturen von Paul Wallach. "Standpunkt" verliert in diesem Sinn seine statische Assoziation, zeigt künstlerische Weltsichten und Entwürfe, wird zum poetischen Auf -, Kopf - oder Hand - stand.

Weiters freuen wir uns, einen besonderen Schwerpunkt auf die Arbeit von Günter Brus setzen zu können. Zu den Arbeiten in der Philharmonikergasse zeigen wir in Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen, den Zyklus "Die Gezeichneten". (Karl  Böhm - Saal , Eröffnung 24. Juli 2005, 18.30 h)

Diese monumentale, 64-teilige Bilddichtung ist nach der Oper von Franz Schreker entstanden. Angelegt zwischen Zeichnung und Partitur breitet Brus seine Bildwelt aus. Schreckers Operntitel aus 1911 klingt, als wäre er eine Brus´sche  Wortschöpfung und ein Credo für sein künstlerisches Programm, vom Aktionismus bis zu den aktuellen Zeichnungen.

Überschwang, Melancholie, Ernsthaftigkeit, Selbstironie oder Groteske sind Schattierungen, die sich im Werk von Christian Ludwig Attersee seit seiner Zeit in den 60er Jahren - als selbstdefinierter "Schwindelprinz der hässlichen Schönheit"- finden. Der Betrachter taucht  in eine sinnliche Bildwelt, so zeigt sich z.B. in einer aktuellen Arbeit eine Frauenfigur auf einer Palette - deren  Farbtupfer wiederum die Knospen eines Zweiges bilden. Attersee schafft sehnsüchtige, bildnerische Assoziationen, die zum Teil durch die Bildtitel verstärkt oder aber auch ironisch gekippt werden. 

Die Bildwelt von Hermann Nitsch ist von intensivem Erleben und sinnlichem Umgang mit Farbe geprägt. Man spürt die ungebroche Lust Nitschs an der Malerei.
Eindrucksvoll hat Nitsch seinen Stellenwert in seinen jüngsten Ausstellungen in der Saatchi Gallery, London und Station Museum, Houston, gezeigt.

Menschliche Formen paraphrasiert Jürgen Messensee in seinen expressiven  Bildern und gibt sie als Chiffren (wie z.B. "Katamaran") und Bildkürzel wieder.
Mund, Auge, Brust und Torso verschmelzen und bilden in der Konzentration einen neuen Körper.

Von Arnulf Rainer zeigen wir Arbeiten aus dem Van Gogh - Zyklus und "Fossilien" - Überabeitungen von Michaux-Grafiken. In den Übermalungen der Van Gogh- Selbstportraits zeigen sich exemplarisch zwei unterschiedliche Arten, in denen sich der Künstler seinen Themen nähert.
Einerseits geht er mit großer Sorgfalt und Ehrfurcht vor, legt dunkle Schleier über die Vorlage, andererseits setzt er freche Farbtupfer in das Gesicht des Vorbildes und schafft dadurch einen neuen, frischen Zugang - nimmt dem Ganzen den Pathos.

Im Werk von Rudolf Leitner-Gründberg wird seine Vision einer durch Kunst überhöhten Existenz deutlich. Der Moment der Transzendenz im ästhetischen Erleben spielt eine zentrale Rolle und Prousts Gedanke - einer durch wenige freie Augenblicke erlösten Existenz - findet  im Werk von Leitner- Gründberg eine bildnerische Entsprechung:
"Die Arbeit an den Bildern geht von Momenten des Glückes aus, die durch Überlagerung plötzlich zu einzelnen Bildern verschmelzen und ein riesiges Volumen an Zeit in sich tragen und damit wieder auf die Welt einwirken." (Rudolf Leitner-Gründberg )

Wie in seinen Schmuckstücken findet Giampaolo Babetto auch in seinen Silberschmiedearbeiten den Bogen zwischen formaler Strenge und Harmonie.
In ihren reduzierten Formen entwickeln die Gebrauchsgegenstände die Qualität einer Plastik. Babetto beläßt den durch das Treiben des Silbers entstehenden Rand und zeigt uns das ganze Leben, das dem Material inne ist. Die Eleganz die von seinen Arbeiten ausgeht, könnte man auch als italienisches Erbe beschreiben.

Weiters zeigen wir aktuelle Arbeiten von  Tom Fruin, einem jungen Amerikaner, den wir erstmals im Frühjahr in Europa mit einer Personale präsentiert haben.
Fruin konfrontiert den Betrachter mit einem sehr aktuellen, gesellschaftlichen Tabuthema und setzt sich mit dem Thema Sucht auseinander. Er hält uns - ohne zu moralisieren - einen Spiegel unserer Abhängigkeiten vor.
Verstörend und anziehend zugleich wirken Fruins flags -genäht aus gefundenen drug bags und Fundstücken seiner Suche in der Subkultur.

