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In Memoriam
Kurt Kocherscheidt

1943 - 1992

GALERIE CURTZE
 22.11.2002 - 18.01.2003

 

Vernissage: am Donnerstag, den 21. November 2002, um 19:00 Uhr
Zur Eröffnung spricht: Walter Pichler


Anläßlich des 10jährigen Todestages von Kurt Kocherscheidt zeigen wir sieben Leinwände aus den Jahren 1984 und 1985.
Ergänzt wird diese Gruppe, die aus einer Berliner Privatsammlung kommt durch einige Arbeiten auf Papier.
Die Leinwände stammer aus einer Zeit, in der Kocherscheidt, der nach eigenen Aussagen in den 60er Jahren viel Zeit mit den Malern der "Wirklichkeiten" verbracht hat, die Beschäftigung mit dem Gegenstand, mit seinen Gegenständen, den Pflanzen, der wuchernden Natur, auch dem menschlichen Körper bereits hinter sich gelassen hat.
Die Bilder unserer Ausstellung bilden keine Wirklichkeit mehr ab - vielleicht ist sie noch als Reflexion vorhanden - das eigentliche Thema Kocherscheidts aber ist jetzt die Malerei, eine Malerei die unter Verzicht auf jede vordergründige ästhetische Qualität und Eleganz, die ihre wesensimmanenten Gesetzmäßigkeiten erforscht. Diese Bilder in ihrer Konsequenz und ihrer düsteren Schönheit bilden nicht mehr ab. Sie haben ihr eigene Wirklichkeit gefunden. Ihre Autonomie rückt sie in die Nähe der Musik " ...das Geräusch der Oberflächen, das Dröhnen der Bild- und Farbflächen, das Tempo der Zeiten".

(Zitat Wolfgang Rihm).

Ein Werksverzeichnis von Kurt Kocherscheidt ist in Vorbereitung.
Kurt Kocherscheidt geb. 1943 in Klagenfurt, gestorben 1992.

Trumm und Splitter, ein elegischer Ansatz.

wie aus einem Ofen fegt der brennheisse Gedanke aus dem Hirn;

erkaltet, auf dem Weg zur Hand, fliegt er auch schon über die Schulter, liegt er zermettert da im tiefen Schacht.

Wie in Butter presst sich die Ferse in die Erde und hinterläßt einen scharfkantigen Eindruck, schon füllt er sich mit weichem Wasser, ein kleiner Torbogenteich.

Wie eine zweite Haut knittert die nasse Hose auf dem bebenden Körper, schon damft sie auf und ist mit einem scharfen Faltennetz überzogen.

Wie ein Tier wälzt sich das Auge herum, während es einer Bahn folgt, schon schliesst es sich wieder und zeichnet gelbe Splitter auf die schwarze Tafel.

Farben erzeugen Trommeltöne und schon geht ihnen der Rhythmus verloren.

Ein Trumm rumpelt in seiner Wanne, haut sich Splitter ab und ist wie sein eigener Bildhauer.

Zellen teilen sich in Spiegelbilder, Schwierigkeiten mit der Symmetrie.

Schliesslich bleiben Pinsel stecken wie ein Kleister, Spachteln kommen ihnen zu Hilfe.

Millionen Ameisen treten einen Weg aus, schon blitz es, donnert und der Regen haut ihnen alles zusammen.

Aber die Nacktschnecke gleitet über die Tümmer die ganze Nacht, malt und malt Muster über Muster, dumpfe Zeichen der Natur.

Juni 1986