Ausstellungsliste nach Galerien

Klaus Pinter

"Collision au goût barouque"
Malerei und Grafik


 GALERIE CURTZE
 07.06. - 09.07. 2005
ab dem 20. Juni nach telefonischer Vereinbarung

 

Vernissage: am Montag, 6. Juni 2005, 18 Uhr



Gedächtnis und utopisches Potenzial
Klaus Pinters Interventionen in historischen Architekturen

Seit 1995 beschäftigt sich Klaus Pinter mit ephemeren Großinstallationen. Historischen Architekturen und Objekten stellt er markante skulpturale Einbauten entgegen, die vorgefundene Ausstattung wird zum Ausgangspunkt seines Experimentierens mit nicht-kompatiblen Formen und Zitaten. Durch die dekorative Störung vorhandener Ordnungen entsteht ein intensives Konglomerat der Erscheinungen, das neue Blickwinkel auf die historischen Raumanordnungen freilegt und die Geschichte als eine „von Jetztzeit erfüllte“ (Walter Benjamin) bewusst macht. Unter anderem wurden das Bonner Akademische Kunstmuseum (1997), die Alte Residenz in Salzburg (1998) und die Wiener Hermesvilla (mit Objekten aus dem Depot des Wien Museums; 2000) zu Schauplätzen von Pinters Interventionen.

Für seine skulpturalen Einbauten bevorzugt Pinter Materialien wie Plexiglas, Spiegel, Lichtketten auf Aluminium und pneumatische Konstruktionen. Das bemalte Plexiglas gewährt ungewöhnliche Durchsichten in die an Partituren erinnernden Schichtungen von Altem und Neuem; in den großflächigen Spiegeln werden Deckenornamente aus ungewöhnlichen Perspektiven sichtbar; die Lichtketten auf Aluminiumgerüsten lassen sich zu Raum füllenden gitterartigen Plastiken bündeln. Die pneumatischen Konstruktionen – sie beschäftigen Pinter bereits seit den 60er Jahren – kontrapunktieren durch ihre Weichheit, Leichtigkeit und teilweise Lichtdurchlässigkeit die statischen und schweren Formen der Architektur und ermöglichen ein flexibles Arbeiten mit großen Volumen.

Die Ausstellung Rebonds im Pariser Panthéon (April bis September 2002) ist dafür das prägnanteste Beispiel: Hier schob Pinter zwei pneumatische Globen, die den Boden nur leicht zu berühren scheinen, vor die Kulisse der prächtigen Kuppel Soufflots, deren Deckengemälde in einem aufwändigen Druckverfahren auf die gewölbten Kugelsegmente übertragen wurden. An die Globen koppelte er ornamentale Schlauchelemente, deren Linienführung an Kalligraphien erinnerte. Durch diese Eingriffe entstand ein Werk von gigantischen Dimensionen, das die Besucher des monumentalen Raums wie ein Rückstoß (rebond) empfing. Die Betrachter waren irritiert – „unwillkürlich waren sie aufgefordert, aus ihrem tiefsten Inneren heraus teilzunehmen an der Debatte zwischen utopischem Potenzial der Kunst und aufgeschichtetem Gedächtnis des Ortes“ (Milovan Stanic).

Gegenwärtig arbeitet Pinter an Projekten in Berlin und Wien. In der ältesten Barockkirche Berlins, der Parochialkirche, trifft in einer der drei mächtigen Konchen ein von innen beleuchteter, schräg den Raum teilender ellipsoider Plexiglaskörper auf eine große pneumatische Sphäre; Arbeitstitel: Kollision Berlin-Mitte. Für den Harriet Hartmann Court der Albertina werden im Auftrag des Wiener Da Ponte Instituts die Formen der Flugapparate zur Zeit Mozarts zum Ausgangspunkt der räumlich-grafischen Intervention La conquête de l’air: Auf der Haut eines über den Köpfen schwebenden, lichtdurchlässigen Körpers spiegeln sich Fassadenteile des benachbarten Innenhofs und werden durch asymmetrische Ornamente durchbrochen. Mit diesen Arbeiten setzt Pinter die irritierende Debatte fort: ein ‚Über-Schauen’ wird in Gang gesetzt, die neue Sichtweise erfindet das Bekannte neu.