Der in Paris lebende Amerikaner Paul Wallach, geht ganz bewusst auf neue räumliche Situationen ein und schafft Orte der Konzentration und Ruhe.
Doris von Drahten schreibt über die Arbeit "Key Note" - und das mag stellvertretend für das gesamte Werk von Wallach stehen: "..tritt die Arbeit auf, als würde sie in jedem Moment sich gerade erst entfalten und gleichzeitig wieder verschließen…"
Die Arbeit ist in einem ständigen Prozess, in jedem Moment komponiert sie mit dem Betrachter ihr Ereignis neu, nichts ist fixiert, definiert, die gesamte Arbeit ist ein ständiges Bewegtsein."

Trotz der malerischen Fülle im Werk von Yigal Ozeri schwingt immer ein konzeptueller Ansatz mit. Er zitiert Ausblicke aus seinem Atelier-Fenster oder die Selbstdarstellung einer Countess de Castiglione. Mit malerischer Brillianz nähert er sich seine Themen - manchmal historisierend - aber immer mit einer "postmodernen Leichtigkeit".

Auch Osvaldo Romberg wandelt ohne historische Schwere durch die (Kunst-) Geschichte und schürft, gleich einem Archäologen, seine Werke frei. Wie in einem Vexierspiel springen unsere Gedanken vom historischen Vorbild, zu Naturgeschichtlichen Zitaten, zur zeitgenössischen Kunst und schaffen so einen Augenblick der Zeitlosigkeit.

Michael Venezia findet früh zu einer neuen, ungewöhnlichen Bildform; er reduziert die Bildhöhe auf wenige Zentimeter, die Bildbreite dehnt er aus.
Er ersetzt Leinwände durch Holzlatten, auf deren Vorderseite er, entweder mit dem Pinsel oder mit der Spachtel, die Farbe aufträgt.
In diesem Format - einem Horizont ähnlich- schafft er skulpturale Malereien mit ganz eigener Dichte und Konzentration.

Die Grenzen zwischen Malerei und Skulptur lotet Stephanie Pflaum in Ihren Installationen aus. Wir finden uns zuerst in einen wirren Assemblage aus Plastikbukkets, Haarteilen und anderen ironische Details - jeweils Anklängen an die Klassische Malerei - die sich jedoch bei genauer Betrachtung, als genau konzipert erweist. Betroffen oder Unterhalten - immer lässt uns Pflaum zwiespältig zurück und verweist auf den Voyerismus des Betrachters.

Bernd Koller umkreist in seinen Zeichnungen in einer Art Erfahrungsprotokoll die menschliche Existenz. Figuratives kombiniert er assoziativ mit landschaftlichen Eindrücken. Reste von wieder abgewaschenen Bildkürzeln und Worten dienen zur Suggestion und Bildfindung, und sie zeigen wie sich der Künstler seinen Themen nähert.

Markus Kröns bevorzugte Motive sind Voralpensiedlungen und durch den Menschen gestaltete bzw. verbaute Landschaften. In den aktuellen Arbeiten sind es oft schwangere Frauenakte, die diesen negativen Idyllen eine ganz neue Bedeutung geben.

Anee Mann geht in Ihren neuen Arbeiten malerisch mit dem Medium Fotografie um. Ein Gesicht, ein Mund, eine Auge, lösen sich fast im hellen Weiß des Bildgrundes auf und verweisen auf Grundstimmungen menschlicher Existenz.

 "Paare und Solisten" bevölkern  Wolfgang Lorenz aktuelle Malereien. Vor monchromen Hintergrund löst er vegitabile Formen geometrisch auf und schafft mit diesen neue, "verdoppelte" Stillleben.

Die Bleistift-Zeichnungen und Leinwände von Petra Sterry lassen Bezüge zu Psychologie und Literatur herstellen und sind formal reduziert. Petra Sterry beschränkt sich in der Darstellung der Gegenstände auf den Kontrast zwischen Graphit und der weißen Fläche des Blattes (oder in den Leinwandarbeiten - auf den Kontrast zwischen Konturen und dem monochromen Hintergrund). Die Leerräume bilden einen wesentlichen Bestandteil.

Zusätzlich liefern lapidare Titel und Texte in den Zeichnungen weitere Hinweise zur Auslegung, deren Assoziationen hin zu Tod oder Leere, die bei aller Ernsthaftigkeit im Werk Sterrys, nicht immer wörtlich genommen werden sollten und feinsinnig bis ironisch gegen Allüren der Betroffenheit anspielen.

Im Hof zeigen wir Skulpturen von Michael Danner. Bewegung - Gegenbewegung - Konzentration - Schwere - Schwerelosigkeit - dies sind Begriffe, die die Arbeiten Michael Danners immer wieder kennzeichnen.

Alle Skulpturen bewegen sich miteinander oder gegeneinander und sind in diesen Arbeiten an den Fließbewegungen einer Welle orientiert. Sie gliedern sich in den Gesamtfluss seiner Installationen und Skulpturen, die sich der Balance, der Spannung und den Kreisläufen der Natur widmen.