Im Rahmen der Ausstellung Bilderstreit – Widerspruch, Einheit
und Fragment (Köln, Frühjahr 1989) zeigten wir Jüngeren
(Siegfried Gohr und der Schreibende), inzwischen verantwortlich für
Ausstellungen dieser Art, drei Skulpturen von Andreas Urteil: „Weibliche
Formen“ (1958), „Flammende Venus“ (1961-62), auch „Flammenfrau“ genannt,
sowie „Ikarus“ (1963). Im gleichen Raum präsentierten
wir an den Wänden die Werke von Malern wie Jorn, Mortensen,
Nay und Leroy. In diesem Kreise wiederum war Urteil der jüngste,
ein Sohn dieser älteren Generation, deren Vertreter wir noch
Jüngeren ebenfalls zu unseren Vätern zählten und gegen
die wir damals auch ins Feld ziehen mussten. Das geschah aber bereits
im Schlepptau der eigentlichen Sieger des Zweiten Weltkrieges, der
Amerikaner, deren Aufbruchstimmung wir zu folgen versuchten. Mit
der Entdeckung der neuen Welt vernachlässigten wir es dann,
ganz im Trend der Zeit, zu beobachten, was inzwischen im alten Hause
Europa (Ecole de Paris, Informel) noch Interessantes passierte. Wir
ließen es stehen, gerade da, wo es für uns immer gestanden
hatte und bauten, wie bereits angedeutet, nach 1960 gleich daneben
eine eigene Stadt, und zwar mit unseren eigenen Ideen und künstlerischen
Mitteln. Geliefert wurden uns diese von verschiedenen Seiten, einmal
von den Wiener Aktionisten, dann von Beuys und den jungen Malern
aus dem Osten Deutschlands, die bereits in Düsseldorf oder im
Westen Berlins am neuen Bild arbeiteten. Etwas später kamen
dann weitere Impulse aus dem Kreise der italienischen Künstler
der Arte povera dazu, die alle, wenn auch an unterschiedlichen Stellen
stationiert, am Ende der sechziger Jahre ihren ideologischen Streit
vom Zaune rissen, mit welchem sie die harten siebziger Jahre zu überleben
wussten, um dann in den achtziger Jahren zu ersten Erfolgen zu kommen.
Vom Weg durch die letzten drei Jahrzehnte war dann 1989 in der Ausstellung
Bilderstreit die Rede, die gleichzeitig zu belegen versuchte, wie
die neue, andere Stadt gewachsen war. Dass wichtige Arbeiten von Andreas Urteil in dieser so umstrittenen
Ausstellung zu sehen waren, mag vorerst einmal verwundern, aber
nicht eigentlich überraschen, vor allem wenn man sich der im Untertitel
aufgeführten Maxime Widerspruch, Einheit und Fragment der
Kunst seit 1960 erinnert und diese mit der Haltung und den Intentionen
des Bildhauers in Zusammenhang bringt.
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